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Thees Uhlmann & Band - 100.000 Songs live in Hamburg

Thees Uhlmann & Band- 100.000 Songs live in Hamburg

Grand Hotel van Cleef / Indigo
VÖ: 02.12.2022

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Der Boss von der Feldstraße

20 Jahre! Eine Schnapsidee, wie Thees Uhlmann und Marcus Wiebusch die Gründung ihres Hamburger Labels Grand Hotel Van Cleef gern nennen, trägt sich bereits über mehr als zwei Jahrzehnte. Ein solches Jubiläum ringt Plattentests.de natürlich mehr als nur den einen fetten Glückwunsch aus dem gläsernen Redaktionshaus ab. Was Uhlmann und seine Label-Mitmacher über all die Jahre seit 2002 auf dem Boden hielt, ist bei aller Arbeit und Mühe vor allem die Freundschaft. Und eine zumindest angetäuschte, sympathische Unprofessionalität – das Bodenständige, die nordisch-trockene Selbstironie. Uhlmann trägt sein Herz eh auf der Zunge, und vor allem teilt er seine Leidenschaft für Musik und Popkultur mit jedem, der es (nicht) wissen möchte. Das mag manchmal auch nerdig-aufdringlich wirken, aber, liebe Leser*innen, der Uhlmann ist einer von uns: nicht nur Künstler, sondern auch und vor allem Fan.

Der ehemalige Tomte-Kopf ist auch einer, der einfach mal macht. Einen Song über den verstorbenen DJ Avicii für das letzte Studioalbum "Junkies und Scientologen" zum Beispiel, darauf musst Du erst einmal kommen. "Eine Live-Platte?!" – "Hatten wir länger nicht! Und schon mal garnich von mir!" könnte vermutlich das Kurztranskript einer solchen Bauchentscheidung lauten, die dazu führt, dass wir uns jetzt "100.000 Songs live in Hamburg" geben dürfen. Wenngleich das alles dann vor der Bühne und inmitten des ein oder anderen lauten Mitträllerns mehr Spaß macht, lautet das Urteil über jenes beinah zweistündige Konzert-Zeugnis aus dem Jahr 2019: Kann man gern mal so machen! Zumal das Album quasi als Best Of in Live-Form durchgeht.

Wer dem in Berlin lebenden Wahl-Hamburger eher wenig abgewinnen kann, oder die alte Tomte-Zeit sehr vermisst, kann diese Platte womöglich auslassen. Wobei! Bei jedem Konzert des Blondschopfs gibt es ein paar Tomte-Songs aufs Ohr. Deutschsprachige Manifeste wie "Schreit den Namen meiner Mutter", "Korn & Sprite", das wunderbare "Ich sang die ganze Zeit von Dir" oder "Die Schönheit der Chance", diese funkelnde Ode an das Leben, sind und bleiben auch mit einigen Lenzen auf dem Buckel großartig. Allerdings machen es diese Stücke den übrigen Songs, also jenen, seit Uhlmann solo unterwegs ist, durchaus nicht immer einfach. Diesem Livealbum jedoch bricht das nicht das Genick. Denn ohne Zweifel haben sich in der letzten Dekade einige Hits in unsere Lauscher geschlichen, die im Langzeittest dort haften geblieben sind. Die herrliche alltägliche Sozialstudie "Das Mädchen von Kasse 2" etwa, sicherlich ein Live-Favorit der Uhlmann-Ultras. Oder die erste Solo-Auskopplung "Vom Laichen und Sterben ziehen die Lachse den Fluss hinauf" vom 2011er-Debüt, ein treibender Ohrwurm erster Güte.

Thees' Band ist sowieso immer auf Zack, freut sich hörbar, wenn sie zwischen den wie immer süffig-eleganten Anekdoten ihres "Bosses" dessen E-Street-Band mimen darf, zum Beispiel wenn das Kollektiv im tollen "Danke für die Angst" Stephen King huldigt. Und wenn mal wirklich der Rock'n'Roll ausgepackt werden kann, wie bei "Katy Grayson Perry" oder "Lat: 53.7 Lon: 9.11667", der Hymne für Thees' Heimatdorf. Das Publikum in der alt-ehrwürdigen (und vor dem Impf-Geschwurbel noch regelmäßig gebuchten) Großen Freiheit 36 zu St. Pauli freut sich sowieso lautstark den Ast ab, zumal Uhlmann mit dem großartigen "17 Worte" auch die Liebeserklärung an das Leben, das Viertel und den FC St. Pauli nicht vergisst. Wer "100.000 Songs live in Hamburg" hört, bekommt Lust auf Konzerte und Festivals, auf den Sommer, das Leben. Das sollte auch nach über 20 Jahren Kompliment genug sein.

(Eric Meyer)

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Highlights

  • Das Mädchen von Kasse 2
  • Ich sang die ganze Zeit von Dir
  • 17 Worte
  • Zum Laichen und Sterben ziehen die Lachse den Fluss hinauf
  • Schreit den Namen meiner Mutter
  • Die Schönheit der Chance

Tracklist

  • CD 1
    1. Fünf Jahre nicht gesungen
    2. Danke für die Angst
    3. Die Toten auf dem Rücksitz
    4. Zugvögel
    5. & Jay-Z singt uns ein Lied
    6. Das Mädchen von Kasse 2
    7. Ich bin der Fahrer, der die Frauen nach HipHop-Videodrehs nach Hause fährt
    8. Was wird aus Hannover?
    9. Ich sang die ganze Zeit von Dir
    10. Lat: 53.7 Lon: 9.11667
    11. 100.000 Songs
  • CD 2
    1. 17 Worte
    2. Ein Satellit sendet leise
    3. Junkies und Scientologen
    4. Katy Grayson Perry
    5. Vom Delta bis zur Quelle
    6. Zum Laichen und Sterben ziehen die Lachse den Fluss hinauf
    7. Korn & Sprite
    8. Schreit den Namen meiner Mutter
    9. Avicii
    10. Römer am Ende Roms
    11. Die Nacht war kurz (ich stehe früh auf)
    12. Die Schönheit der Chance

Gesamtspielzeit: 117:11 min.

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User Beitrag

Watchful_Eye

User

Postings: 2799

Registriert seit 13.06.2013

2022-12-15 19:18:50 Uhr
Ich wette, da sind gar keine 100.000 Songs drauf. Betrug!

Roger Klotz

Postings: 1

Registriert seit 15.12.2022

2022-12-15 19:12:55 Uhr
Gute Platte. Nur eine Info ist leider falsch: Thees Uhlmann hat schon ein Live-Album veröffentlicht. Auf der Special Edition von #2 (dem zweiten Album) ist ein Live-Mitschnitt auf CD2.

Armin

Plattentests.de-Chef

Postings: 26928

Registriert seit 08.01.2012

2022-12-11 18:17:58 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert.

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