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Sabrina Bellaouel - Al hadr

Sabrina Bellaouel- Al hadr

InFiné / Al!ve
VÖ: 03.03.2023

Unsere Bewertung: 8/10

Eure Ø-Bewertung: 6/10

Eine Welt zu gewinnen

Deutsche Minister raten dazu, die Zeit im Badezimmer zu reduzieren. In Frankreich entsteht dort derweil das vielleicht beste R'n'B-Debütalbum seit Jahren. Denn Sabrina Bellaouel nahm die sauberen Riffs und beeindruckenden Vocals für "Al hadr" (Arabisch: Die Gegenwart) im Bad ihrer Wohnung auf. Die Berberin mit algerischen Wurzeln stammt aus Bagneux (südlicher Pariser Ballungsraum) und gilt in der französischen Club-Szene dank vier gelungener EPs zwischen 2017 und 2020 längst als vielversprecher, aber noch zu wenig beachteter Geheimtipp. Nun dürfte sie den Grundstein für eine hochinteressante Karriere gelegt haben, diese fantastische Platte macht Lust auf mehr. In drei verschiedenen Sprachen spielt sie die Experimentalität von modernem R'n'B gekonnt aus, ob durch Elemente von Neo-Soul beim Gesang, mitreißende Tempowechsel analog zu den Hintergund-Beats und -Loops oder die ehrlichen Lyrics über Spiritualität, ihren muslimischen Glauben, Liebe und Astrologie. Und dann gibt es noch diese Palette an Instrumentals, die sowohl zeitgemäßen Drum'n'Bass, Deep-House oder Electronica ausgewogen präsentieren, als auch markante Ähnlichkeiten zu anderen experimentierfreudigen Acts wie Kelela oder Radiohead enthalten.

Best of both worlds, sozusagen. Kein Wunder, dass Bellaouel sich selbst als Wanderin zwischen Welten beschreibt und das durchgängig in die Produktion einbringt. Wenn Bedroom-Pop mittlerweile ein Genre ist, so begründet sie schon mit "Period point blank" die noch neuere Stilrichtung Bathroom R'n'B. Ein basslastiger Track voller überraschender Stilwechsel, hypnotisierender Melancholie und einem nahezu perfekten Einsatz der Vocal-Loops. Es gehört verdammt viel dazu, solch einen großartigen Song unter DIY-Bedingungen zu entwerfen. Von der Badezimmerdecke hängende Mikrofone, ein Laptop mit Max/MSP-Software und einige Tastaturkeyboards, mehr nicht. Neben tanzbaren Gefühlsausbrüchen sind dabei auch dezenter gehaltene, dafür eingängige Perlen wie "Body", "Rapture" oder "Jah" entstanden. Letzteres ist hinsichtlich Timing sowie sinnvollem Einsatz von Klanghall-Effekten, ob bei Vocals, Adlips oder Synth-Loops, ein heimliches Highlight. Ohnehin kann die Auswahl der Samples und Arbeit mit Reverb- oder Delay-Effekten auf diesem Album nicht genug gelobt werden.

Eine ganz andere Seite der Platte zeigt "Clémence", das durch den gänzlich englischsprachigen Gesang, die Schwermütigkeit und vor allem der konsequenten Hintergrund-Gitarre klingt wie der große Durchbruch einer neuen Indie-Singer/Songwriterin. Es ist der auffälligste, gleichzeitig unkomplizierteste von zwölf jeweils einzigartigen Tracks, nur dieser rüttelt am meisten auf, nutzt die stärksten Metaphern und sticht am tiefsten ins Herz. Ebenso in eine Art Trance zieht der Genuss von "Eclipse", das verspielt beginnt, nur um im Laufe der zahlreichen Loop-Wiederholungen immer sphärischer zu klingen, in den letzten Minuten verwandelt sich der Song gefühlt in eine entheogene Erfahrung. Sabrina Bellaouel selbst erklärt den Facettenreichtum ihrer Musik übrigens angenehm unaufgeregt: "Du kannst Berber sein und einem House-Track die traditionelle algerische Flöte hinzufügen. Es gibt keine Grenzen!" Und genau das beweist sie auf "Al hadr" so eindrucksvoll, dass bereits ihr Debütalbum der Qualität eines etablierten Stars entspricht.

(Maximilian Baran)

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Highlights

  • Jah
  • Period point blank
  • Clémence
  • Eclipse

Tracklist

  1. Ain el fouara
  2. Body
  3. Jah
  4. Shop
  5. Period point blank
  6. Kesh (feat. Crystallmess)
  7. Clémence
  8. Rapture
  9. Legit
  10. Eclipse
  11. Trust
  12. Al Hadr
  13. Goodbye (feat. Bonnie Banane)

Gesamtspielzeit: 41:21 min.

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User Beitrag

MopedTobias (Marvin)

Mitglied der Plattentests.de-Schlussredaktion

Postings: 19986

Registriert seit 10.09.2013

2023-03-20 19:42:20 Uhr
Sehr gutes Album, wollte das kurz pushen. Find ich nicht schlechter als die neue Kelela z.B.

Klaus

Postings: 8934

Registriert seit 22.08.2019

2023-03-03 13:45:34 Uhr
Da sind schon coole Tracks bei, so hätte ein gutes Banks-Album klingen können. nicht jeder Track ein Treffer, aber einige gute sind dabei, wie Period Point Blank.

Kojiro

Postings: 3431

Registriert seit 26.12.2018

2023-03-03 13:30:54 Uhr
Ich kann die Begeisterung nicht teilen. Ja, paar ganz nette Produktionen / Song-Strukturen, aber wirklich berauschend ist's nicht.

Enrico Palazzo

Postings: 4092

Registriert seit 22.08.2019

2023-03-03 08:43:58 Uhr
Just another autotune princess. Schade.

Klaus

Postings: 8934

Registriert seit 22.08.2019

2023-03-02 14:08:48 Uhr
Aufgrund der Referenzen und Co. mal in die Vorabsingles gehört.

Aufm Zettel behalten, nicht vergessen, morgen Album checken.
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