Ryan Adams - Love is hell, pt. 2

Ryan Adams- Love is hell, pt. 2

Lost Highway / Mercury / Universal
VÖ: 08.12.2003

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Die zweite Geige

Das ist nun also "Love is hell, pt. 2". Die zweite Hälfte. Der kleine Bruder des beruhigenderweise grandios geratenen "Love is hell, pt. 1". Liebe ist die Hölle, und Ryan Adams singt sieben weitere Songs darüber. Reduziert aufs Wesentliche, ohne nennenswerten Lärm. Fein getupfter Folkrock, ein ferner Hauch von Country, manchmal beinahe jazzig duftende Arrangements. Americana is the word.

Adams zeigt auch hier nachdrücklich, daß es speziell das romantische Halbdunkel ist, in dem seine Melodien am schönsten wachsen. Wo die Texte Metaphern sprießen lassen und die Harmonien wie weiche Kissen sind. Zum Kuscheln und zum Ausheulen. "If the walls in the room could talk / I wonder to myself would they lie." Da, mitten in den erhabenen Klavierakkorden von "Please don't let me go", lauert Adams' weise Sanftheit, die nicht nur Mädels wie Wynona Rider an ihm begeisterte.

Anderswo borgt er sich schon mal die Emphase von "Hotel Chelsea nights" von Prince, die Twangs und Jangles von "City rain, city streets" von Johnny Marr oder gleich die ganze Marianne Faithfull für "English girls approximately". Zwischen den Reflektionen über seine Zeit in New York leuchten neben dem wehmütigen "My blue Manhattan" allerdings eher die nackten Gitarren von "I see monsters" oder die ergreifende Geschichte der gutherzigen Louise. Die nämlich spendiert auch schon mal im Supermarkt einen Dollar, wenn man zu wenig Kleingeld dabei hat. Und ist doch den gleichen privaten Tragödien ausgeliefert, wie wir alle. Irgend jemand hat da wohl reichlich Paul Auster gelesen.

Doch manchmal fehlt "Love is hell, pt. 2" die Konsequenz, die die erste Hälfte so unter die Haut gehen läßt. Zuviel Nettigkeit, zu harmlos all die Gründe für die Seufzer. Und plötzlich macht es ein ganz kleines bißchen Sinn, daß das zunächst zurückgestellte Gesamtkunstwerk "Love is hell" zweigeteilt zur Welt kommt. Denn bei aller Qualität liegen die neun nun nachgereichten Songs nicht immer auf Augenhöhe mit den emotionalen Kleinodien des ersten Teils. Wo dort in tiefsten seelischen Abgründen geforscht wurde, streift Adams hier nur sanft über die Wange der Geliebten. Das ist zwar genauso wunderschön anzuhören, aber nicht immer ebenso bewegend.

(Oliver Ding)

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Highlights

  • My blue Manhattan
  • Please don't let me go
  • I see monsters
  • Thank you Louise

Tracklist

  1. My blue Manhattan
  2. Please do not let me go
  3. City rain, city streets
  4. I see Monsters
  5. English girls approximately
  6. Thank you Louise
  7. Hotel Chelsea nights
  8. Fuck the universe
  9. Twice as bad as love

Gesamtspielzeit: 38:49 min.

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