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City And Colour - The love still held me near

City And Colour- The love still held me near

Still / Membran
VÖ: 31.03.2023

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Trauerarbeit

Im September 2019 spielte Dallas Green mit seinem Soloprojekt City And Colour auf dem australischen Brisbane Festival und nutzte zusammen mit Bandmitgliedern und Crew die Gelegenheit für einen Besuch der Gold Coast, Touristenmagnet und Sehnsuchtsort vieler Wassersportler*innen. Der Ausflug wurde für alle Beteiligten zur Tragödie, als Greens langjähriger Produzent und Freund Karl Bareham bei einem Tauchgang tödlich verunglückte. Das siebte Studioalbum von City And Colour mit dem Titel "The love still held me near" ist geprägt von diesem Erlebnis. Es ist ein Album über die Trauer, das Abschiednehmen und die Suche nach Katharsis.

Dabei drehen sich die Texte des 42-Jährigen nicht explizit und ausnahmslos um den Tod, sondern häufig um das Scheitern in der Liebe. In "Without warning" und "After disaster" beschreibt er eine schmerzhafte Trennung und die anschließende Leere und Einsamkeit. Green führt dabei den Sound der Vorgängeralben fort, wobei seine zerbrechliche, sanfte Stimme noch immer sein größtes Kapital ist. Bei einigen Songs gibt er ihr leider nicht den Raum, den sie verdient, sondern reichert die Tracks mit allerlei Halleffekten und störendem Psychrock-Gitarrengegniedel an. Es mag an seiner musikalischen Sozialisation als Gitarrist und Sänger der Post-Hardcore-Institution Alexisonfire liegen, dass er auch für seine Soloarbeiten eine opulente Geräuschkulisse bevorzugt. Songs wie "A little mercy" und der Titelsong werden jedoch davon erschlagen und klingen überfrachtet.

Der puristische Campfire-Sound beim lakonischen "Fucked it up" steht dem Kanadier deutlich besser, auch "Things we choose to care about" profitiert von einer behutsameren Instrumentierung. "Underground" ist eine eingängige Indiefolk-Nummer, hier passt die Balance zwischen souligem Gesang und musikalischer Begleitung. "The water is coming" hingegen scheint mit seinen ermüdenden Solo-Passagen für ausgiebige Live-Auftritte geschrieben zu sein. Überhaupt finden sich einige Songs jenseits der fünf Minuten auf diesem Album, denen eine kürzere Laufzeit nicht geschadet hätte.

Kritiker*innen werfen Green einen Hang zur Gefühligkeit vor, böse Stimmen sprechen gar von Wehleidigkeit. Er kann diesen Vorwurf auf "The love still held me near" nicht komplett entkräften, und wahrscheinlich will er das auch nicht. Die Songs fühlen sich an wie eine Selbsttherapie und leben von ihrer offenherzigen Verletzlichkeit. In "Meant to be" fasst er die Ohnmacht und Hilflosigkeit in Worte, die er nach dem Tod seines Freundes in Australien erlebt hat. Im abschließenden "Begin again" richtet Green dann den Blick nach vorne: "It's been a long time, since I felt peace in my mind / But there on the horizon, I can see the light." Katharsis erfolgreich.

(Andreas Rodach)

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Highlights

  • Underground
  • Fucked it up
  • Things we choose to care about

Tracklist

  1. Meant to be
  2. Underground
  3. Fucked it up
  4. The love still held me near
  5. A little mercy
  6. Things we choose to care about
  7. After disaster
  8. Without warning
  9. Hard, hard time
  10. The water is coming
  11. Bow down to love
  12. Begin again

Gesamtspielzeit: 58:51 min.

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Armin

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2023-03-22 20:40:47 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert.

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