Doves - Lost sides

Doves- Lost sides

Heavenly / EMI
VÖ: 29.09.2003

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Seitenwechsel

Autoren von einschlägigen Magazinen wie Bravo, Popcorn oder Fit for Fun würden an diese Stelle den obligatorischen ersten Satz einer jeden B-Seiten-Rezension setzen, ohne dabei auch nur annähernd die Gesichtsfarbe zu wechseln. Ohne Zweifel, auch bei den "Lost sides" der brillianten Doves ließe sich über den "Sinn und Unsinn von B-Seiten-Sammlungen" streiten. Gerade einmal zwei komplette Küken haben die Doves bisher mit "Lost souls" und "The last broadcast" ins Nest gesetzt. Und auch, wenn das letzte an Grandezza kaum zu überbieten ist, rechtfertigt dies nur bedingt die überschnelle Veröffentlichung einer Raritätensammlung. Man stelle sich vor, unser Bundeskanzler würde sich schon vor der tatsächlichen Umsetzung seiner monströsen Reformvorhaben eigens neben dem Reichstag ein Denkmal setzen. Man male sich aus, der VfB Stuttgart forderte schon zum Ende der Hinrunde beim DFB die Überreichung der Meisterschale. Hohn und Spott kübelweise müßten die Protagonisten über sich ergehen lassen. Wie gut hat man es da, wenn man nur Pop-Band ist.

Ganz so verloren, wie es der Titel "Lost sides" vermuten ließe, sind die Songs dann ja doch nicht. Zum einen fanden sie sich in einer 1000er-Auflage schon auf einer früheren Version der B-Seiten-Sammlung. Doch diese wurde nun ergänzt mit neuen Extrasongs von den Singles. Getreu der Struktur der bisherigen Doves-Alben beginnt auch "Lost-Sides" wieder mit sphärischem Instrumentalgeeiere. Musikalisches Stretching vor dem eigentlichen Spiel, quasi. Dieses beginnt mit "Darker" dann doch eher träge. Zwar musizieren die Doves immer noch mit einer Intensität und emotionalen Wucht, wo andere einfach freudlose Akkorde hinknallen. Allerdings merkt der Hörer bei den meisten der Stücke recht schnell, warum diesem Liedgut der Aufenthalt auf einem der regulären Alben verwehrt blieb. Gänzlich obsolet sind besonders die instrumentalen Füllnummern wie "Crunch" oder "Meet me at the pier". Als erster Höhepunkt entpuppt sich "Down to sea", doch eigentlich handelt es sich nur um eine variierte Version eines bereits bestehenden Songs.

Neben der knappen Information des Aufklebers "A superb collection of rare Doves B-sides available at a very special price" sollte sich demnächst eine Zusatzinformation befinden: "Bitte auch die zweite Albumhälfte hören". Denn erst zum Ende laufen die Doves dann plötzlich zu Form auf: Da ist zunächst einmal "Valley" mit allen Zutaten, die das Doves-Repertoire so schmackhaft machen: "It's a great day for the valley". Traurig schön dann auch "Northenenden" mit seinem larmoyanten Tonfall. Die Offenbarung liefert dann als elfter Track der "Willow's song". Ein traurig vor sich hinwummerndes Keyboard knüpft an einem dichten Teppich, vertonte Einsamkeit in Wald und auf Wiese: "Please come say how do the things that I can't show to you." Gebt dieser Stimme einen Arm, auf den sie sich stützen kann. Und gebt allen Fit For Fun-Redakteuren diese CD. Es ist nicht immer alles topfit und witzig auf Erden. Doch über den Sinn und Unsinn des Lebens ließe sich ja auch wieder streiten.

(Sebastian Peters)

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Highlights

  • Willow's song
  • Darker
  • Northenden

Tracklist

  1. Break me gently (Incidental)
  2. Darker
  3. Your shadow lay across my life
  4. Meet me at the pier
  5. Down to sea
  6. Crunch
  7. Zither
  8. Valley
  9. Northenden
  10. Hit the ground Running
  11. Willow's song
  12. Far from grace

Gesamtspielzeit: 44:45 min.

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