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Robert Forster - The candle and the flame

Robert Forster- The candle and the flame

Tapete / Indigo
VÖ: 03.02.2023

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 9/10

Familienbande

Anm. d. Red. Die Rezension war leider zunächst mit der inkorrekten Bewertung online. Plattentests.de vergibt 7/10.

Bei allem Respekt vor den gelegentlich durchaus ordentlichen Verkaufszahlen: The Go-Betweens waren nie das, was man als ganz großes Ding bezeichnen darf. Zumindest, wenn man den kommerziellen Erfolg zugrunde legt. Qualitativ hingegen spielte die Band bis zu ihrer endgültigen Auflösung im Jahr 2006 kontinuierlich in einer der oberen Ligen. Liebhabermusik für jene, die abseits des Angesagten nach Perlen forschen. The Go-Betweens mögen Geschichte sein, Band-Mitgründer Robert Forster indes ist noch immer höchst umtriebig und hat Zeit seiner künstlerischen Karriere immer wieder Solo-Arbeiten vorgelegt. "The candle and the flame" ist das vierte Album, das Forster in diesem Jahrtausend unter eigenem Namen veröffentlicht.

Obwohl der größte Teil der neun Songs geschrieben wurde, bevor die Nachricht von der schweren Erkrankung seiner langjährigen Partnerin Karin Bäumler die Familie erschütterte, setzt gleich der erste Titel ein klares Zeichen. "She's a fighter", singt Forster da fast in Endlosschleife, gefolgt von einem entschlossenen: "Fighting for good." Mehr nicht, und mehr ist auch gar nicht nötig, um den Schrecken zu verarbeiten und gleichermaßen nach vorne zu schauen. Denn genau das haben Forster und Bäumler auch in den schweren Monaten nach der Diagnose getan. Mit der Konzentration auf den lyrischen und musikalischen Kern fährt der Australier im inzwischen siebten Lebensjahrzehnt überaus gut. Auch, wenn er in der Folge zu längeren Erzählungen ausholt.

In "Tender years" blickt er zurück, ohnehin ist die Betrachtung der Vergangenheit ein, wenn nicht das große Thema des Albums. "Time is important / Timing is more important / Without it a story can end", erkennt er dort und erinnert sich an jene Tage, in denen er Karin Bäumler kennen und lieben lernte. Es ist eine Liebe, die bis heute anhält, und fast ein wenig verwundert und wohl auch beseelt stellt er fest: "See how far we've come." Das Tempo des Älterwerdens, die Erkenntnis der Vergänglichkeit – das thematisiert er in "I don't do drugs I do time", wenn er verblüfft berichtet: "Feel the changes in my mind / I'm walking to school in '69 / The next day I'm 35." Die Zeit verrinnt, für jede und jeden, unerbittlich; auch für Robert Forster, der zum Zeitpunkt des Textens seinen 70. Geburtstag schon deutlich im Blick hat. Zum Abschluss reist er in seine Kindheit zurück und erkennt: "Raised by mother raised by dad / Raised by my brother in the harmony that we had / I was never lonely and I was never sad / I was never lonely." Kitsch? Nein: family first!

Endgültig zu einer echten Familienangelegenheit wird "The candle and the flame" übrigens dadurch, dass auch Sohn Louis und Tochter Loretta Forster daran mitwirken. Louis hat als Sänger, Gitarrist und Bassist bei seiner eigenen, jüngst aufgelösten, Band The Goon Sax längst seine eigene musikalische Stimme gefunden, und Vater Robert empfand gerade sein Mitwirken als eine Art Geschenk, wie er in einem Interview kundtat. Wer das begleitende Video zu "She's a fighter" in seiner erfrischenden Schlichtheit konsumiert, wird rasch erkennen, wie wichtig die Familienbande in schwierigen Phasen sein kann. Dass kurz vor der Veröffentlichung durchsickerte, dass es Bäumler inzwischen deutlich besser gehen soll, ist eine wirklich schöne Nachricht und versüßt den Genuss dieses stillen, intimen Albums noch einmal mehr.

(Torben Rosenbohm)

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Highlights

  • It's only poison
  • I don't do drugs I do time
  • When I was a young man

Tracklist

  1. She's a fighter
  2. Tender years
  3. It's only poison
  4. The roads
  5. I don't do drugs I do time
  6. Always
  7. There's a reason to live
  8. Go free
  9. When I was a young man

Gesamtspielzeit: 37:02 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag

Pepe

Postings: 399

Registriert seit 14.06.2013

2023-01-25 15:47:55 Uhr
Kann doch mal passieren. Und die ursprüngliche 6/10 - Bewertung hätte mich und wahrscheinlich auch alle anderen, die Robert Forster kennen, trotzdem nicht davon abgehalten, in das Album hinein zu hören.

Armin

Plattentests.de-Chef

Postings: 23822

Registriert seit 08.01.2012

2023-01-25 13:01:18 Uhr - Newsbeitrag
Hier ist uns leider ein Fehler bei der Bewertung unterlaufen. Korrekt ist die 7/10.

Pepe

Postings: 399

Registriert seit 14.06.2013

2023-01-23 23:43:43 Uhr
Das tolle Tender Years nicht bei den Highlights? Dann wird das Album von mir bestimmt eine bessere Bewertung bekommen.

Armin

Plattentests.de-Chef

Postings: 23822

Registriert seit 08.01.2012

2023-01-23 21:01:55 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert.

Meinungen?


Herr

Postings: 1746

Registriert seit 17.08.2013

2022-12-21 14:31:45 Uhr
Dazu so ein witziges, uneitles Video!
Zum kompletten Thread

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