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Carlos Cipa - Ourselves, as we are

Carlos Cipa- Ourselves, as we are

Warner Classics
VÖ: 24.02.2023

Unsere Bewertung: 8/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Kommst Du mit in mein Klavier?

Der Blick in die Biografie versierter Musiker*innen fördert häufig genug bewährte Muster zu Tage. Dabei geht es fast immer um die Anfänge in ganz jungen Jahren und die Beständigkeit, mit der aus einem Hobby eine anhaltende Passion wird. Große Könnerschaft resultiert in den meisten Fällen eben vor allem aus frühkindlicher Förderung. Der famose Pianist Carlos Cipa macht in diesem Fall zunächst keine Ausnahme: eine klassische Klavierausbildung, geprägt vom Fokus auf Technik und Disziplin, verschaffte ihm das Rüstzeug für spätere Großtaten. Zwischendrin aber gönnte sich der 1990 in München geborene Cipa eine kleine musikalische Rebellion und war als Schlagzeuger unter anderem für die Hardcore-Punk-Band Pangaea aktiv. Auf den ersten Blick mag dieser Einfluss in dem, was er heutzutage tut, nicht mehr erkennbar sein. Der Spaß am Abseitigen, Außergewöhnlichen und Extremen aber ist ihm erhalten geblieben. "Ourselves, as we are" wohnt bei aller Schönheit eine beachtliche Portion an Radikalität inne.

Carlos Cipa lädt seine Zuhörer*innen auf eine gemeinsame Reise ein, die nicht nur ein Ziel verfolgt. Wie der Titel schon verrät, geht es einerseits um die Reduktion auf sich selbst. Der Musiker sitzt alleine in einem Raum mit seinem Klavier, ganz auf sich und sein Tun zurückgezogen; ein Nachhall der quälend langen Pandemiezeit. Er erkundet seine Seele und überträgt das dort Entdeckte in die wundervoll dahinfließende Musik. Die Reise führt aber auch, und das macht die Sache in besonderem Maße faszinierend, in das Innere seines Instruments. Man geht praktisch Stück für Stück auf Tauchstation. Ein Künstler bei der virtuosen, gleichermaßen hochkonzentrierten wie leichtfüßigen Arbeit: Das ist der Kern dessen, was hier innerhalb von rund 40 höchst spannenden Minuten zu besichtigen ist. Wir folgen seinen Händen (und Füßen), hören dabei allerdings nicht nur das, was an Klängen aus dem Körper des Klaviers herauskommt, sondern tatsächlich auch die Tastentöne, das buchstäbliche Handwerk.

Mit spürbarer Sanftheit bearbeitet Carlos Cipa die Klaviatur, jedes der neun Stücke besticht dabei durch eine ausgefeilte Komposition. Durch die Hervorhebung der vielen anderen Geräusche, die sich zu einem verblüffend stimmigen Klangbild vereinen, zieht der Künstler eine zweite, eine dritte, eine vierte Ebene ein. Nicht nur der Druck auf die Tasten, auch das Bedienen der Pedale und überhaupt die Soundkulisse aus dem Inneren des Klaviers sind zu vernehmen. "Leisigkeit" hat er das Ganze genannt, und damit trifft er den Nagel auf den Kopf, oder besser: den Hammer auf die Saite. "Ourselves, as we are" ist ein durchaus radikales Werk – radikal in dem Sinne, seinen eigenen Ideen und Vorstellungen freien Lauf zu lassen. Das Album taugt gewiss nicht zum Genuss nebenher, sondern möchte mit allen Sinnen wahrgenommen, erlebt und erkundet werden. Man kann sich darin vortrefflich verlieren, und damit dürfte Carlos Cipa genau das erreicht haben, was ihm bei der Komposition vorgeschwebt hat.

(Torben Rosenbohm)

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Highlights

  • Took
  • Walk so silently
  • Ourselves, as we are

Tracklist

  1. Took
  2. Between to strangers
  3. Walk so silently
  4. Unpredictable patterns
  5. Ourselves, as we are
  6. Face the sea
  7. City waiting
  8. Maintenance
  9. Forgotten me

Gesamtspielzeit: 41:21 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag

Gomes21

Postings: 5012

Registriert seit 20.06.2013

2023-02-16 22:23:28 Uhr
Oberhausen könnte was werden..

AndreasM

Plattentests.de-Mitarbeiter

Postings: 717

Registriert seit 15.05.2013

2023-02-16 08:50:30 Uhr
Das neue Album kenne ich noch nicht, aber gerade live halte ich ihn für durchaus herausragend aus den sonstigen Solisten im Neo-Klassik/Piano-Bereich.
Auch bald wieder auf Tour:

19.03.23 Utrecht (nl) - TivolVredenburg
20.03.23 Oberhausen (de) - Ebertbad
21.03.23 Neunkirchen (de) - Reithalle
24.03.23 Leipzig (de) - Horns Erben
27.03.23 London (uk) - St.Pancras
29.03.23 Praha (cz) - Klementinum Mirror Chapel
31.03.23 Berlin (de) - Konzerthaus
02.04.23 Oss (nl) - De Groene Engel
05.04.23 Nottingham (uk) - Metronome

Armin

Plattentests.de-Chef

Postings: 26627

Registriert seit 08.01.2012

2023-02-15 21:39:03 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert.

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