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The Wonder Years - The hum goes on forever

The Wonder Years- The hum goes on forever

Hopeless / Soulfood
VÖ: 23.09.2022

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 6/10

Grüße aus dem Nirgendwo

Man nehme: ein wenig Schmachten in den beiden Strophen, einen markanten, zum Mitsingen gezuckerten Refrain, eine zierende Bridge und dann nach Belieben noch ein bis zwei weitere Refrain-Parts. Fertig ist der leckere Emo-Muffin. Die kleine Sünde für zwischendurch, oder so. Manchen ist es peinlich, eine latente Sucht nach eigentlich Ausgelutschtem entwickelt zu haben. Wieder andere brauchen Hymnen wie "Oldest daughter" oder "Low tide", brauchen dieses so herzliche Genre wie die warme Jacke an einem kalten Wintertag. Nüchtern-pragmatische Menschen würden das, was The Wonder Years auf mittlerweile sieben Langspielern bieten, wohl einfach griffige, melodische Rockmusik nennen. In den USA und auch in England ist die Truppe durchaus eine Hausnummer, aber spart auf ihrer 2022er-Tournee den großen Rest Europas mal wieder aus.

Womit The Wonder Years auf "The hum goes on forever" erneut nicht geizen, sind kleinere Paradestücke im Spektrum von Emo und Pop-infiziertem Punkrock. Eine ganze Handvoll davon hatte die Band, wie es in diesen Zeiten üblich ist, bereits vor Release auf Streaming-Portalen und YouTube unters Volk gebracht. Und immer dann, wenn ein neuer Song in eine Playlist geriet, musste man kurz nachschauen, ob es nicht der bereits bekannte Track war, dem man da lauschte. Es scheint, dass The Wonder Years ihren Stiefel gern selbstreferenziell herunterspielen. Doch was Anlass zur Kritik gäbe, ist gleichzeitig schon immer die Stärke des Sextetts aus den Staaten gewesen: Der Stiefel sitzt einfach zu gut. Das beginnt bereits an Position zwei der neuen Platte, wenn "Wyatt's song (Your name)" nach stampfender Strophe im Refrain das bisschen Menschlichkeit in der Welt, das noch übrig ist, in bittersüßer Melodie herzt. Ähnlich stark prescht "The Paris of nowhere" voran, ein kompakter, leicht zynischer Punkrock-Song über die in gewisser Weise auch romantische Einöde ihrer Heimat Pennsylvania.

Sänger Dan Campbell ist in der Zwischenzeit Vater geworden, und nicht von ungefähr versprüht der dem Nachwuchs gewidmete Closer nach ruhigem Beginn jede Menge passgenau dosierte Energie. Im Vergleich zum etwas zahmen, breitbeiniger aufgestellten "Sister cities" kehrt auf "The hum goes on forever" der Schmackes, der Staub und Dreck wieder zurück. Kaum verwunderlich angesichts der Pandemie und der aufgestauten Energie im Zuge der Aufnahmen. Im düsteren "Songs about death" ist das zum Beispiel der Fall. Oder bei "Old friends like lost teeth", das sich innerhalb des Spektrums ein wenig Richtung härterer Spielarten inklusive Shouts vorwagt. Am intensivsten klingt die Band anno 2022, wenn sie Momente der Ruhe mit intensiven Gitarren und den typischen, nach vorn gehenden Melodien für Millionen verbindet, wodurch "Cardinals II" zum Post-Punk-Sahnestück avanciert. "I fucked it all off", raunt Campbell gen Ende und hat damit stellvertretend für die Menschheit sicherlich vieles erfasst. Im Kontext dieses Albums jedoch liegt er glücklicherweise daneben.

(Eric Meyer)

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Highlights

  • Wyatt's song (Your name)
  • Cardinals II
  • Low tide
  • You're the reason why I don't want the world to end

Tracklist

  1. Doors I painted shut
  2. Wyatt's song (Your name)
  3. Oldest daughter
  4. Cardinals II
  5. The Paris of nowhere
  6. Summer clothes
  7. Lost it in the lights
  8. Songs about death
  9. Low tide
  10. Laura the beehive
  11. Old friends lost like teeth
  12. You're the reason why I don't want the world to end

Gesamtspielzeit: 44:22 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag

diggo

Postings: 140

Registriert seit 02.09.2016

2022-10-25 21:26:14 Uhr
Sehr gute Platte geworden. Nach dem doch sehr enttäuschenden Vorgänger endlich wieder auf dem Niveau von „No Closer To Heaven“. Jahreszeit auch gut getroffen - die perfekte Herbstplatte.

MartinS

Plattentests.de-Mitarbeiter

Postings: 1395

Registriert seit 31.10.2013

2022-10-24 18:51:17 Uhr
Die sind bei mir immer unter dem Radar gelaufen irgendwie. Bei Erics positivem Text und The Ataris als erster Referenz muss ich mir das mal genauer anhören. Die erwähnten Highlights gefallen mir schon mal ausgesprochen gut.

Armin

Plattentests.de-Chef

Postings: 26374

Registriert seit 08.01.2012

2022-10-19 21:20:13 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert.

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