Listen




Banner, 120 x 600, mit Claim


Yo La Tengo - This stupid world

Yo La Tengo- This stupid world

Matador / Beggars / Indigo
VÖ: 10.02.2023

Unsere Bewertung: 8/10

Eure Ø-Bewertung: 9/10

This cool band

"Drivin' in my Peugeot, ay-ay-ay-ay / Twenty inch rims with the chrome now, ay-ay-ay-ay / Blazin' out Yo La Tengo, ay-ay-ay-ay / Drivin' round poppin' with the top down, ay-ay-ay-ay"
(Hot Chip, "Playboy")

Yo La Tengo waren schon immer die coolste Band für alle Nerds unter der Sonne. Das wussten die Milchbubis Hot Chip bereits auf ihrem Debütalbum 2004, das wussten viele Musikbegeisterte schon viel früher. Schließlich sind die im privaten Leben verheirateten Georgia Hubley und Ira Kaplan bereit seit 1984 unter diesem Namen aktiv, Bassist James McNew wurde nach vielen Besetzungswechseln in 1992 die weitere bis heute bestehende Konstante. Das muss man sich deshalb vor Augen führen, weil "This stupid world" ihr 17. Studioalbum in fast 40 Jahren ist und die Band so frisch klingt, als hätten sie gerade über ihre ersten Demos zu einer gemeinsamen Chemie gefunden. Es hilft natürlich dabei, dass die Platte von ihnen komplett selbst produziert wurde. Beim Hören formt sich geradezu der Eindruck, inmitten des Dreiecks Hubley-Kaplan-McNew zu stehen und sich im Jamming des Trios zu verlieren.

Die Ambient-Schwerpunkte, die "There's a riot going on" setzte und welche das Lockdown-Album "We all have amnesia sometimes" völlig einnahmen, delegieren Yo La Tengo auf "This stupid world" nur noch zu kurzen Intros in manchen Tracks. Stattdessen stecken die neun Songs das ganz klassiche Feld ab, was für die Veteranen aus Hoboken, New Jersey sowieso weit genug ist. Nach einer Straße in jener Stadt ist der motorisch grummelnde Opener "Sinatra Drive breakdown" benannt. Kaplan sing-flüstert "Your eyes, your love / Until we all break" und lässt seine Gitarre über dem Groove stottern und eruptieren. Es gibt die Wegrichtung für den Rest vor: viele Jam-Passagen und ausladende Parts, wenige direkte Hits. Am ehesten passt in letztere Kategorie noch die folgende Single "Fallout", ein typischer – soll heißen: wunderbarer – Fuzz-Rocksong mit weichem Kern.

Jenen Faden greifen Yo La Tengo erst zum Ende des Albums wieder auf. "Brain capers" täuscht zwar erst außerweltliches Wabern an, gerät dann aber doch zum dichtesten, lautesten Psychedelic-Rock-Stück im Bunde. Kaplan ist kaum zu verstehen unter den Feedbackschwaden und Vocal-Effekten, wenn er in drei Refrains nacheinander Alice Cooper, Ray Davies und Rick Moranis zitiert. Repetitiver, zugleich energischer ist der folgende Titeltrack, ein stures Stapfen im wilden Kraut, der Gesang eine Beschwörung: "This stupid world, it's killing me / This stupid world is all we have." Dass die Lyrics auf "This stupid world" deutlich fatalistischer und mit dieser so dumm geglaubten Welt im Hadern sind, fällt erst auf, wenn man genauer hinhört oder sich die Worte vor Augen führt. "And I can't bear to look to see / If this apology letter's returned unread", grübelt Kaplan, in sich den Blick gerichtet.

Hubley bekommt dieses Mal leider nur zwei Songs am Mikro, beide jedoch beeindruckende Momente in der Reise. "The camera moves / The laugh track laughs / Cue applause / I cry for us" – es ist eine seltsame Show, die sie im Ruhepol "Aselestine" beschreibt. Noch schöner ist ihr Auftritt im fantastischen Closer "Miles away", der sich seinem Namen entsprechend langsam in eigene Sphären verabschiedet. "Ease your mind, bide your time / Hold your thoughts for now", bittet Hubley, denn nichts, aber auch gar nichts, soll von dieser Herzmassage ablenken, die da siebeneinhalb Minuten lang durch den Körper fährt. Überhaupt sind wie gewohnt die leiseren Momente ebenso intensiv wie die lauten auf "This stupid world". Und die größte Überraschung liegt wohl in jeder Hinsicht dazwischen.

Es ist schwer zu beschreiben, was die Drei in "Tonight's episode" genau veranstalten. McNew übernimmt den stoischen Sprechgesang für ein rätselhaftes Setting, unter welchem sich ein flotter Rhythmus mit dem permanent rauschenden Amplifier duelliert. "Ask me nice, whatever you like / I can show you a yo-yo trick." Den liefert er gewissermaßen: Im Wechsel fragen Kaplan und Hubley ihn Dinge wie "Milk the cow?", "Walk the dog?" oder, äh, "Guacamole?" – und McNew antwortet brav "I can milk the cow", "I can walk the dog" oder, äh, "I can Guacamole". Und dass Yo La Tengo nach 40 Jahren neben Lärm, Ruhe, Schönheit und Bitterkeit noch diese gewisse Portion Weirdness und Schlagfertigkeit in sich haben, lässt das eigene Herz noch einmal hüpfen. Waren immer cool, sind cool, bleiben cool.

(Felix Heinecker)

Bei Amazon bestellen / Preis prüfen für CD, Vinyl und Download
Bei JPC bestellen / Preis prüfen für CD und Vinyl

Bestellen bei Amazon / JPC

Highlights

  • Tonight's episode
  • Brain capers
  • Miles away

Tracklist

  1. Sinatra Drive breakdown
  2. Fallout
  3. Tonight's episode
  4. Aselestine
  5. Until it happens
  6. Apology letter
  7. Brain capers
  8. This stupid world
  9. Miles away

Gesamtspielzeit: 48:45 min.

Album/Rezension im Forum kommentieren (auch ohne Anmeldung möglich)

Einmal am Tag per Mail benachrichtigt werden über neue Beiträge in diesem Thread

Um Nachrichten zu posten, musst Du Dich hier einloggen.

Du bist noch nicht registriert? Das kannst Du hier schnell erledigen. Oder noch einfacher:

Du kannst auch hier eine Nachricht erfassen und erhältst dann in einem weiteren Schritt direkt die Möglichkeit, Dich zu registrieren.
Benutzername:
Deine Nachricht:
Forums-Thread ausklappen
(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag

Felix H

Mitglied der Plattentests.de-Chefredaktion

Postings: 8639

Registriert seit 26.02.2016

2023-02-20 16:55:56 Uhr
Fühlt sich jemand bei "Brain Capers" eigentlich noch an Mogwais "Mexican Grand Prix" erinnert?

Grizzly Adams

Postings: 3327

Registriert seit 22.08.2019

2023-02-17 15:15:26 Uhr
Ich kenne längst nicht alles von Yo La Tengo und dieses Album ist ein Grund dafür, warum ich diese Band nie komplett in meinen Musikgeschmack integrieren konnte. Absolut tolle Songs wie Fallout, Apology Letter und Miles Away wechseln sich ab mit völlig egalen und für mich Unhörbaren.
Es gibt nur ein Album, welches ich durchweg hören kann („And Then nothing turned itself inside-out“) und eines bei dem ich die Mehrheit gut finde („I can hear the heart Beating as One“).
Aber immerhin. Der Versuch mit dem aktuellen Release war ok. Drei richtig gute Songs gefunden.

ZoranTosic

Postings: 776

Registriert seit 22.04.2020

2023-02-17 14:54:32 Uhr
Ok dann jetzt mal eine Fanboywertung:

Würde es jetzt auch gerne wieder 10er regnen lassen, aber irgendwie muss ein kleiner Abstand zu den GANZ grossen Meisterwerken der Band gewahrt werden.

Sinatra Drive Breakdown 9,5
Fallout 9
Tonight's episode 8
Aselestine 10
Until it happens 8
Apology letter 9
Brain Capers 7
This stupid world 9,5
Miles away 10

Die beiden Stücke von Georgia lassen keine andere Wahl als die 10 zu zücken. Wie gut ist bitte schön Miles Away? Grosse Band

AliBlaBla

Postings: 2903

Registriert seit 28.06.2020

2023-02-17 14:27:23 Uhr
Okey, ..

Sinatra Drive Breakdown 8
Fallout 8,5
Tonight's episode 6
Aselestine 9
Until it happens 7,5
Apology letter 8
Brain Capers 7
This stupid world 8
Miles away 8,5

Man erwartet vielleicht von Yo la Tengo ein neues "Painful" (1993) oder "I can hear the heart beating as one " (1997), aber das kann ja nich..
Hier betören sie manchmal, tolle Highlights, etwas langweilt auch mal zeischendurch, aber sie sind immer sie selbst! Live werde ich sie besuchen, solange es geht (für sie, oder für mich); one of a kind, Liebe geht raus (die sich nich in Zahlen darlegen lässt).

dreckskerl

Postings: 9061

Registriert seit 09.12.2014

2023-02-17 00:49:16 Uhr
@kingbritt
Ja die Eierei mit den Dezimalzahlen ist kind of ... (vor allem wenn gleich wieder die Zahlenwächter intervenieren)
aber wenn ich bei Yo La Tengo alles über 8 sehe und manches über 9 brauchts dann kleinteiligere Bewertungsskalen um eine Reihenfolge zu bilden...alles Nerdkram, klar. ;
Zum kompletten Thread

Hinterlasse uns eine Nachricht, warum Du diesen Post melden möchtest.

Bestellen bei Amazon

Threads im Plattentests.de-Forum

Anhören bei Spotify