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Kjellvandertonbruket - Fossils

Kjellvandertonbruket- Fossils

Startracks / Indigo
VÖ: 17.03.2023

Unsere Bewertung: 8/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Der Vorleser

Düsternis begleitet das schwedische Bandprojekt Kjellvandertonbruket von Anfang an. "Doom country" hieß schließlich das Debütalbum der Skandinavier, das 2020 binnen kürzester Zeit konzipiert und eingespielt wurde. Auf dem Nachfolger "Fossils" setzt sich der musikalische Ausflug in dunkle Gefilde nahtlos fort. Erneut hat sich dafür Singer-Songwriter Christian Kjellvander, der inzwischen auf eine über 20-jährige Solokarriere zurückblicken kann, mit Tonbruket zusammengetan. Und wieder wurde beherzt kurzer Prozess gemacht: "Fossils" entstand innerhalb von nur vier Tagen im September 2022.

Es bedarf auf diesem zweiten Gemeinschaftswerk nur weniger Töne, um die Besonderheit des Ganzen zu hören und zu fühlen. Kjellvander verfügt über eine Stimme, die wahrhaft raumgreifend ist. Natürlich fällt die Nähe zu Nick Cave auf, die zeit seiner Laufbahn beständig – und zwangsläufig – zitiert wird. Diese Ähnlichkeit zu einem anderen Freund der Düsternis aber wirkt sich nicht negativ auf den Genuss aus. Kjellvandertonbruket wirken vom ersten Song an wie vertonte Literatur. Das Dunkle, das Geheimnisvolle findet sich auch direkt im Text wieder: "At dusk your father leaned over and looked me in the eyes / He said: You know, there can't be dark unless there first is light."

Auch "Yellow painted feather trip" entfaltet einen unwiderstehlichen Sog und breitet sich, wie schon der Auftakt, auf über acht Minuten erhaben aus. Kjellvanders Gesangskünste bilden zusammen mit den Soundtüfteleien der Tonbruket-Musiker Dan Berglund, Andreas Werliin, Martin Hederos und Johan Lindström eine faszinierende Mischung, die irgendwo zwischen Jazz, Psychedelic, Folk und Rock zu Hause und doch kaum beschreibbar ist. Die experimentelle Herangehensweise ist übrigens vor allem Berglund nicht fremd, der sich als Gründungsmitglied des Esbjörn Svensson Trios verdient gemacht hat. Jazz? Improvisation? Wer hier das Lesen abbricht, sei beruhigt: "Fossils" ist meilenweit vom Prädikat "anstrengend" entfernt.

In der Mitte des Fünf-Titel-Albums sorgt das Zwischenspiel "Hans" für eine atmosphärische Unterbrechung, bevor sich Kjellvandertonbruket durch das Herzstück "The last thing (thief)" spielen. Über 15 Minuten lang gerät dieses Glanzstück, keine davon ist zu viel. Und dunkel wird es auch hier: "He was out in the dark untended rose-bush garden looking in / On the well-lit room where it would all begin / The first time he saw me I didn't see him / This would change if it were the last thing." Dass der Vier-Tage-Schnellschuss in "Seahorse Inn" dann auch noch überaus souverän zu einem stimmigen Ende gebracht wird, rundet die Sache fulminant ab. "Fossils" mag einerseits vertonte Literatur sein, andererseits kann es aber auch als Soundtrack für einen imaginären Film verstanden werden, der sich beim Hören im Kopf abspielt. Ein Album, dem man sich mit allen Sinnen ausliefern muss.

(Torben Rosenbohm)

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Highlights

  • September weather
  • The last thing (thief)

Tracklist

  1. September weather
  2. Yellow painted feather trip
  3. Hans
  4. The last thing (thief)
  5. Seahorse Inn

Gesamtspielzeit: 42:51 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag

Grizzly Adams

Postings: 4464

Registriert seit 22.08.2019

2023-03-21 18:30:37 Uhr
Christian Kjellvander ist einer, in den man sich auch nicht reinhören kann, wenn man nicht diese grundsätzliche Affinität zum Folk Noir mit ein bisschen skandinavischem Einschlag mitbringt. Meine Meinung.
Ansonsten wird der Hörer schon jedes Mal mit einem tollen Erlebnis belohnt, wenn er die nötige Muße hat. Dieses Album ist da keine Ausnahme. Mir fällt die Einordnung in ein Genre bzw. In eine Schublade oft schwer, weil er auf jedem Album trotz seiner eingeschränkten stimmlichen Varianz so „free minded“ performt. Seit „Doom Country“ und mit Tonbruket kommt nun auch das jazzige Element in den Kompositionen immer mehr zum Tragen. Schon stark, nicht überragend, aber stark und reiht sich mit zuverlässiger Qualität in seine Diskographie ein.

Der Wanderjunge Fridolin

Postings: 4347

Registriert seit 15.06.2013

2023-03-20 17:20:07 Uhr
Unbedingt!

etienoir

Postings: 739

Registriert seit 03.02.2023

2023-03-20 14:38:31 Uhr
das hier ist auch großartig!

Der Wanderjunge Fridolin

Postings: 4347

Registriert seit 15.06.2013

2023-03-15 19:49:33 Uhr
Wat ne Überraschung, dass das Album hier rezensiert wird. Der Vorgänger war großartig. Überhaupt Kjellvander.

Armin

Plattentests.de-Chef

Postings: 26103

Registriert seit 08.01.2012

2023-03-08 21:13:19 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert.

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