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Avey Tare - 7s

Avey Tare- 7s

Domino / GoodToGo
VÖ: 17.02.2023

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 6/10

Alles nicht so einfach

Die Corona-Pandemie wurde von Virologe Christian Drosten längst für beendet erklärt. Ein paar Nachwehen schwirren aber immer noch umher, vor allem in der Musikbranche: Folgen für Konzerte und größere Events sind noch immer spürbar. Und die Zeit des Lockdowns und der sozialen Abschottung wurde nicht nur zum Bananenbrotbacken und Häkelnlernen genutzt – einige Künstler hatten hier offenbar besondere Muße, um sich etwas zu trauen und Neues zu schaffen. Die bekanntesten Alben, die in dieser Zeit entstanden. sind wohl "Folklore" und "Evermore" von Taylor Swift oder "How I'm feeling now" von Charlie XCX.

Doch nicht nur im Pop hat sich dieses Phänomen mehr oder weniger durchgesetzt. Auch Animal Collective haben im Frühjahr 2020 intensiv an ihrem Album "Time skiffs" in einem kleinen Heimstudio in North Carolina gewerkelt. Mitglied Avey Tare blieb danach noch vor Ort, um die ersten Demos für seinen vierten Longplayer "7s" aufzunehmen. Knapp drei Jahre später ist das Endergebnis fertig und nichts für Hörer, die auf eher Kurzweiliges aus sind.

Denn ganz weit weg von Animal Collectives Schaffen sind die passenderweise sieben Songs von "7s" nicht. Experimentell, verspielt und stellenweise atmosphärisch präsentiert sich Avey Tare auch im Alleingang ohne seine Bandkollegen Panda Bear, Geologist und Deakin. Jedoch mit einem bedeutendem Unterschied: Der Musiker, der eigentlich Dave Portner heißt, setzt wesentlich öfter auf zugängliche Momente. Nicht alles hier wirkt wie ein Sound-Wirrwarr – in das man sich mehrmals begeben muss, um alles zu erfassen und es am Ende überhaupt genießen zu können.

Experimenteller wird es auf "7s" vor allem dann, wenn die Songs auch zeitlich ausschweifen. Logisch: In rund neun Minuten wie bei "Hey bog" geht der rote Faden schneller verloren als in knapp vier, wie beim Opener "Invisible darlings". Und doch stecken viele Einflüsse in dem vergleichsweise kurzen Stück. Tare lässt hier laut eigenen Angaben Grundzüge des äthiopischen Funks einfließen, ebenso dringt brasilianischer Samba durch, während zarte Klaviertöne durch den Song führen und die Gesangsmelodie auch zu handelsüblichem, gitarrenverliebtem Indie-Pop passen könnte.

Es sind genau diese Gegensätze, die "7s" zwar spannend, stellenweise aber auch anstrengend machen. So entgleist eine klare Linie im knapp achtminütigen "Sweeper’s grin" zwischen dumpfen Beats und weiten Synthie-Klängen immer mehr. Tares Stimme dringt nur gelegentlich und sehr dumpf durch den Sound und löst beim Zuhören eher Überforderung bis hin zu Stress aus. "The musical" könnte hingegen eine spannende bis poppige Ballade sein, wäre da nicht das nur schleppend voranschreitende, verkopft wirkende und durch Details überladene Soundgerüst. Doch genau für diese Art von Kunst scheinen Avey Tare und Animal Collective sich bewusst entschieden zu haben. Etwas simpler wäre es aber sicherlich auch gut genug.

(Lena Zschirpe)

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Highlights

  • Invisible darlings

Tracklist

  1. Invisible darlings
  2. Lips at night
  3. The musical
  4. Hey bog
  5. Sweeper's grin
  6. Neurons
  7. Cloud stop rest start

Gesamtspielzeit: 45:49 min.

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Armin

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2023-02-08 20:48:25 Uhr - Newsbeitrag
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