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Stratovarius - Survive

Stratovarius- Survive

Ear / Edel
VÖ: 23.09.2022

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 5/10

Auferstanden aus Ruinen

Um die Jahrtausendwende befand sich Metal an sich in einer Art Sinnkrise. Die großen Helden des Genres wankten – Iron Maiden und Judas Priest mäanderten ohne ihre ikonischen Frontmänner Bruce Dickinson und Rob Halford eher lustlos durch neue Releases, Metallica benötigten gar einen Psychologen, und die Reste, die nicht vom Grunge und dessen späterer kommerzieller Ausschlachtung hinweg gefegt worden waren, sahen sich mit Nu Metal einem – im Nachhinein gottlob eher kurzlebigen – neuen Genre gegenüber. Es waren vor allem skandinavische Bands, die in der Zeit völlig unbeirrt – manche nennen es starrsinnig – ihr Ding durchzogen. In Schweden hauchte mit Hammerfall gar eine komplett neue Band dem Power Metal neues Leben ein, und aus Finnland füllten die schon seit den Achtzigern bestehenden Stratovarius die Lücke im Melodic Metal, die die zu der Zeit völlig orientierungslosen Helloween hinterlassen hatten. Alben wie "Visions" von 1997 und vor allem "Infinite" aus dem Jahr 2000 mit seinem Übersong "Hunting high and low" gelten bis heute als Genre-Klassiker.

Doch auch die Finnen blieben nicht frei von Rückschlägen, vor allem als der Bandgründer Timo Tolkki immer mehr einer psychischen Erkrankung Tribut zollen musste und schließlich gegen den Willen der übrigen Kollegen die Band für aufgelöst erklärte. Und während er sich in die damals längst bitter notwendige psychiatrische Behandlung begab und zwischenzeitlich unter dem Bandnamen Timo Tolkki's Avalon leidlich passable Hardrock-Alben veröffentlichte, rauften sich mit Keyboarder Jens Johansson und Sänger Timo Kotipelto die anderen Grundfesten des damaligen Erfolges weiter zusammen – mit eher überschaubaren Resultaten, aber immerhin. Wem kann man es also übel nehmen, wenn die Erwartung an das 17. Studioalbum namens "Survive" bestenfalls mit einem indifferenten Schulterzucken zusammengefasst wird, zumal das letzte Album "Eternal" 2015 zwar im Prinzip okay, aber eben gerade keine Platte für die Ewigkeit war?

Was nun auf "Survive" in einer knappen Stunde passiert, war so also nie und nimmer zu erwarten. Während der gleichnamige, recht ruppige Opener noch reichlich trotzig für Erstaunen sorgt, glänzt das folgende "Demand" durch einen großartigen Singalong-Refrain, der Melodic-Metal-Fans in Ekstase und Genre-Hasser in den Brechreiz zwingt. Auch das für die Skandinavier so typisch bombastisch-opernhaft beginnende "Broken" weiß spätestens nach dem famosen Gitarrensolo zu begeistern. Und dann ist da natürlich noch der Frontmann, der nach wie vor im Genre seinesgleichen sucht. Ja, auch Kotipelto wird nicht jünger und jubiliert dementsprechend nicht mehr in den allerhöchsten Tönen, vermag aber immer noch selbst einem eher harmlosen Liedchen wie "Firefly" oder dem arg herkömmlichen "We are not alone" genau das Quäntchen Seele einhauchen, das den Unterschied zur Dutzendware macht.

Denn im Unterschied zu vielen der Platten seit dem Ausstieg von Tolkki verlieren Stratovarius dieses Mal nicht den roten Faden, lassen das Album eben nicht mit zwar guten, aber austauschbaren Songs austrudeln. Vielmehr vermitteln die Finnen seit langem wieder einmal Spielfreude, angetrieben von den wuchtigen Riffs von Gitarrist Matias Kupiainen und den fluffigen Keyboard-Läufen von Jens Johansson. Und deswegen gelingt das Experiment, mit "Breakaway" eine Ballade relativ weit hinten in der Trackliste zu platzieren. Wozu Stratovarius in Bestform allerdings wirklich imstande sein können, zeigt der abschließende Longtrack "Voice of thunder" – elf Minuten, die nicht nur weit über Genre-Standards hinausgehen, sondern sich durch feine Musikalität und spannendes Songwriting auch tief in den Gefilden des Progressive Metal bewegt. Es gibt nicht mehr viele Bands, die diese hochvirtuose Spielart des Melodic Metal praktizieren. Und in der Tat in das Genre weitgehend auserzählt, bot lange keine echten Überraschungen mehr. Dass aber ausgerechnet eine Band wie Stratovarius mit ihrer wechselhaften Historie eine so starke Platte abliefert, damit war wahrlich nicht zu rechnen.

(Markus Bellmann)

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Highlights

  • Survive
  • Demand
  • Voice of thunder

Tracklist

  1. Survive
  2. Demand
  3. Broken
  4. Firefly
  5. We are not alone
  6. Frozen in time
  7. World on fire
  8. Glory days
  9. Breakaway
  10. Before the fall
  11. Voice of thunder

Gesamtspielzeit: 58:08 min.

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Armin

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2022-10-12 20:18:29 Uhr - Newsbeitrag
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