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Masego - Masego

Masego- Masego

EQT / Capitol / Universal
VÖ: 03.03.2023

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 6/10

Jazz house kitchen

Das ist kein Neo-Soul oder Rap, sondern sogenannter "TrapHouseJazz". Micah Davis, aka Masego, beherrscht einen eigenwilligen Musikstil, irgendwo am Rande des inzwischen immer aufgeblähteren HipHop-Kosmos. Er fand früh Inspiration durch Künstler wie André 3000, Cab Calloway oder Gospel-Urgestein John Prince Kee. In Jamaikas Hauptstadt Kingston sowie als Sohn eines Pastoren-Paares geboren, erlernte er sein Handwerk zunächst durch Kirchenmusik, später kamen erste Versuche an der Drum Machine. Sein zweites, nach ihm benanntes Studioalbum klingt durchgängig smooth, schön durchdacht und wie ein Karriere-Höhepunkt. Es übertrifft die beiden Debüt-Tapes und das erste Album "Lady lady" (2018), wie auch die wunderbare "Studying abroad"-EP (2020). Und wie erwartet, dürfen wir uns über viele markante Saxofon-Einsätze freuen.

Masego, ein Begriff aus der Bantusprache Nord-Sotho, bedeutet Segen, was bei Songs wie "Sax fifth avenue" durchaus hinkommt. Mit ausgedehnten Vocals und originellen 808-Instrumentals geht es um Gottesfürchtigkeit, Alltagsmelancholie und Entfremdung im Kapitalismus: "Love won't buy me a grill / Won't keep my lights on or fly me / Somebody put me in the studio / 'Cause I never had a plan B." Ein Saxofon-Solo vollendet dieses schöne Stück Schwermut-Musik. Ähnliche Stimmung auch bei "You never visit me", was lyrisch im Prinzip nur aus drei Textbausteinen besteht, dafür Masegos starke Stimme auf einem dezenten Beat zwischen Jazz und Funk ideal hervorhebt. Selten klang Selbstmitleid so wenig pathetisch. "What you wanna try" ist die offensichtliche Antwort darauf, ob die Platte auch Hit-Potenzial besitzt. Hier treffen Fragmente aus "What's your flava?" von Craig David auf Interpolationen aus Suzanne Vegas "Tom's diner". Hätte auch deneben gehen können, aber der 29-Jährige liefert damit einen Feel-Good-Ohrwurm für Café-Hintergrundmusik und den Dopamin-Haushalt ab, was auf einem sonst eher bittersüß gestimmten Album auffällt.

Ein gutes Beispiel dafür ist das bewegend schöne "Who cares anyway", welches vor allem lyrisch glänzt, indem es mit klugen Zeilen Panafrikanismus behandelt und den Status der HipHop-Kultur belächelt. Ähnliches Motiv auch bei "In style", doch hier wird viel lässiger ins Saxofon geblasen, die Drums und Hi-Hats rattern dahinter unruhig, bis wir von unerwarteter Marschmusik positiv überrascht werden. Sehr schön auch, wie Materialismus auf dieser Platte häufiger zynisch-überspitzt und zwischen den Zeilen kritisiert wird, jedoch für ihn ein notwendiges Übel darstellt. Im Closer "Eternal sunshine" heißt es: "Make myself a note, I cannot live life on maybes", während der Opener "Black anime" noch die Tanzstimmung durch flottes Klavier, Saxofon und "ChaCha smooth" anheizt. Diese Zerrissenheit ist bewusst eingesetzt und in der fantastischen Singleauskopplung "Two sides" lyrisch wie musikalisch hervorgehoben. Trotz aller Vielschichtigkeit klingt das Album sehr harmonisch, der (zu erwartende) Verzicht auf Features zahlt sich aus, und nach diesem Album weiß endlich jeder, was dieser TrapHouseJazz denn nun sein soll.

(Maximilian Baran)

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Highlights

  • Sax fifth avenue
  • Who cares anyway
  • Two sides (I'm so gemini)
  • You never visit me

Tracklist

  1. Black anime
  2. Sax fifth avenue
  3. What you wanna try
  4. Afraid of water
  5. Down in the dumps
  6. You play with my heart
  7. Remembering Sundays
  8. Who cares anyway
  9. Bye bye my love
  10. Say you want me
  11. Two sides (I'm so gemini)
  12. You never visit me
  13. In style
  14. Eternal sunshine (Fire pit)

Gesamtspielzeit: 43:53 min.

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Armin

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2023-03-22 20:42:06 Uhr - Newsbeitrag
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