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Frank Popp Ensemble - Shifting

Frank Popp Ensemble- Shifting

Unique / Membran
VÖ: 27.01.2023

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Wer kann, der kann

Fühlen Sie sich auch manchmal so alt, dass Sie bei Rossmann noch in DM umrechnen? Diese Empfindung dürfte allen vertraut sein, die sich noch daran erinnern, wie sie einst im schwitzigen Indie-Club zum größten Hit von Frank Popps Ensemble getanzt haben, als wäre es letzte Woche gewesen. Dabei sind mehr als zwei Jahrzehnte vergangen, seit "Hip teens don't wear blue jeans" in Softdrink-Werbung und Formatradio endgelagert wurde. Inzwischen hat sich der Rheinländer längst Richtung Berlin davongemacht, produziert Bands und veranstaltet Sixties-Allnighter – bis 2021 so renommierte Musiker wie The Posies, Gerry Love von Teenage Fanclub, Die Liga Der Gewöhnlichen Gentlemen, oder Fünf Sterne Deluxe auf der voluminösen Tribute-Sammlung "Under covers" seine Songs interpretierten. Warum also nicht mal ein neues Album? Popp kann's schließlich immer noch.

Das weiß man im Grunde schon beim Signature-Drumroll, der "Out of town" anschiebt und im Verlauf der nächsten knappen Stunde immer wieder auftaucht. Es folgen geschmackvolle Streichersätze, aufgekratzter Midtempo-Groove und feine instrumentale Spitzfindigkeiten – beinahe so sonnig wie der spanische Süden, wo Popp "Shifting" zusammen mit Odd-Couple-Hälfte Jascha Kreft produzierte. Mit zahlreichen Gästinnen und Gästen am Mikro, versteht sich. Besonders hervor tut sich dabei der Münchener Blues-Mann Jesper Munk, dem der gediegene Opener genauso gut zu Gesicht steht wie der dynamisch-soulige Stampfer "Torn up" oder das gekippt schmachtende "Your heroes" – nur echt mit leicht neben der Spur eierndem Humpel-Beat und versonnenem Fender Rhodes Piano. Da wird aus "Ride on" glatt kurz "Riders on the storm".

Bereits nach 30 Minuten sind so gut wie alle Aggregatzustände von "Shifting" abgeklappert, denn bei Sixties- und Northern Soul ist lange noch nicht Schluss. "Save me Saturday" kickt rauen Indie-Gitarrenrock vor sich her, zu dem Kat Ott von 24/7 Diva Heaven die heilende Kraft des Wochenendes feiert, die australische Wahlberlinerin Lucy Kruger hingegen ist in der ätherischen Single "Drifting" oder beim Sitar-durchfluteten "Veil" für die entrückte Dream-Pop-Seite der Veranstaltung zuständig. Und auch die bewährte Vokalistin Sam Leigh-Brown gibt sich wieder die Ehre – besonders prominent in der vorzüglichen Coverversion von Bobby "Blue" Blands "Ain't no love in the heart of the city", das man spätestens aus dem Vorspann der ebenso exquisiten norwegischen Zeitreisen-Serie "Beforeigners" kennen sollte. Wie gesagt: Popp kann's immer noch.

Neuerdings sogar als Sänger, wobei seine Stimme in "Under the sea" und beim funky Easy-Listening-Schnack "Piérdete" nicht zu den stärksten Momenten zählt. Weitaus überzeugender: Anna Glahn, die "See it coming" zu einem formschönen Schleicher veredelt und der Vintage-Space-Disco des wunderbaren Closers "Dragonaut" einen Hauch außerirdischen Charme verleiht. Was mühelos mit dem Umstand versöhnt, dass "Shifting" seinem tollen Auftakt ab der Hälfte ansonsten nicht allzu viel hinzuzufügen hat – selbst die zwei Auftritte von Aydo Abay segeln nur knapp über die Wahrnehmungsgrenze. Und auch wenn es Popp gegönnt sei, nach 14 Jahren Veröffentlichungspause möglichst viele seiner mannigfaltigen Einflüsse unterzubringen, muss er doch in Kauf nehmen, dass ein gutes Album so ein wenig verwässert. Immerhin: Alt fühlen muss sich hier niemand.

(Thomas Pilgrim)

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Highlights

  • Out of town (feat. Jesper Munk)
  • Torn up (feat. Jesper Munk)
  • Save me Saturday (feat. Kat Ott)
  • Dragonaut (feat. Anna Glahn)

Tracklist

  1. Out of town (feat. Jesper Munk)
  2. See it coming (feat. Anna Glahn)
  3. Torn up (feat. Jesper Munk)
  4. Save me Saturday (feat. Kat Ott)
  5. Drifting (feat. Lucy Kruger)
  6. Ain't no love in the heart of the city (feat. Sam Leigh-Brown)
  7. Born to lose (feat. Jesper Munk)
  8. Sweet remedy (feat. Aydo Abay)
  9. Your heroes (feat. Jesper Munk)
  10. Under the sea (feat. Sam Leigh-Brown)
  11. Veil (feat. Lucy Kruger)
  12. Vertigo (feat. Aydo Abay)
  13. Sad but true (feat. Anna Glahn)
  14. Piérdete
  15. Dragonaut (feat. Anna Glahn)

Gesamtspielzeit: 59:00 min.

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Armin

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2023-01-23 21:03:00 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert.

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flow79

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2022-12-14 21:17:57 Uhr
Neues Album Anfang 23.

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