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Uriah Heep - Chaos & colour

Uriah Heep- Chaos & colour

Silver Lining / Warner
VÖ: 27.01.2023

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 6/10

Der alte Mann und das Riff

Simon Robinson ist vermutlich einer der profiliertesten Kenner von Deep Purple, der so ziemlich jeden Aspekt der Historie der britischen Rock-Legende erforscht hat. Er muss es also wissen, wenn er in den Liner Notes der "25th anniversary edition" der Urknall-Platte "Deep Purple in rock" von einer ganz besonderen Begegnung zu berichten weiß. Denn im August 1969, als sich die soeben frisch zusammengetrommelte Mark-II-Besetzung von Deep Purple im Hanwell Community Centre im Westen Londons einen der ganz großen Meilensteine der Rockmusik zu schreiben anschickte, lärmte im Proberaum nebenan eine andere junge Band. Die laut Robinson offenbar sehr genau zuhörte und im Jahr 1970 ihrerseits ihr Debütalbum veröffentlichte, welches durchaus einige Parallelen zu den Nachbarn aufwies. Diese Band hörte damals noch auf den Namen Spice, benannte sich kurz darauf jedoch um. Der neue Name: Uriah Heep.

Es ist eine interessante Fügung, dass beide Bands nach all den Jahren immer noch aktiv sind, wobei sich die Geschichte von Uriah Heep als deutlich wechselvoller darstellte. Während Deep Purple spätestens seit 2013 und dem Album "Now what?" höchst erfolgreich auf ihrer eigenen Nostalgie-Welle reiten, gestaltete sich Uriah Heeps "Outsider" 2014 noch als trauriger Abgesang für die Band, deren "Lady in black" wohl auch noch im hinterletzten Paralleluniversum geträllert wird. Und nachdem sich "Living the dream" 2018 endlich als das erhoffte würdevolle Alterswerk entpuppt hatte, stoppte die Pandemie jegliche Feierlichkeiten zum 50. Bandjubiläum. Eigentlich ein Zeitpunkt, um dann doch die Musiker-Rente anzustreben – doch Gitarrist Mick Box scheint als letztes noch lebendes Mitglied der legendären Besetzung der frühen Siebziger wild entschlossen, für Uriah Heep mit dem 25. Studioalbum namens "Chaos & colour" noch einmal ein gewaltiges Ausrufezeichen zu setzen.

Denn woher sonst holt Box die Power, mit seinen 75 Jahren die Band zu so einem Einstieg wie "Save me tonight" zu treiben? Leichtfüßig läuft der alterslose Hardrock des Openers voran, bis sich der ältere Herr an den sechs Saiten gekonnt die Bälle mit Keyboarder Phil Lanzon zuspielt und keine Anzeichen von Rente erkennen lässt. Und auch die folgenden "Silver sunlight" und "Hail the sunrise" versprühen den Geist der Siebziger, lassen die Hammondorgel nach allen Regeln der Heep-Kunst fauchen und zeígen eine Band voller Spielfreude, die es den jungen Hüpfern noch einmal so richtig zeigen möchte. "Hurricane" ist ebenfalls so ein treibender Rocker mit Ohrwurm-Refrain, bevor "One nation, one sun" tatsächlich einmal den Fuß vom Gas nimmt, damit es einem um den Kreislauf der Herren nicht angst und bange werden muss.

Und schon sind wir dann doch wieder bei den ewigen Parallelen zu Deep Purple. Denn natürlich halten Uriah Heep das Tempo nicht durchgängig so hoch wie in der ersten Hälfte, werden zunehmend episch, ohne staatstragend zu wirken. Was dabei vor allem auffällt, ist der wohlwollende Blick zurück. Denn immer wieder sind da kleine Reminiszenzen an die eigene Vergangenheit, die natürlich nicht kopiert werden kann, die aber dafür den Wiedererkennungswert garantieren – ganz genau so, wie es die ehemaligen Proberaum-Nachbarn erfolgreich praktizieren. Doch wenn man sich vom überragenden Instrumental-Part von "You'll never be alone" mitreißen lässt oder im epischen "Freedom to be free" schwelgt, spürt man eine Band, die so hungrig wirkt wie seit vielen Jahren nicht mehr. Natürlich sichern die Tantiemen des Überhits "Lady in black" nach wie vor einen kommoden Lebensabend. Umso erfreulicher ist es, wie Uriah Heep es nicht nur manchen Jüngeren, sondern auch sich selbst noch einmal mit Macht zeigen.

(Markus Bellmann)

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Highlights

  • Save me tonight
  • Hurricane
  • You'll never be alone
  • Freedom to be free

Tracklist

  1. Save me tonight
  2. Silver sunlight
  3. Hail the sunrise
  4. Age of changes
  5. Hurricane
  6. One nation, one sun
  7. Golden light
  8. You'll never be alone
  9. Fly like an eagle
  10. Freedom to be free
  11. Closer to your dreams

Gesamtspielzeit: 59:26 min.

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User Beitrag

VelvetCell

Postings: 6773

Registriert seit 14.06.2013

2023-02-07 11:52:07 Uhr
Uriah Heep sind wohl selbst für dieses Forum alter, weißer Männer zu alt. :P

Armin

Plattentests.de-Chef

Postings: 26601

Registriert seit 08.01.2012

2023-01-31 20:36:29 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert.

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