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AnnenMayKantereit - Es ist Abend und wir sitzen bei mir

AnnenMayKantereit- Es ist Abend und wir sitzen bei mir

Vertigo / Universal
VÖ: 03.03.2023

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 4/10

Tausche Straße gegen Stadion

Und zack: Auf einmal stand das Stadion bei AnnenMayKantereit im Tourplan. So manche Beobachter*innen der hiesigen Musik- und Tourszene mögen nicht schlecht gestaunt haben, als das Heimspiel zum Tourabschluss der Konzertreise zum neuen Album "Es ist Abend und wir sitzen bei mir" nicht etwa in der Halle oder Arena, sondern eben im Stadion angesetzt wurde. Chapeau, kann man da nur sagen: Der ehemals durch nimmermüdes Straßenmusizieren nach und nach ins Rampenlicht geratene Vierer hat es also in die oberste Riege der Massenbespaßung geschafft. Gegönnt sei es der durchweg sympathischen Truppe um Sänger Henning May allemal. Allerdings lastet ob der immer größer werdenden Fanschar und immer astronomischer werdenden Tourplänen auf Album Nummer Vier auch ein gewisser Druck. Wie soll die Reise nun weitergehen? Schon auf dem Vorgänger "12"" herrschte eher pandemiegeplagte Introspektive als Händerecken – durchaus ein Kontrast zum Standing der Band, das sich nach wie vor auch durch die Evergreens der Frühphase definiert. Es ist ein schmaler Grat zwischen Anspruch und Konsens, auf dem AnnenMayKantereit anno 2023 wandeln. Die Antwort auf das Dilemma scheint vor allem in der gegenseitigen Kooperation und Inspiration zu liegen: "Es ist Abend und wir sitzen bei mir" entstand in zahlreichen Proberaum-Sessions mit Freunden der Band und Produzent Markus Ganter. Ein bisschen Erdung aus dem engsten Kreis kann ja in luftigen Höhen nicht schaden.

Erfreulicherweise geht das Konzept zwar nicht an allen, aber an vielen Stellen voll und ganz auf: AnnenMayKantereit zeigen sich weiterhin gänzlich unbeeindruckt von etwaigem Erfolgsdruck und beweisen vielerorts, warum sie aus dem Deutsch-Pop-Konsens qualitativ herausstechen. Schon der Opener "Lass es kreisen" gibt sich wohlig, aber auch bewusst verschroben der Sehnsucht nach schwitzigen Konzertabenden und dem Bad in der Menschenmenge hin. "Du musst Dich einfach nur mal wieder bewegen wie Du willst.“ Ein Abgesang auf die Pandemie-Jahre und ein kantig-groovendes Manifest der Lebensfreude. Das reverbgetränkte "Lottoscheine" stampft in Lo-Fi-Manier derweil zaghaft nach vorne und zerbricht an zwischenmenschlichen Zweifeln. "Was Du sagst, tut mir weh / Weil Du weißt / Wie sich die Wahrheit biegt", beklagt May immer wieder, während die Instrumentfraktion Ausbrüche wiederholt andeutet, nur um sich dann am Ende doch noch zu fangen. Wenn schon die großen Feelings, dann gerne in solch spannender Form. Melancholie kann aber im AnnenMayKantereit-Kosmos auch weiterhin schummrig-schön ausfallen: "Es ist Abend" beschwört die Atmosphäre lethargischer WG-Abende herauf und fängt präzise die typische Momentaufnahme zwischen Langeweile, Redundanz und Feierstimmung ein.

Mit 15 Songs ist die Tracklist von "Es ist Abend und wir sitzen bei mir" bewusst ausufernd – und bietet dementsprechend auch Platz für das eine oder andere verquere Experiment und Augenzwinkern. Herrlich schräg ist beispielsweise der Schunkler "Erdbeerkuchen" mit lyrischen Weisheiten wie "Sonnenbrille ist ein Muss / Und Filterkaffee ein Genuss / Und den Erdbeerkuchen / Den musst Du mal versuchen." Der Inhalt ist hierbei so luftig-leicht wie das Sahnehäubchen auf dem offensichtlich heißgeliebten Kuchen, Spaß macht der Song aber allemal – auch, weil man sich hier offensichtlich nicht allzu ernst nimmt. Natürlich könnte das Ganze auch auf der sommerlichen Schlagerparty laufen. Aber who cares. Charmant gerät auch die reduzierte, rhythmusbetonte Neunziger-Hommage "Als Ich noch ein Kind war." Sicherlich ein breitgetretenes Thema, hier aber durchaus knackig präsentiert. Und dennoch schaffen AnnenMayKantereit es nicht, die Qualität gänzlich konstant aufrechtzuerhalten. Wirkliche Ausfälle gibt es kaum zu beklagen, allerdings lassen Songs wie "Orangenlied", "Heute Abend wird es regnen" oder auch die arg ulkige Fußball-Ode "Kein Stern" dann zwischendurch doch etwas Redundanz aufkommen – hier zeigen sich vereinzelte Abnutzungserscheinungen des mittlerweile seit Jahren eingespielten Bandsounds. Und so betritt "Es ist Abend und wir sitzen bei mir" leicht stolpernd, aber letztendlich doch souverän den Stadionrasen vor der großen Show. Klasse und Masse können – und sollen – hier koexistieren. Was muss, das muss. Also: Mitklatschen, verdammt!

(Hendrik Müller)

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Highlights

  • Es ist Abend
  • Lottoscheine
  • Erdbeerkuchen

Tracklist

  1. Lass es kreisen
  2. 3 Tage am Meer
  3. Es ist Abend
  4. Lottoscheine
  5. Katharina
  6. Verliebt sein
  7. Ausgehen
  8. Erdbeerkuchen
  9. Heute Abend wird es regnen
  10. Weißhausstraße
  11. Kein Stern
  12. Als ich ein Kind war
  13. Du tust mir nie mehr weh
  14. Orangenlied
  15. Tommi

Gesamtspielzeit: 50:00 min.

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User Beitrag

nörtz

User und News-Scout

Postings: 13815

Registriert seit 13.06.2013

2023-09-03 23:29:28 Uhr
Die Freundin meines Trainers schaut immer bei unseren Spielen zu. Rate mal, warum sie heute nicht zuschauen konnte. :D

Sie fuhr am Freitag nach Dresden. :D

Vielleicht kann ich sie noch zur hellen Seite der deutschen Musik bekehren. :D

boneless

Postings: 5249

Registriert seit 13.05.2014

2023-09-03 12:52:24 Uhr
Ich hab' dir nie verziehen
Einfach wegzuziehen
Ich hab' dich nicht mal angeschrien
Du kennst mich nur noch, wie ich früher war
Breites Grinsen, langes Haar


Kleiner Hate-Modus zum Sonntag...

Ich kann einfach nachwievor nicht fassen, wie man mit so (fast schon gefährlich) belangloser Musik derartige Massen anzieht. Grund der Aufregung: hier in Dresden gabs ein Konzertdoppel der besonderen Art: Freitag, Annenmaykantereit. Samstag, Kraftklub. Letztere sind mir ziemlich egal, aber über Kantereit komme ich nicht hinweg. :D Der Song oben lief zuletzt irgendwo und scheiße, wie erbärmlich gereimt können Texte sein? Das ist ja nur ein Bsp. von vielen. Und trotzdem sind am Freitag 40.000 Leute im Ostragehege um diese Band zu feiern. Die Windrichtung war übrigens an jenem Abend komplett ungünstig... für mich, denn der Sound dröhnte bis hierher, 4 km Luftlinie entfernt. Zum Glück verschwamm alles in einer breiigen Masse und es hätte schlussendlich jede Band sein können. Witzig finde ich ja, dass die Band inklusive Zugabe gerade mal 90 Minuten gespielt hat... aber erbärmlich hatten wir ja schon.

Wer noch ein bisschen mehr Infos und ein paar niedliche Bilder möchte, kann hier mal vorbeischauen: AnnenMayKantereit spielen ihr bisher größtes Konzert in Dresden!

vinylium_senfterum

Postings: 17

Registriert seit 08.03.2023

2023-03-10 21:04:32 Uhr
Das ist für mich die Definition von meh. Da blitzen hie und da ein paar spannende ideen durch, aber richtig durchgezogen wird nicht. Alles sehr ernüchternd.

MartinS

Plattentests.de-Mitarbeiter

Postings: 1395

Registriert seit 31.10.2013

2023-03-10 21:00:25 Uhr
Jetzt haben hier einige mal vom Leder gezogen, na und? Manchmal kann das ganz unterhaltsam, befreiend und witzig sein, solange niemand beleidigt wird. Und die Band wird es verschmerzen können. Das gehört zum Künstlerdasein dazu, damit umgehen zu können, dass man auch mal schlecht gefunden wird. Ich finde, das war hier alles im Rahmen, und die Quantität der Beiträge ist eher darauf zurückzuführen, dass ein Austausch stattgefunden hat.

Da hast du natürlich völlig Recht. Ich finds auch nicht weiter tragisch, habe aber halt zugleich auch Spaß daran, das "vom Leder ziehen" auch ein Stück weit zu hinterfragen. Außerdem finde ich ehrlich gesagt, dass der Thread hier richtig Laune macht.

@edegeiler:

Naja, erstmal natürlich, weil ich nicht mehr schreibe. Ansonsten aber: Weils halt einfach zu billig ist. Etwas scheiße zu finden ist total einfach und so ein Verriss geht (zumindest mir) in Höchstgewschwindigkeit von der Hand. Inzwischen würde ich mir halt ein Album suchen, das ich gut finde, anstatt das Internet wissen zu lassen, dass ich den Output von Fall Out Boy fürchterlich finde.

boneless

Postings: 5249

Registriert seit 13.05.2014

2023-03-10 20:05:27 Uhr
In dem Thread kommt doch eh nix sinnvolles mehr, da kann man mal ein bisschen herumtrollen. Okay, einen Seitenhieb noch: Das hier zur Schau gestellte belehrende Mackertum zeigt einmal mehr, warum in Internetforen sehr wenig Frauen zu finden sind. (die übrigens, wenn man mal AMK irgendwo erlebt/Livevideos gesehen hat, einen großen Teil des Publikums ausmachen).

Irgendwie bietet dieser Post so viele Steilvorlagen an, die ich aber aus bestimmten Gründen mal nicht verwerten werde.

Die Leute, die hier schreiben, tauschen sich zu 95% über Musiker aus, die sie grundsätzlich mögen. Jetzt haben hier einige mal vom Leder gezogen, na und? Manchmal kann das ganz unterhaltsam, befreiend und witzig sein, solange niemand beleidigt wird. Und die Band wird es verschmerzen können. Das gehört zum Künstlerdasein dazu, damit umgehen zu können, dass man auch mal schlecht gefunden wird. Ich finde, das war hier alles im Rahmen, und die Quantität der Beiträge ist eher darauf zurückzuführen, dass ein Austausch stattgefunden hat.

Mehr auf den Punkt geht nicht.
Und wenn man ehrlich ist: wann hat das Schreiben/Lesen in einem PT-Thread zuletzt so viel "Spaß" gemacht? Danke AMK.
Zum kompletten Thread

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