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Kali Uchis - Red moon in Venus

Kali Uchis- Red moon in Venus

Geffen / Interscope / Universal
VÖ: 03.03.2023

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 6/10

My bloody valentine

Liebe scheint in Kali Uchis' Vokabular stets mit überirdischen Phänomenen zu korrelieren. Auf "Sin miedo (del amor y otros demonios)" bezeichnete sie das höchste Gefühl gleich im Titel als "Dämon". "Red moon in Venus" nutzt nun astrologische Referenzen und ein Konzept göttlicher Weiblichkeit, um zwischenmenschliche Anziehungskräfte zu beleuchten. Hauptsache "It's Valentine's like every day", wie der Pastell-Funk-Hit "Endlessly" klarmacht. Die kolumbianisch-amerikanische Künstlerin singt nach dem spanischsprachigen Vorgänger wieder größtenteils auf Englisch, doch braucht ihr Lieblingsthema sowieso keine Worte, um universal verstanden zu werden. Ihr drittes Album gießt ein heißes Entspannungsbad mit rosarotem Wasser ein, in dem R'n'B, Neo-Soul und Schlafzimmer-Pop zu einem sedativen Vibe ohne nach Aufmerksamkeit geifernden Hooks, aber mit eindeutiger Message verschmelzen: Liebe ist nicht der wichtigste Aspekt des Menschseins, sondern der einzige.

"If I bring you into my world, you'll never wanna leave", verspricht Uchis im verschlafenen Vintage-Soul von "Love between". "All mine" fordert unter synkopierten Drums den Lover dazu auf, sein Smartphone wegzuschmeißen und seine Aufmerksamkeit ganz dem fleischlichen Gegenüber zu widmen. Doch was "Red moon in Venus" davon abhält, in die Stolperfalle monothematischen Geschmachtes zu treten, ist das Bewusstsein dafür, dass die ungebrochene Liebe nur in Traumwelten existiert. Der im Albumtitel enthaltene Blutmond gilt mythologisch als schlechtes Omen und soll die Gefühle dafür anfälliger Menschen durcheinanderwirbeln, weswegen die Platte auch die weniger angenehmen Begleiterscheinungen des Begehrens nicht vernachlässigt. Da erklärt "Como te quiero yo" noch "I want you constantly, eternally, unconditionally" unter Gestöhne, kurz bevor "Hasta cuando" nicht nur beattechnisch abkühlt und seine Protagonistin zur gerappten Abrechnung mit dem Ex zwingt: "Paint me as the villain if it makes you feel better."

Auch die famose Lead-Single "I wish you roses" drückt ein ambivalentes Verhältnis zum Verflossenen aus, betont einerseits die Trennung im Guten, schiebt dem titelgebenden Segen andererseits ein spitzzüngiges "while you can still smell them" hinterher. "Fantasy", ein Duett mit Uchis' privatem Partner Don Toliver, schleppt als schwitziger Afro-Pop Bett und Badewanne auf die Tanzfläche, ehe die 28-Jährige nüchtern "That's it. That's the end of the song", verkündet. Desillusionierung weicht handfester Frustration in "Moral conscience": Honigwarme Synths versumpfen im psychedelischen Nirgendwo, während Uchis einen hohen Wutschrei ausstößt und das Karma als Vergeltungsagentin beauftragt. Diese Attitüde einer rachsüchtigen Aphrodite führt das von Summer Walker unterstützte "Deserve me" fort, das mit Trap-naher Ästhetik erkennt, allein besser als in einer manipulativen Beziehung dran zu sein.

Die Stilvielfalt eines "Isolation" erreicht "Red moon in Venus" nicht, verschiebt aber immer wieder klangliche und perspektivische Parameter, um nicht zur Hintergrundmusik zu verkommen. Im grau bewölkten Trip-Hop von "Blue" bricht sich die Trauer um das Vergangene doch Bahn, ein verlorenes Saxofon schneidet durch Zeilen wie "What's the point of all the pretty things in the world / If I don't have you?" Das Schlussdoppel des Albums kippt die Stimmung jedoch wieder. Erst bewirbt sich die elegant um den Bass schlingende Ausgeh-Hymne "Moonlight" als legitimer "Miami"-Nachfolger, dann setzt "Happy now" als unbeschwerte Disco-Nummer den Deckel auf eine Platte, die trotz Rachefantasien und Herzschmerz-Lamentos die Liebe natürlich feiert, nicht verurteilt. "Most people don't know how to love / That's why they're empty", heißt es schon früh in "Worth the wait". Ohne ist halt auch scheiße.

(Marvin Tyczkowski)

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Highlights

  • I wish you roses
  • Endlessly
  • Moral conscience
  • Moonlight

Tracklist

  1. In my garden
  2. I wish you roses
  3. Worth the wait (feat. Omar Apollo)
  4. Love between
  5. All mine
  6. Fantasy (feat. Don Toliver)
  7. Como te quiero yo
  8. Hasta cuando
  9. Endlessly
  10. Moral conscience
  11. Not too late (Interlude)
  12. Blue
  13. Deserve me (with Summer Walker)
  14. Moonlight
  15. Happy now

Gesamtspielzeit: 43:22 min.

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User Beitrag

vinylium_senfterum

Postings: 17

Registriert seit 08.03.2023

2023-03-17 17:57:58 Uhr
Also ich find dieses Ding wieder mal richtig stark. Kali liefert immer, man braucht nur den ersten Akkord eines Songs zu hören und weiß – das ist ein Kali Uchis-Lied. Auf Red Moon In Venus geht es dem Hörer 15-mal so, die Tracks fühlen sich sehr vertraut und wunderbar leicht, manchmal auch ein bisschen sagenumwoben an.

Armin

Plattentests.de-Chef

Postings: 26126

Registriert seit 08.01.2012

2023-03-15 22:29:15 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert.

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