Deine Lakaien - In concert 2002

Deine Lakaien- In concert 2002

Chrom / Columbia / Sony
VÖ: 03.11.2003

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Durch den Spiegel

Welch Vorlage für Uneingeweihte! Das bereits dritte Livealbum irgendeiner Gothic-Combo. Da passiert doch eh nichts. Ein paar Schwarzkittel stehen mitten im Bühnennebel hinter ihren Synthesizern, und niemand bewegt sich. Aber Deine Lakaien sind eben anders. War "Dark star live" 1992 schon der innovative Beweis, daß sich vermeintlich rigide Elektronik organisch begreifbar machen läßt, ging "Acoustic" 1995 noch einen Schritt weiter: Von jeglicher Synthetik befreit gingen Alexander Veljanovs sonore Stimme und Ernst Horns weitläufige Klavieretüden mitten durchs dunkle Gemüt. Da hörten plötzlich auch Nichtgotiker auf.

"In concert 2002" nun versucht sich am bisher umfassendsten Live-Abbild der Lakaien: die elektronische, die klassizistisch-akustische und die, ja, tatsächlich dezent rockende Variante. Nachdem das kammermusikalische "White lies" Anfang 2002 für Faszination sorgte, inszenierte das Duo seine zweistündigen Shows mit Hilfe von E-Gitarre, Cello und Geigen in drei Blöcken, die die Dreifaltigkeit des Lakaien-Sounds wiederspiegeln sollten.

Am Anfang des auch für den parallelen DVD-Release aufgezeichneten Postdamer Konzerts fließen daher die Elektronen in eigentümlichen Bahnen, um "Color-ize" oder "Generators" in kristallines Schwarz zu tauchen. Bald versinkt Horn über seinem Piano und malträtiert dessen Saiten, während sich Veljanovs melancholietrunkener Bariton dem Moll widmet. Gerade in abgespeckten Versionen von Songs wie "Return" oder dem besinnlichen "Where you are" deutet die Band ihre Wandlungsfähigkeit mehr als nur an. So steigern sich der akustische Irrsinn von "The mirror men" und das unsterbliche "Love me to the end" schon in der Mitte der Dramaturgie mit Nachdruck zu ihrem tatsächlichen Höhepunkt.

Doch trotz Veljanovs mitunter befremdlicher Redseligkeit bewahren Deine Lakaien diese stimmige Atmosphäre im ganzen Set. Der manchmal etwas stumpfe Sound fügt der sonstigen Brillanz zwar ein paar Dellen zu, aber die tun der erlebten Intensität keinen Abbruch. Seien es alte Brecher wie "Dark star", Verträumtheiten wie "Don't wake me up" oder gar leider etwas verkorkste Evergreens wie "Reincarnation". Die angemesse Würde, die Deine Lakaien weiterhin von fast allen Dunkelmuckern abhebt, geht nie verloren.

(Oliver Ding)

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Highlights

  • Color-ize
  • Where you are
  • The mirror men
  • Love me to the end
  • Don't wake me up

Tracklist

  1. CD 1: Colour-ize
  2. Generators
  3. Kiss the future
  4. In the chains of
  5. Where you are
  6. Return
  7. Wunderbar
  8. The mirror men
  9. Love me to the end
  10. CD 2: Silence in your eyes
  11. Manastir Baroue
  12. Kiss
  13. Don't wake me up
  14. Overpaid
  15. Cupid's disease
  16. Rain dance
  17. Dark star
  18. May be
  19. Reincarnation / Life is (a sexually transmitted disease)
  20. Sometimes
  21. Stupid
  22. The game (acoustic)

Gesamtspielzeit: 125:23 min.

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