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Pale - The night, the dawn and what remains

Pale- The night, the dawn and what remains

Grand Hotel van Cleef / The Orchard / Indigo
VÖ: 25.11.2022

Unsere Bewertung: 8/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Four to eternity

Eine halbwegs passende Klammer für einen Text über Musik zu finden, ist für einen mittelbegabten Schreiber oft eine Krux. Bei diesem Album jedoch fällt der Aufhänger leicht – und zugleich wiegt er bleischwer. Denn "The night, the dawn and what remains" markiert den endgültigen Abschied von Pale. Neue Songs, dazu unverhoffte, weil ausgegrabene und neu arrangierte Stücke aus der absoluten Frühphase der Aachener Lieblingsband sind eigentlich ein Grund zum inneren Sackhüpfen. Doch wie es meistens so ist, wenn das Leben und seine unvorhersehbaren Wellen nach oben, unten und kopfüber mit Dir Achterbahn fahren: Es liegt in einem dunklen Schicksalsschlag begründet, dass The Pale Four sich musikalisch wiederfanden. Sogar einem doppelten.

Längst war Schluss, eigentlich schon im Jahr 2009. Im Spätsommer 2012 schmissen Pale eine letzte große, Konzert gewordene Abschiedsparty auf der heimischen Burg Wilhelmstein. Schöner und emotionaler konnte es nicht mehr werden. Im November 2019 erhalten Gitarrist Christian Dang-anh und Schlagzeuger Stephan Kochs von ihren Ärzten Diagnosen, die keinen Spielraum bieten. Es ist sehr ernst. Über den Schock der Vergänglichkeit findet das Quartett tolle Erinnerungen und damit die gemeinsame Musik wieder. Philipp Breuer, 1996 bereits ausgestiegen, schleppt das allererste Demo aus den frühen Neunzigern an – es soll der erste Funke sein, das Leben als Band ein letztes Mal zu feiern. Schlagzeuger Stephan Kochs muss jedoch umgehend passen, sein Kampf ums Überleben lässt die Pläne nicht zu. Christian Dang-anh erliegt dem Krebs im Mai 2021.

Einmal tief schlucken. Denn es gibt auch etwas Schönes: die Musik. Denn trotz und wegen Allem erscheint nun "The night, the dawn and what remains" und bringt uns zum Tanzen, Hüpfen und Schwelgen. Denn The Pale Four, wie sich die Aachener selbst bezeichnen, klingen frisch wie vor zwei Dekaden zu Zeiten eines "How to survive chance". "Tonight (we can be everything)" packt mit seiner Mixtur aus Indie-Rock und leichtem Emo-Scheitel mit beiden Armen an die Hüften und positioniert einen dieser melodieverliebten Pale-Refrains im Nacken, den man nur schwer wieder los wird. Das knackige und zugleich opulent arrangierte "New York" holt mit Streichern und Glöckchen zur großen Pop-Geste aus, doch auch im hymnischen Schönklang waren Pale immer schon zu Hause. "All the good good things" kommt als einer dieser feinen, forsch-fluffigen Songs um die Ecke, wie diese Band sie reihenweise aus den Ärmeln schüttelt(e).

"Man of 20 lives" ist ein Stück vom jüngeren für den älteren der Kochs-Brüder. Holger Kochs' Stimme klingt nicht nur hier noch immer fantastisch. Der berührende Abschied von Dang-anh beschließt die A-Seite und heißt "Bigger than life". Doch hier greifen Pale nicht zur traurigen Ballade, sondern zu einem vor flirrenden Gitarren, Klavier und Bläsern pulsierenden Popsong. Diese Platte wirkt, auch weil diese zehn Indie-Perlen vor Gefasstheit, Gelassenheit und auch vor Freude nur so sprühen. Das positive "Someday you will know" animiert final dann nochmals zu Tränchen: "It's the last song of a band / That already played its final show / But we were in this together." Und nun fühlt der Schreiber sich bewegt, diese abgestandenen Worte zu entstauben, die er sonst im Regal lassen würde. Weil sie hier treffend sind: Musik verbindet. Auf ewig.

(Eric Meyer)

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Highlights

  • Tonight (we can be everything)
  • New York
  • Bigger than life
  • Someday you will know

Tracklist

  1. Wherever you will go
  2. Tonight (we can be everything)
  3. New York
  4. Man of 20 lives
  5. Bigger than life
  6. All the good good things
  7. Still you feel
  8. 500 songs
  9. Wake up!
  10. Someday you will know

Gesamtspielzeit: 37:07 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag

didz

Postings: 1411

Registriert seit 29.06.2017

2022-11-29 08:40:29 Uhr
und ich weiss auch nich wo man da college-rock hört...das was ganz anderes als das hier

jo

Postings: 4160

Registriert seit 13.06.2013

2022-11-29 08:39:21 Uhr
Wunderbar. Zweimal widerlegt sollte reichen ;).

didz

Postings: 1411

Registriert seit 29.06.2017

2022-11-29 08:36:46 Uhr
und ich hab die band erst mit 'brothers! sisters! bores!' kennengelernt ;-)

jo

Postings: 4160

Registriert seit 13.06.2013

2022-11-28 22:42:42 Uhr
Um das heute noch zu mögen, muss man die Band wohl früher geliebt haben.

Nein, früher "gemocht" haben reicht vollkommen aus ;).

fakeboy

Postings: 3146

Registriert seit 21.08.2019

2022-11-28 22:02:25 Uhr
Um das heute noch zu mögen, muss man die Band wohl früher geliebt haben. Für mich hört sich das einfach nach nettem, sehr braven Indie-Rock an, bei dem unverständlicherweise auch noch die Gitarren viel zu weit nach hinten gemischt wurden. Mehr als ne 5/10 ist das eher nicht.
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  • Pale (13 Beiträge / Letzter am 19.05.2021 - 18:56 Uhr)

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