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Alex Vargas - Big big machine

Alex Vargas- Big big machine

Embassy Of Music / Zebralution
VÖ: 03.03.2023

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 5/10

Der Reifeprozess

Um einen stimmigen Eindruck vom dänischen Musiker Alex Vargas zu bekommen, kann man sich am besten ins unerschöpfliche YouTube-Archiv begeben. Dort findet sich ein Mitschnitt seines fantastischen Auftritts in der Show "Toppen af poppen", einer dänischen "Sing meinen Song"-Variante. Vargas gab dort das Stück "Police bells & church sirens" von Simon Kvamm zum Besten und sorgte bei seinen Künstler-Kolleg*innen für sichtbares Erstaunen. Vor allem beim Originalinterpreten, der ungläubig und nahezu gerührt beobachtet, was gerade mit seinem Lied passiert. Parallel zu seiner herausragenden Gesangsakrobatik gibt es schließlich auch noch einen beherzten Sprung auf den Tisch. Wer es noch immer nicht mitbekommen hat: Dieser Alex Vargas kann was! Das ist nun zum dritten Mal auf einem Studioalbum zu erleben, wenngleich "Big big machine" den musikalischen Fokus neu ausrichtet.

Wobei: So richtig neu ist das alles gar nicht. Das fängt schon bei den Musikern an seiner Seite an. Vargas war bereits einmal Teil einer Band, Vagabond hieß die, allerdings löste sie sich nach nur kurzer Lebensdauer gleich wieder auf. Und auch das Songwriting mit Gitarre in der Hand liegt ihm nicht fern, ältere Veröffentlichungen aus seiner Feder sind dafür gelungene Zeugen. Eine Zwischenphase, die eher in der Welt der programmierten Beats daheim war, schloss sich an. "Big big machine" als Nachfolger von "Cohere" lockt derweil erst einmal kopfnickend auf die falsche Fährte, denn der mitreißende Song "Mama I've been dying" drückt wie keiner der folgenden aufs Gaspedal. Was hier sofort wieder auffällt, ist die Stimme des Skandinaviers, der 2016 in seiner Heimat "Artist of the year" war. "Now I'm getting older / Is it almost over?", fragt er, und man möchte ihm nachdrücklich zurufen: Um Himmels Willen! Im Grunde hat das Auftaktstück alles, was einen Hit ausmacht. Aber eben einen von jenen, bei denen es einen nicht gruselt.

Die hörbare Freude und Begeisterung am eigenen Schaffen, das immer mal wieder auch an Töne aus den 60er und 70er Jahren erinnert, setzen sich mit gleichbleibender Klasse fort. "The love we're breathing in" umschifft die Gefahr, in Pathos zu baden, wenn es sich entscheidet, im weiteren Verlauf mehr Fahrt aufzunehmen. Was spätestens hier auffällt: Das Gerüst, das die Bandmitglieder um Vargas' Stimme aufbauen, ist überaus stimmig. Die Abwechslung kommt ebenfalls nicht zu kurz, denn er setzt auch mal eine kurze und reduzierte Zwischennote wie in "Slow bullett in a fast gun", dann wieder platziert er einen Hüftschwinger mit dem funkig-poppigen "Pages". Inhaltlich geht es oft um Beziehungen und ihre Wirrnisse. "So when you say your love is gone / Is it worth the fight? / You wanna take it all and run / We'll be alright", heißt es im abschließenden "Famous last goodbyes". Ganz am Ende grüßt mal wieder das Liebes-Murmeltier: "Cause it's just another one / Of your famous last goodbyes." Man ahnt: Viele werden folgen.

Noch besser als in YouTube-Videos macht sich Alex Vargas übrigens auf der Bühne. Der Däne versteht es glanzvoll, ein Publikum vollständig in seinen Bann zu ziehen. Die Live-Umsetzung seiner neuen Titel, die den vorläufigen Höhepunkt eines Reifeprozesses darstellen, dürfte dabei einige neue Akzente setzen. Die Rückbesinnung auf mehr Handwerk und das Zusammenspiel mit einer Band, die ihn auf "Big big machine" vortrefflich unterstützt, führen ihn ein gutes Stück vom zwischenzeitlich Bewährten weg und zu seinen Wurzeln als Singer-Songwriter zurück. Die früher oft deutlich präsenteren Elektronik-Elemente und eine wahrhaft imponierende Lichtshow hatten zwar ihren eigenen Reiz, lenkten aber auch ein wenig von seiner wahren Könnerschaft ab. Wer eine solche Stimme hat, muss sich hinter keiner Technik verstecken.

(Torben Rosenbohm)

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Highlights

  • Mama I've been dying
  • The love we're breathing in
  • Shine your way out

Tracklist

  1. Mama I've been dying
  2. Yougazer
  3. The love we're breathing in
  4. Slow bullet in a fast gun
  5. Pages
  6. Days are going darker
  7. Meant to be together
  8. Get out of my will
  9. Pickles
  10. Shine your way out
  11. Famous last goodbyes

Gesamtspielzeit: 35:54 min.

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Armin

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2023-02-22 19:22:31 Uhr - Newsbeitrag
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