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Nothing, Nowhere - Void eternal

Nothing, Nowhere- Void eternal

Fueled By Ramen / Warner
VÖ: 31.03.2023

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 5/10

Nu kid on the block

Was im Pop-Punk sehr spürbar ist und teilweise ziemlich unangenehme Züge annimmt, ist einer der vermutlich verhasstesten Musikrichtungen aller Zeiten einigermaßen erspart geblieben. Irgendwo zwischen Neunziger-Revival, Avril Lavigne und Machine Gun Kelly wartet der Nu Metal noch auf sein standesgemäßes Comeback. Doch selbst damals gab es neben umgedrehten roten Basecaps und verunglückten Beatbox-Passagen weißer Dreadlocks-Träger ein paar Highlights. Das Debütalbum "Hybrid theory" von Linkin Park beispielsweise, das vor mittlerweile fast 25 Jahren überraschend unpeinlich Rap und Metal verliebte, verlobte, verheiratete. Viel Teenage Angst, viel Wut und ein klein wenig Todessehnsucht: Genau auf diese Zeit bezieht sich Joseph Mulherin a.k.a. Nothing, Nowhere mit seinem neuen Album "Void eternal" in seiner Ankündigung. Inspiration und Trost möchte er jungen Menschen bieten, die ihre persönlichen Kämpfe auszutragen haben.

Schrieb Kollege Uhlig vor zwei Alben über "Ruiner" noch, dass der US-Amerikaner einem seine Emotionen und Texte nicht ins Gesicht schreien würde, ist die Nu-Metal-inspirierte 2023er-Variante des Rappers, Sängers und Gitarristen das genaue Gegenteil davon. Schon beim Opener "Anx13ty" ist Mulherin so nah dran, dass man seinen Atem im Gesicht spüren kann, während ein warmer Sprühregen aus Speichel über einem niedergeht. Es lässt sich nicht anders formulieren: Die Riffs ballern, leicht Rap-artige Parts gehen in großen Refrains auf und werden im Breakdown zerschmettert. Während der Vorgänger "Trauma factory" eigentlich auf dem Weg war, seinen Frieden mit dem Pop zu machen, springt "Void eternal" plötzlich wie von der Tarantel gestochen auf und ein ums andere Mal über die Sense, die Gevatter Chartsmusik nach ihm schwingt.

Das heißt freilich nicht, dass es nicht auch eingängige Melodien gibt, denn die liebte Mulherin schon immer und kann sie mit einer veritablen Gesangsstimme auch von ganz leise bis ganz laut genau so ausgestalten, wie er es möchte. Sowieso habe der 30-Jährige dieses Album laut eigener Aussage "exakt so gemacht, wie er es haben wollte." Dafür hat er in seine restaurierte Studioscheune in den Wäldern von Vermont auch eine ganze Reihe von Features eingeladen. Die Kanadier von Silverstein werten "Thirst4violence" noch eine Brutalitätsstufe auf, bevor Gast-Rapper Freddie Dredd in bester "Eat you alive"-Manier den einzig unangenehmen Part auf dem Album abliefert. Horrorcore-Fantasie hin oder her, auf Schwestergeficke hätte man dann doch gerne verzichten können, gerade wenn man jungen Menschen ein sicherer Hafen sein möchte. Zum Glück vergisst man das schnell wieder, wenn im anschließenden "Cyan1de" Pete Wentz von Fallout Boy in einem der größten Hits und härtesten Songs in der Diskografie von Nothing, Nowhere seine Seele in den Breakdown erbricht. Oder Buddy Nielsen von Senses Fail für "M1sery syndrome" im Operationssaal vorbeischaut: "They're microdosing empathy / To get me through the surgery."

Dass die Grenzen zwischen Nu Metal und Metalcore in den zwölf Songs fließend sind, macht "Void eternal" zu mehr als einer Reminiszenz an die eigenen Helden von Mulherin. Er updatet den Sound mit seinen Mitteln für die Generationen Y und Z. Besonders deutlich wird das in "Ven0m", das mit seiner Pop-Smoke-Bassline direkt vom Drill inspiriert ist, bevor es mit Hilfe der Band Underoath Genres wechselt. Nothing, Nowhere nimmt nicht den Rap der Neunziger und mischt ihn mit Post-Grunge, sondern greift sich die jeweils neueren Modelle der letzten 20 Jahre und verschmilzt diese. Ein bisschen Bring Me The Horizon steckt da auch irgendwo drin und eine ganze Menge Emo ebenfalls. Und auch jede Menge Herz. Vielleicht erfindet hier gerade jemand den Nu Nu Metal.

(Arne Lehrke)

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Highlights

  • Anx13ty
  • Cyan1de (feat. Pete Wentz)
  • Ven0m (feat. Underoath)

Tracklist

  1. Anx13ty
  2. Trag3dy (feat. Will Ramos of Lorna Shore)
  3. Psycho psychiatry (feat. Seeyouspacecowboy)
  4. Chr0makill3r
  5. Suicide pact
  6. Thirst4violence (feat. Freddie Dredd & Silverstein)
  7. Cyan1de (feat. Pete Wentz)
  8. Er4ser
  9. F0rtune teller (feat. Static Dress)
  10. M1sery syndrome (feat. Buddy Nielsen of Senses Fail)
  11. Ven0m (feat. Underoath)
  12. Memory fracture

Gesamtspielzeit: 42:00 min.

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User Beitrag

Klaus

Postings: 9203

Registriert seit 22.08.2019

2023-03-31 19:54:48 Uhr
Ah, das verschollene Linkin Park Album.

Armin

Plattentests.de-Chef

Postings: 26928

Registriert seit 08.01.2012

2023-03-29 21:40:29 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert.

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