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Obituary - Dying of everything

Obituary- Dying of everything

Relapse / Membran
VÖ: 13.01.2023

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 6/10

Die Walze walzt

Darf man dieses Album als Comeback bezeichnen? Immerhin ist es gut sechs Jahre her, dass sich die US-Amerikaner von Obituary 2017 mit ihrem selbstbetitelten Werk letztmals aus dem Studio gemeldet hatten. Andererseits ist aber auch zu konstatieren: Obituary waren nie ganz fort. Das Quintett aus Florida zählt seit seinen Anfängen zu den Größen des puren Death Metal und kann inzwischen auf eine fast 40-jährige Historie zurückblicken. Angesichts dessen ist es wiederum erstaunlich, dass "The dying of everything" erst das elfte Studioalbum markiert. Um es vorab auf den Punkt zu bringen: Wer sich auf die Angelegenheit einlässt, wird mit 45 Minuten roher Energie beschenkt. Was hätte man auch anderes von dieser Band erwarten dürfen?

"The dying of everything" ist eine verlässliche Walze aus gitarrenlastiger Wucht, zuweilen Höchsttempo-Schlagzeugarbeit und der unverkennbaren Stimme von Sänger und Gründungsmitglied John Tardy. Gleich der Opener "Barely alive" zieht einen unwiderstehlich hinein in die ganz besondere Magie von Obituary. Es ist eine Form der unterschwelligen Bösartigkeit, die jedem Ton implementiert ist und die vor allem von der unnachahmlichen Gesangskunst lebt. Wie Tardy, dessen Bruder Donald wie gewohnt das Drumkit verprügelt, aus höllischen Tiefen hervorsteigt und seine Texte ins Mikrofon speit, ist fürwahr großartig. Hier gibt es regelmäßig rechts und links schwungvoll etwas an und auf die Ohren, während man anerkennend Beifall klatscht. Die Walze walzt und hinterlässt plattes Land.

Viel Zeit hat sich die Band für dieses Album genommen und eine Menge Arbeit in die Produktion im eigenen Studio gesteckt. Ein kleines Kunststück ist ihnen dabei gelungen, denn einerseits klingen die zehn Tracks durchaus modern, erinnern aber gleichzeitig an Großtaten der ersten Jahre wie "The end complete" und "World demise". Längst unterscheiden sich die neueren Werke übrigens von jenen der Gründungstage, denn statt der einst herausgerotzten Wortfetzen mit nur schwer erkennbarem Zusammenhang setzt Tardy inzwischen auf komplette Texte. Ihrer charakteristischen Herangehensweise bleiben die fünf Musiker fast über die komplette Spielzeit treu: Sie reißen zwar auf der einen Seite auch mit markantem und wohlplatziertem Vollgas-Geballer mit, überzeugen aber insbesondere mit fast schon grooviger, dezent ausgebremst vorgetragener Härte. "My will to live" oder "Be warned" geben dafür gute Beispiele ab.

"The dying of everything" profitiert insgesamt auch davon, dass in der Besetzung von Obituary mittlerweile eine gewisse Beständigkeit eingekehrt ist. Seit der Gründung als Executioner 1984, der Umbenennung in Xecutioner 1987 und schließlich der Festlegung auf den heutigen Namen 1989 hat die Band einige personelle Wechsel durchlebt, seit rund einem Jahrzehnt aber stehen John Tardy, Trevor Peres, Kenny Andrews, Terry Butler und Donald Tardy für Obituary gerade und untermauern, dass weiterhin mit dieser Institution des Death Metal zu rechnen ist. Zuletzt wurde die Band soar als Support von Amon Amarth für eine große Tour gebucht – in Vergessenheit geraten sind die Herrschaften aus Florida trotz ihrer längeren Veröffentlichungspause also nicht. Und werden sie dank dieses Albums auch weiterhin nicht.

(Torben Rosenbohm)

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Highlights

  • Barely alive
  • By the dawn
  • Weaponize the hate

Tracklist

  1. Barely alive
  2. The wrong time
  3. Without a conscience
  4. War
  5. Dying of everything
  6. My will to live
  7. By the dawn
  8. Weaponize the hate
  9. Torn apart
  10. Be warned

Gesamtspielzeit: 44:58 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag

Hierkannmanparken

Postings: 253

Registriert seit 22.10.2021

2023-01-15 13:12:14 Uhr
Ja, unkomplizierter Spaß, Barely Alive ist auch echt ein Highlight.

Das im Review genannte "kleine Kunststück" des Sounds zwischen modern und oldschool kann ich unterschreiben. Mich spricht die Produktion an, weil sie nicht so klinisch daherkommt.

Hierkannmanparken

Postings: 253

Registriert seit 22.10.2021

2023-01-12 13:26:28 Uhr
Das Cover ist echt der Hammer, das schreit eigentlich nach der LP-Version

Herr Bohm

Postings: 7

Registriert seit 10.02.2022

2023-01-12 10:05:03 Uhr
Habe einen kurzen Blick in die Info zum Album geworfen: Mariusz Lewandowski hat das Cover gestaltet.
Der Künstler ist übrigens 2022 verstorben: https://www.metal-hammer.de/metal-cover-kuenstler-mariusz-lewandowski-verstorben-1956475/

Stulle

Postings: 1

Registriert seit 12.01.2023

2023-01-12 00:16:55 Uhr
...dachte das wäre von Beksiński (†). Kommt mir sehr ähnlich dessen Arbeiten vor.

Sloppy-Ray Hasselhoff

Postings: 964

Registriert seit 02.12.2019

2023-01-11 20:52:47 Uhr
Geniales Albumcover des polnischen Künstlers Mariusz Lewandowski.
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