Project Pitchfork - Live 2003/2001

Project Pitchfork- Live 2003/2001

Candyland / WEA / Warner
VÖ: 03.11.2003

Unsere Bewertung: 4/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Lampenfieber

Deutschlands liebste Düsterelektrorocktheatraliker haben jetzt also auch ein offizielles Livealbum. Project Pitchfork sparen dabei wie üblich weder mit überladener Symbolik noch mit finsteren Hymnen. Und wer es nach dem Genuß von schlaffen Studioalben wie "Inferno" noch nicht ahnte, weiß spätestens seit "Live 2003/2001", daß Peter Spilles nicht für fünf Cent singen kann. Seinem Publikum ist das naturgemäß egal. Und wer derart textsicher ist, hört sowieso lieber sich selber zu als dem geschminkten Kehlkopfkatarrh im Bühnennebel.

Auch die Band tut ihr möglichstes, um von Spilles vokalen Unzulänglichkeiten abzulenken. Da wird technoid gebollert, grimmig gerifft und mit standesgemäß wabernden Synthesizerflächen um sich geworfen. Hauptsache Klischee erfüllt. Und mit den vielen blitzenden Lichtchen auf der Bühne auch bestimmt verdammt eindrucksvoll. Sieht man ja im auf Hochglanz polierten Booklet.

Doch Musik hat eben nicht nur mit dem Gucken zu tun. Leider, leider gehört das Hören auch dazu. Wenn Spilles Gekrächze dann in "Terra incognita" nach einem magenkranken Phillip Boa aus der Mittneunziger-Phase klingt, in "The spoken mirror" die entfernte Ahnung einer kranken Gitarre fast unbemerkt vorbeihuscht oder Klassiker wie "Io" oder "I live your dream" immerhin halbwegs erträglich heruntergeleiert werden, treibt es einem die Tränen in die Augen. Wie beim Schneiden einer akustischen Zwiebel. Dabei waren das sogar schon die Highlights. Denn wer auf der Bühne trotz echtem Schlagwerker und handfester Saitenarbeit lediglich die eigene Stumpfheit zu zelebrieren in der Lage ist, gehört eigentlich bei Wasser und Brot ins Studio eingesperrt. Doch die Zielgruppe wird das alles selbstredend vergöttern. Ist ja von Project Pitchfork. Ob sich Deine depressive Cousine mit der netten Fledermaus auf der Schulter über diese Scheibe unterm Weihnachtsbaum freuen würde, darf aber dennoch bezweifelt werden.

(Oliver Ding)

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Highlights

  • I live your dream

Tracklist

  1. Timekiller
  2. God wrote
  3. Trialog
  4. Inferno
  5. Awakening
  6. Terra incognita
  7. The spoken mirror
  8. Entity
  9. Io
  10. I live your dream
  11. Die Schlange
  12. Existence
  13. KNKA

Gesamtspielzeit: 67:32 min.

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