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Complete Mountain Almanac - Complete Mountain Almanac

Complete Mountain Almanac- Complete Mountain Almanac

Bella Union / PIAS / Rough Trade
VÖ: 27.01.2023

Unsere Bewertung: 8/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Frühling, Sommer, Herbst und Angst

Manchmal gibt es sie: diese Alben, die einem im Mahlstrom der Veröffentlichungen entgegenkommen und die man vielleicht im falschen Moment oder mit der zu wenig angemessenen Konzentration wahrnimmt und rasch übergeht. Das Debüt von Complete Mountain Almanac ist so ein Fall, diese Zusammenarbeit von Rebekka Karijord und dem Geschwistertrio Jessica, Aaron und Bryce Dessner. Zwölf Songs, auf den ersten Blick wenig kreative Titel, zurückhaltende Instrumentierung: Es ist nicht ausgeschlossen, dass dieses Album tatsächlich an einem vorbeifließt. Nur: Was wäre das für ein Fehler!

Eigentlich, und so beginnen ja oft genug die großen Geschichten, sollte "Complete Mountain Almanac" im weitesten Sinne ein Album über die Erde und den Kreislauf der Dinge im Angesicht des Klimawandels werden, chronologisch schlicht nach dem Kalender angeordnet. Doch mitten im Entstehungsprozess der zwölf Stücke senkte sich ein Schatten über das ganze Unterfangen, als sich Jessica mit einer Brustkrebs-Diagnose konfrontiert sah. Und so stand nicht mehr nur der natürliche Heilungsprozess der ganzen Welt, sondern eben auch ihr höchst eigener im Mittelpunkt. Einerseits der Blick aufs Universum, andererseits der auf das zerbrechliche Individuum, das dem möglichen Tod ins Auge blickt: ein Unterfangen, an dem man sich auch verschlucken könnte. Aber: Genau das passiert hier nicht. Und so ziehen einen die Klangbilder tief in sich hinein, die Stücke lassen immer wieder aufhorchen und eintauchen. Sie entwickeln einen wahren Sog, sie begeistern nicht nur, sie berühren. Und was kann Musik denn mehr erreichen?

Im famosen Opener "January" klingt unmittelbar das Thema Krankheit an. "I'm leaving the terrestrial body / Gathered around the notorious void / A feeling in which I live / What necessitates / These drifting shapes / Of illness", heißt es hier, zaghaft fragend. Immer wieder gibt es einen Blick in und auf die Natur, untermalt von purer musikalischer Schönheit, die in Songs wie "June" ihre größte Strahlkraft entwickelt. "I am fine / To be broken", lautet eine Zeile in "September", bevor in "December" entschlüsselt wird, was eigentlich ein vollständiges Leben ausmacht: "Birth, old age, sickness, death / Four seasons / Live all four of these / And you can say you lived." Und wenn sich die unverblümte Frage "Will I become an old woman?" ins Gehör einschleicht, möchte man entschlossen ausrufen: Ja! Unbedingt!

Voll und ganz in den Dienst der Sache stellen sich auf "Complete Mountain Almanac" derweil die beiden Brüder von Jessica: Aaron und Bryce. Es mag nicht bei jedem sofort klingeln angesichts der Namensnennung, allerdings sind die beiden wahrlich keine Unbekannten: Sie sind feste Mitglieder von The National. Doch statt möglicherweise ihre Präsenz in den Fokus zu rücken, halten sich beide entschlossen zurück und liefern mit ihrer dezenten Instrumentierung an der Seite ihrer Schwester und Karijord exakt die kleinen, aber feinen Zutaten, die das Album abrunden. Und an dessen Ende man sich kurz darüber ärgern könnte, dass ein Jahr nur zwölf Monate umfasst. Aber: Auf den Dezember folgt verlässlich der Januar, und so lässt sich dieses wundervolle Klangpanorama vortrefflich auf Dauerschleife stellen. Zu jeder Jahreszeit.

(Torben Rosenbohm)

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Highlights

  • January
  • April
  • June
  • November

Tracklist

  1. January
  2. February
  3. March
  4. April
  5. May
  6. June
  7. July
  8. August
  9. September
  10. October
  11. November
  12. December

Gesamtspielzeit: 46:35 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag

Grizzly Adams

Postings: 3167

Registriert seit 22.08.2019

2023-02-01 19:59:21 Uhr
So. Läuft grad. Bin zwar erst bei „March“, aber das ist schon was Schönes, was die Dessner-Geschwister mit Unterstützung da hingelegt haben. Wusste gar nicht, dass es zum Brüderpaar auch noch eine Schwester gibt. Ich google aber auch nicht alles, das nur zu meiner Entschuldigung …;-)
Frage: Geht es nur mir so oder höre ich bei den Klängen der ersten Songs auch eine starke Affinität zum keltischen/irischen Folk heraus?

MartinS

Plattentests.de-Mitarbeiter

Postings: 1184

Registriert seit 31.10.2013

2023-01-31 17:24:18 Uhr
Mich interessierts auch und ich hab das Album auch schon gehört. Klausens Beschreibung trifft es halt auf den Kopf - Schönes und unaufgeregtes Album das jetzt nicht unbedingt zu hitzigen Diskussionen animieren wird. Ich mags und es wird auch öfter mal laufen.

Gomes21

Postings: 4284

Registriert seit 20.06.2013

2023-01-31 16:12:06 Uhr
Ist auch weiterhin in meiner Liste noch gehört zu werden. Gerade die falsche Zeit dafür.

Grizzly Adams

Postings: 3167

Registriert seit 22.08.2019

2023-01-31 15:12:08 Uhr
Interessiert mich durchaus, hab aber noch nicht reinhören können. Hole ich alsbald nach.

Klaus

Postings: 6458

Registriert seit 22.08.2019

2023-01-31 14:29:53 Uhr
Wie das hier wieder niemanden interessiert, weil nicht direkt "The National" draufsteht. :D

Schönes, unaufgeregtes Folk-Album (und ich höre sonst kaum Folk). Gute Melodien, passender durchgängiger "Vibe".
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