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Nessa Barrett - Young forever

Nessa Barrett- Young forever

Warner
VÖ: 28.10.2022

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 4/10

Tik, Tok und Track

Hier könnte jetzt eine Alphaville-Anspielung stehen. Oder irgendwas über Bushido und Karel Gott. Das würde aber ziemlich sicher niemand aus der Zielgruppe der jungen US-Amerikanerin Nessa Barrett verstehen. Die ist in den letzten Jahren nämlich vor allem über die Videoplattform TikTok bekannt geworden und scheint es mit der Musikkarriere trotzdem ernst zu meinen. Nach ihrer 2021er-EP "Pretty poison" folgt mit "Young forever" das Debütalbum. Und damit eines der besseren Pop-Releases der Gen Z.

Dass ihr ein Major-Label bei ihren Social-Media-Reichweiten alle wichtigen Türen öffnet, um ein glänzendes Produkt abzuliefern, liegt in der Natur moderner Strukturen. Und trotzdem schafft "Young forever" das Kunststück, sich nicht einfach wie ein Fabrikat anzufühlen. Essentiell sind dafür die persönlichen Geschichten, die Barrett mit ihrem Team in schmeichelnde Produktionen einwebt. Die Künstlerin Jahrgang 2002 genießt den Ruf, sehr authentisch zu sein, und hat immer wieder offen von ihren psychischen Problem berichtet. Und auch der Tod eines ihrer besten Freunde, Cooper Noriega, schwebt wie ein dunkler Schatten über dem Release. Das Debütalbum von Janesa Jaida "Nessa" Barrett ist ein emotionales Pop-Schwergewicht, das einem auch auf der Brust liegen kann, ohne dass man eine 20 Jahre alte junge Frau ist: Teenage Angst spricht eine universell verständliche Sprache.

Eine ganz ähnliche Sprache sprechen Anfang der 2020er-Jahre auch Olivia Rodrigo und Billie Eilish, wobei Barrett sich trotz Verbindungen zu Travis Barker weder so sehr dem Punk-Pop verschreibt wie erstere, noch die clevere Experimentierfreudigkeit eines "Happier than ever" an den Tag legt. Ihre Songs sind wegen ihrer Geradlinigkeit bestechend, wenn sie singt: "I'm so tired of California, I'm so tired of LA / Where the real thing comes as often as the California rain", und am Ende ein Kinderchor an P.O.D.s "Youth of the nation" erinnert. Besonders schön schunkelt "Talk to myself" auf einen Refrain mit E-Gitarren hin, während Barrett dem Selbsthass eine Hymne schmettert. An schlechten Tagen wird das Partyspiel "Fuckmarrykill" überraschend zur depressiven Verweigerung: "Fuck life, marry my bed / Kill the voices in my head." An guten Tagen wird trotzig der Selbstwert gefeiert: "Cause I'm too hot to cry / Got my makeup done just right / It's a waste of mascara, it's a waste of my time, not tonight."

"Die first" dreht kurz vor Schluss den Pathosregler noch einmal ganz weit nach oben, wenn Barrett ganz egoistisch lieber vor ihrer Mutter sterben möchte, als mit ihrem Tod umgehen zu müssen. Das fühlt sich dramatisch an, das ist für manche vielleicht schon eine Stufe zu hoch und fällt deshalb für sie in sich zusammen. Doch diese Ganz-oder-gar-nicht-Haltung, diese Blaue Blume, diese Überlebensgröße macht Alben wie "Young forever" aus und ist damit dafür gemacht, dass andere junge Menschen sich identifizieren und verstanden fühlen können. Und für alle anderen gibt es ja immer noch Alphaville, Karel Gott und Bushido.

(Arne Lehrke)

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Highlights

  • Tired of California
  • Talk to myself
  • Too hot to cry

Tracklist

  1. Tired of California
  2. Gaslight
  3. Talk to myself
  4. Fuckmarrykill
  5. Dear God
  6. Forgive the world
  7. Too hot to cry
  8. Madhouse
  9. Unnecessary violence
  10. Lovebomb
  11. Decay
  12. Die first
  13. Lucky star

Gesamtspielzeit: 35:54 min.

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User Beitrag

MasterOfDisaster69

Postings: 934

Registriert seit 19.05.2014

2022-11-04 00:01:54 Uhr
unnoetig, es gibt doch Lana Del Rey...

Armin

Plattentests.de-Chef

Postings: 26138

Registriert seit 08.01.2012

2022-11-02 21:19:49 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert.

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