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Bukahara - Tales of the tides

Bukahara- Tales of the tides

BML / Rough Trade
VÖ: 24.02.2023

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Über Fluten

Der stete Wechsel gehört bei vielen Musikbands seit jeher zum Geschäft. Wie erfrischend, wenn einige sich diesen Gesetzmäßigkeiten widersetzen. Auch nach fast anderthalb Jahrzehnten gemeinsamen Schaffens beispielsweise bestehen Bukahara noch immer aus ihren vier Gründungsmitgliedern: Soufian Zoghlami, Ahmed Eid, Daniel Avi Schneider und Max von Einem. Gerade aufgrund dieser bewährten und eingespielten Konstellation sorgen sie dafür, dass sich "Tales of the tides", das inzwischen fünfte Studioalbum, nahtlos einreiht in das bisherige Schaffen. Denn das ist geprägt durch die höchst unterschiedlichen Einflüsse, die ein jeder dieses Quartetts einbringt. Der kleinste gemeinsame Nenner mag der Folk sein, doch die neun Stücke bieten noch sehr viel mehr.

Bei Bukahara gehen musikalische Unbeschwertheit und lyrische Tiefe oft genug Hand in Hand. Das sorgt dann unter anderem dafür, dass die Konzerte der Band regelmäßig zu einer großen Feier werden. Und dass diejenigen, die genau hinhören, die klug geschriebenen Botschaften wahrnehmen. Bukahara sind ohnehin gemacht für die Bühne, und so überrascht es nicht, dass man sich auch die Stücke auf "Tales of the tides" in jeder Minute mühelos im späteren Live-Vortrag vorstellen kann. Gleich das Titelstück, das den Auftakt zu knapp 35 Minuten an reinsten Bukahara-Tönen bildet, transportiert den besonderen und inspirierenden Charakter ihrer Kunst. "But then I hear the seas are calling / We're still here to remind / That all your / Ends and beginnings / Lie deep in the tales / Of the tides", singt Zoghlami da und nimmt, nicht zum letzten Mal, Bezug auf das Thema Gezeiten und damit auf die Flut, die längst nicht mehr nur als Naturphänomen verstanden wird. Klimawandel, Migration, Informationen: Menschen ge- und missbrauchen die Flut durch Sprache immer wieder.

Tief in die Vergangenheit taucht "Trails of bones" ein. Die Band beleuchtet ein dunkles Kapitel in der Geschichte, als von den 1500er Jahren an Millionen Menschen als Sklaven verschleppt wurden und viele von ihnen die Überfahrt nicht überlebten. "On a small boat carried by the waves / You float above a million graves / On another sea on another road / On the new trails of bones", heißt es da. Geschichte wiederholt sich nicht? Wohl tatsächlich nicht im selben Maßstab, aber die Band legt bewusst den Finger in die Wunden, die an den Grenzen klaffen; in einer Zeit, in der Menschen im Mittelmeer ihr Leben lassen: "When all that is left of hope / Are orange vests and empty boats / Everyone of us should know / There are new trails of bones."

Bukahara verstehen sich als Überwinder von Grenzen und sind dank ihrer Herkünfte selbst das beste Beispiel für ein harmonisches Miteinander. Sänger Zoghlami hat einen tunesischen Vater, Eid wurde in Syrien geboren und ist in Palästina aufgewachsen, während Schneider jüdisch-schweizerische Wurzeln hat. Von Einem kommt aus Westfalen. Vom Rückgriff auf die Kulturen profitiert natürlich auch die Musik, denn der typische Sound lebt von seinem faszinierenden Mix. Da stehen dezidiert zurückhaltende Folk-Stücke wie das abschließende "Follow the moon" neben einem Song wie "Assad", der auf Arabisch vorgetragen wird und musikalisch in eine ganz andere Richtung abzweigt. Mittendrin gibt es "Stein", den einzigen Titel, den Zoghlami auf Deutsch singt. Ein Zufall war es, der die vier zusammenbrachte – die Qualität ihres Tuns ist längst keiner mehr.

(Torben Rosenbohm)

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Highlights

  • Tales of the tides
  • Same kind of people
  • Assad

Tracklist

  1. Tales of the tides
  2. Border
  3. In my mind
  4. Same kind of people
  5. Storytelling animal
  6. Stein
  7. Assad
  8. Trails of bones
  9. Follow the moon

Gesamtspielzeit: 34:35 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag

Armin

Plattentests.de-Chef

Postings: 26580

Registriert seit 08.01.2012

2023-02-15 21:38:35 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert.

Meinungen?



Armin

Plattentests.de-Chef

Postings: 26580

Registriert seit 08.01.2012

2023-02-03 19:08:19 Uhr - Newsbeitrag
BUKAHARA - BORDER (Musikvideo)


„Border“ ist die dritte Single des neuen Albums von Bukahara und bringt das Selbstverständnis der Band auf den Punkt: „On the map they drew so many lines“, wundert sich Zoughlami über willkürliche Grenzziehungen: „And I don’t know why / Anyone should still listen to these rules.“ Die Lieder, die Bukahara zu diesen Themen geschrieben hat, sind ihrerseits freiheitlich und international, vor allem aber die bislang besten Songs ihrer Karriere.

Obrac

Postings: 2202

Registriert seit 13.06.2013

2023-01-11 17:17:42 Uhr
Coole Band. Neue Songs höre ich aber erst im Frühling.

Armin

Plattentests.de-Chef

Postings: 26580

Registriert seit 08.01.2012

2023-01-11 17:16:30 Uhr
Klasse Song. "Stein" war zwar auch schön, hat mich aber nicht so komplett umgehauen.

Armin

Plattentests.de-Chef

Postings: 26580

Registriert seit 08.01.2012

2023-01-11 17:07:24 Uhr - Newsbeitrag
Liebe Musikfreund:innen,


BUKAHARA - SAME KIND OF PEOPLE (Musikvideo)


Mit ihrem neuen Album legen Bukahara ihre bislang homogenste Musik vor. Die zweite Single „Same Kind of People“ ist eine reduziert startende, sich kontinuierlich aufbäumende und stetig an Dynamik zulegende Ballade mit diesem auf einmalige Weise gleichzeitig wehmütig und entschieden klingenden Gesang von Soufian Zoghlami. Es geht um soziale Ungleichheit und das schmerzhafte Gefühl, nicht dazuzugehören, Zoghlami steigert sich dazu in einen hingebung

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