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My Own Ghost - Shadow people

My Own Ghost- Shadow people

Massacre / Soulfood
VÖ: 14.10.2022

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Cyberpunk L.A.

Ist das die Stadt aus "Blade Runner" oder Night City, die Cyberpunk-Metropole aus dem dazugehörigen Computerspiel? Nicht so weit gefehlt: Das Cover zeigt eine Aufnahme von Los Angeles der Gegenwart. Die Stadt der Engel als Menetekel für das urbane Leben der Zukunft, in der die Menschen durch die allgemeine Lichterflut immer mehr Schatten werfen, während sie selbst ein zunehmendes Schattendasein fristen.

Um jene "Shadow people" beziehungsweise die dunklen Seiten des (zwischen-)menschlichen Daseins geht es auf dem dritten Album von My Own Ghost. Dabei verbreitet die Platte musikalisch gesehen allerdings keine düstere, nicht einmal unbedingt melancholische Stimmung. Sie setzt vielmehr durch einen Stilmix aus Hard Rock mit ausgeprägten Elektro-Pop-Elementen auf ein so unzerstörbares wie lebhaftes 80er-Jahre-Flair, das ohnehin ein (erneutes oder dauerhaftes?) Revival zu feiern scheint und dessen Beitrag zum Seelenfrieden in diesen krisengeschüttelten Zeiten umso willkommener ist.

Denn dadurch weist das lyrisch eigentlich nicht gerade frohmütige Album einen fast schon festlichen Charakter auf, wobei die Musik genug atmosphärische Tiefe besitzt, dass die drohenden Schatten im Hintergrund stets präsent bleiben. Es wirkt wie in jenen Cyberpunk-Dystopien, wo die mehr oder minder maskierten Massen, wirklichkeitsvergessen im pastellfarbenen Lichtermeer badend, kontrastiert werden von den zwischenmenschlichen Dramen aller Art, die sich in abgelegenen Gassen und Gegenden abspielen.

Schon die treibende Kraft von "Decadencity" wirft den Hörer mittens ins pulsierende Stadtzentrum, wo gleich um die nächste Ecke ein hausgroßes Hologramm der jungen Kim Wilde die Straßenschluchten mit "Jet black heartbreak" zu beschallen scheint. Es ist allerdings nicht Wilde, die hier singt, sondern Julie Rodesch, deren Stimme immer wieder unterschiedliche Klangfarben annimmt. Mal an Wilde, mal an Sharon den Adel und manchmal sogar an Kate Bush erinnernd, wie bei "Between now and the end".

Aber egal, in welcher Verkörperung die Sängerin auftritt, immer ist auch dank der spielfreudigen Rhythmusfraktion dafür gesorgt, dass dieser futuristische Städtetrip ein einprägsames und kurzweiliges Erlebnis ist. Das gilt selbst oder gerade auch dann, wenn verranzte Absteigen wie das "Black rose motel" besucht werden oder wie in "Number 2110" die Wertlosigkeit des eigenen Daseins im urbanen Moloch thematisiert wird. Die Luxemburger verstehen es nämlich, ihren strukturell recht einfach gehaltenen Songs genug Frische und Eingängigkeit mitzugeben, um potenzielle Besucher dazu anzuregen, mit zahlreichen weiteren Hits wie "Remember", "Shadow in your room" und "Dark river" im Ohr die ein oder andere Extrarunde um den Block zu drehen. Natürlich immer im Licht, die Dunkelheit meidend.

(André Schuder)

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Highlights

  • Decadencity
  • Jet black heartbreak
  • Number 2110
  • Dark river

Tracklist

  1. 10-97 downtown
  2. Decadencity
  3. Jet black heartbreak
  4. Between now and the end
  5. Regrets from the past
  6. Number 2110
  7. Remember
  8. Shadow in your room
  9. Black rose motel
  10. Home
  11. Dark river
  12. Somebody else's sky
  13. Nightdrive

Gesamtspielzeit: 44:12 min.

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Armin

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2022-10-19 21:19:13 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert.

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