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Billy Zach - A momentary bliss

Billy Zach- A momentary bliss

La Pochette Surprise / Membran
VÖ: 27.01.2023

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 5/10

Wilde deutsche Prärie

Mal eben mehr als zehn Minuten Zeit? Max Zachert hätte da ein Anliegen. Egal, ob auf dem schlanken Debüt "Shallow" oder auf dem ausladenderen, konzeptionell zweigeteilten Nachfolger "Struggle on" – mit seiner Band Billy Zach hatte der Wahlhamburger aus München bisher pro Platte mindestens ein Stück mit Überüberlänge am Start. Nicht so bei Album Nummer drei, auf dem das Quartett seine kantige, finstere Post-Punk-Wucht in handelsüblicheren Dosen verabreicht. Eine Genügsamkeit, die bereits im Titel und auch beim unheilvoll schleichenden "Powerless" zum Ausdruck kommt: Hier genügt ein Vögelchen am Himmel oder die Aussicht auf einen ordentlichen Rausch, um einen maximal monotonen Tagesablauf wenigstens ein bisschen aufzuhellen, während Zachert mantraartig wiederholt: "Take it as it is / A momentary bliss." Bei The Cure hieß das einst "Seventeen seconds / A measure of life", meinte aber das gleiche: Ein paar Augenblicke des Glücks – mehr hat das Leben nicht zu bieten. "A momentary bliss" dagegen schon.

Ungeachtet allumfassender Missmutigkeit sind Billy Zach in einem Großteil dieser neun Stücke nämlich äußerst dynamisch unterwegs. Dumm von der Seite sollte man ihnen dabei jedoch nicht kommen: "Don't get me wrong / I don't belong", konstatiert der Opener entsprechend zu explosivem, leicht krautigem Drive, den Sören Jakobs' präzise, abwechselnd kreisende und zustechende Gitarre, Annabelle Weders elektrifizierter Knurr-Bass und ein störrischer Chor der Geister noch pointieren. Keine Frage: Das Quartett ist ziemlich "Disappointed". Von ausbleibenden Anrufen, der Beschissenheit der Dinge und vermutlich auch davon, "Coffee in teacups" serviert zu bekommen – und lässt seine temporeichen Songs ätzen und brodeln. Und da der Wilde Westen bekanntlich gleich hinter der Hansestadt anfängt, passt auch der twangige Rocker "Dear sister" vorzüglich ins Bild. Die Tanzbarkeit von The Dandy Warhols' "Get off", das Desperado-Feeling von Helldorados "John McMiller" – schön staubig ist's in der wilden deutschen Prärie.

Und je weiter "A momentary bliss" fortschreitet, umso tiefer steigt der Vierer in die Bergwerke von Talking-Blues-Albträumen und persönlichen Verfehlungen hinab, wo nicht nur in "A ballad of disproven tales" knörmeliger Gothic-Rock urbritischer Prägung wartet. Zuweilen empfehlen sich Billy Zach dank spitzfindiger Riffs und latenter Durchgeknalltheit auch als eine Art legitime Nachfolger*innen von The Painless Dirties, mit denen Kai Boysen Mitte der Achtziger düster-psychotische Beatmusik klopfte, bevor er mit Station 17 die Inklusion behinderter Menschen in den Pop einführte. Deutlich geradliniger wettert "No progression" gegen Ende noch einmal aufgebracht gegen eigene Unzulänglichkeiten sowie fortwährende Rückschläge und ertränkt jede Hoffnung auf Besserung in giftigem Fuzz. Nicht der einzige Hit von der Schattenseite einer Existenz, in der es Sieger und Verlierer geben muss – so weit die (selbst-)zerstörerische Quintessenz eines tollen Albums. Mit dem Billy Zach immer einen Platz in unseren kalten, bösen Herzen haben werden.

(Thomas Pilgrim)

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Highlights

  • Don't belong
  • Dear sister
  • No progression

Tracklist

  1. Don't belong
  2. Disappointed
  3. Coffee in teacups
  4. Dear sister
  5. A ballad of disproven tales
  6. But still
  7. Powerless
  8. No progression
  9. Peace of mind

Gesamtspielzeit: 44:34 min.

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Armin

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2023-02-22 19:19:49 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert.

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