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Tot - Ferien

Tot- Ferien

Spastic Fantastic / La Pochette Surprise / Broken Silence
VÖ: 11.11.2022

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Tatort Aldi

"Diese.Band.ist.tot." Toller Satz für die URL einer Facebook-Seite. Passt zudem wie Arsch auf Eimer, da diese ostfriesischen Punkrocker die Eigenschreibweise mit kleinem Initial bevorzugen. Pech, dass Plattentests.de solche typografischen Spitzfindigkeiten nicht mitmacht. (Dass dEUS und HEALTH uns regelmäßig ein hübsches Sümmchen überweisen und darum ihre Großbuchstaben behalten dürfen, ist übrigens eine infame Unterstellung. Und jetzt her mit der Kohle.) Krude Thesen sind bei uns trotzdem immer gern gesehen. Auch die: "Accused of overproducing their album, tot pleaded guilty." Was man natürlich im Verhältnis zum noch weitaus rudimentärer daherrumpelnden Debüt "Lieder vom Glück" verstehen sollte, denn wenn Tot "Ferien" machen, gibt es vor allem eins: auf die Fresse. Genauer gesagt auf die "vollgestopfte Schweinefresse" aller konsumgeilen Egoisten, die zu den breitbeinigen Holzfäller-Gitarren der tosenden Vorabsingle "Eichen", sagen wir, nicht allzu gut aussehen. Willkommen zur Albtraummelodie.

Denn anders als auf dem Cover leben Tot statt im Wolkenkuckucksheim in einer streng riechenden Bude über Aldi, wo allenfalls Billigbier und Boonekamp in die Tüte kommen. Bereits der Einstieg "Der Hund" hakt also drei der wichtigsten Insignien des Rotz-Punk ab, bis die Polizei die Überreste eines offenbar unbemerkt verblichenen Bewohners aufsammelt. Dazu spuckt Frontmann Jannes Ihnen so angewidert "Wer mich abkratzt, muss erbrechen / Die letzte Würde aberkannt" in den explosiven Songaufbau, dass man schnell sensibilisiert ist: An jeder Ecke warten innere Kündigung, geplatzte Lebensträume und konsequente Allesverweigerung. Aber auch mit großer Tiefenschärfe und Power an Hardcore, Grunge und räudigem Noise-Rock geschulte Riffs und Hooks. Der Call-and-response-Kracher "Leistung" kennt neben tiefster Verachtung für alle Overachiever auch "Get it on" von Turbonegro respektive "I just wanna have something to do" von den Ramones – und haut so saftig in die gleiche Kerbe, dass es eine Freude ist.

Der aufgepumpte Sound steht "Ferien" dabei ähnlich prima zu Gesicht wie eine weibliche zweite Stimme, die immer wieder unflätig in die Stücke pöbelt und genauso gut Nadine von Rauchen oder Krätze von Deutsche Laichen gehören könnte. "Ich bin gut informiert / Ich bin uniformiert / Ich bin desillusioniert / Ich bin nichts", knatscht sie im röhrenden "Sum" – nicht im ACAB-Sinne, sondern mit einem hämischen "Ich denke, also bin ich hier falsch" Richtung Influencer, was auch den lateinischen Songtitel erklärt. Und spätestens da hat man diese fast rührselig angepisste Platte liebgewonnen. Erst recht für die splitternden Twangs von "Sterne", den desolaten Singalong-Hit "Logik" und die kaum verpackte Nirvana-Referenz "In Blumen", die einem noch ein herzliches "Du bist wie die Tagesschau / Pünktlich, aber ich bin blau" mitgibt. Doch egal, wie versoffen und arbeitsscheu Tot sein mögen – für dieses musikalisch exquisite und textlich hundsgemeine Album gilt: Lieber heimlich schlau als unheimlich doof. Diese Band ist noch lange nicht am Ende.

(Thomas Pilgrim)

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Highlights

  • Der Hund
  • Eichen
  • Sum
  • Logik

Tracklist

  1. Der Hund
  2. Eichen
  3. Sum
  4. Leistung
  5. Ferien
  6. Sterne
  7. Logik
  8. In Blumen
  9. Gold
  10. Fiesta

Gesamtspielzeit: 32:35 min.

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User Beitrag

Armin

Plattentests.de-Chef

Postings: 26580

Registriert seit 08.01.2012

2022-12-11 18:19:38 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert.

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