Delbo - Innen/Außen

Delbo- Innen/Außen

Loob / Alive
VÖ: 06.10.2003

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Die Einheit der Differenz

Delbo machen einen Unterschied: innen oder außen. Tertium non datur. Das Leben als binärer Code, der die Teilnahme regelt, der Dich sehen läßt, der Dich verweilen lässt. Musik, die wesentlich sein will, aber dabei nicht den Fehler macht, das Missionieren vor die Mission zu stellen. Delbo driften nicht ab, sie bleiben auf Kurs. Sehen kann das freilich nur, wer drinnen ist. Inmitten ihres Songskosmos liegt der Schlüssel, der die versponnenen Pfade als konsequenten Weg ausweist. Eingängig nur für den, der bereit war, den Strängen bis an ihr Ende zu folgen. "Innen/Außen" ist ein Samenkorn, das erst noch aufgehen muss. Musik, die nicht bei jedem Hören denselben Gehalt trägt, die Zeit erfordert, die im Hintergrund gar zum Störgeräusch verkommen kann. Aber auch: Musik, die anregt, die überrascht, die Denken macht.

"Schaufelt jemand wie verückt / Ein Stück Welt ans Tageslicht." Ein lyrisches Ich, das ziellos durch das Wunderland des Lebens irrt, Merkwürdigkeiten notiert und nicht aufhören will, Eindrücke zu poetisieren. Allen Unschärfen zum Trotz erkennt man am Ende des textlichen Tunnels ein helles Licht: Nur besteht dieses aus Gefühl, nicht aus erklärbaren Textbausteinen. Verpackt ist das alles in Indie-Pop: mal noisig, mal intelligent, mal zurückgelehnt, mal mitreißend. Immer verkopft. Kleine Stücke, die nicht durch zwingende Ideen, sondern durch Kontexthaftigkeit ihren Charme gewinnen. Lyrics, die durch den Moment der Verwunderung hindurch den Eindruck erwecken zu passen. Auch in den schwachen, den zu lang gezogenen Momenten des Albums, der Zerstreuung in der Peripherie, hat man nie den Eindruck, daß es ohne diese Ausschweifungen ginge. Was können Delbo für die Konstitution der Welt?

So findet sich am Ende des bewußten Hörens die Erkenntnis, daß die binäre Unterscheidung zwischen Innen und Außen letzlich doch nur eine Frage der Perspektive ist. Der Unterscheidung blinder Fleck, die Einheit von Welt und Delbo, leuchtet als Verstehen auf. Der kleine Apparat klappert tapfer weiter, mag kommen, wer da will.

(Thorsten Thiel)

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Highlights

  • Fanfare
  • Rakete
  • 19er bitte

Tracklist

  1. Pinkie Ponkie
  2. Fanfare
  3. Rakete
  4. Flauschen
  5. Vicologo
  6. 19er bitte
  7. Robert
  8. Schikane
  9. Panorama
  10. Hilton
  11. Sei bewegt

Gesamtspielzeit: 43:31 min.

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