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Primal Scream - Dirty hits

Primal Scream- Dirty hits

Columbia / Sony
VÖ: 03.11.2003

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 9/10

Pillepalle

Was war noch einmal gleich Eklektizismus? Das muntere Kippen von circa fünfundsiebzig Stilen gleichzeitig ins eigene Schaffen. Primal Scream sind wahre Meister darin, denn sie verwursteten in den nun auch schon fast zwanzig Jahren ihres Bestehens nicht nur Genre um Genre, sondern wandelten sich oftmals auch noch von Platte zu Platte wie eine hyperaktive Horde von Chamäleons.

War die Frühzeit von harmlos tirilierendem Gitarrenpop und straßenkötrigem Punkrock bestimmt, riß das pillenfressende "Screamadelica" allerhand Augen auf. Bässe direkt aus dem Marianengraben, lysergsaure Keyboardflächen und Hall, Hall, Hall. Nicht nur die legendäre Hacienda in Manchester war vom Rave auf den Dub gekommen. "Loaded" ließ die Baßmembranen erzittern, "Higher than the sun" war kein leeres Versprechen. Hippies on the dancefloor.

Gleich darauf setzte es auf "Give out but don't give up" mit "Rocks" und "Jailbird" zwei grandiose Sleazerock-Songs, für die Keith Richards töten würde, nur um über einen Umweg zu Soul und Funk plötzlich auf "Vanishing point" elektronischen Quersinn wummern zu lassen. Bobby Gillespies Genäsel quetschte sich nun durch dicke Beats hindurch und grüßte einen gewissen "Kowalski". Nächste Kehrtwende: Das Technopunk-Geboller von "XTRMNTR" verzichtete nicht nur auf Vokale, sondern auch auf jegliche Rücksicht. "Swastika eyes" schwitzte alle Aufputschmittel wieder aus, und "Accelerator" setzte sich eigenhändig vor die Wand. "Evil heat" schließlich grub die ganz alten Synthesizer wieder aus, um dieses Mal das Unheil in monotonen Schaltkreisen zu suchen.

"Dirty hits" läßt nun die zündendsten Hits seit den smileydurchsetzten Achtzigern in chronologischer Reihenfolge auf all jene los, die damals die Alben verpaßt haben. Doch so treffsicher Primal Scream dem Zeitgeist immer wieder in den Rücken fielen, so angestaubt klingen die meisten ihrer Tracks im Rückblick. Eine einsame Tanzfläche blinkt ins Leere, während die Nebelmaschine gähnt, denn der kleine Zeh zuckt hier meist nicht einmal mehr, wenn man ihn direkt vors Stroboskop setzt. Nichts ist eben älter, als die Zappelmusik von gestern.

(Oliver Ding)

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Highlights

  • Loaded
  • Rocks
  • Jailbird
  • Some velvet morning

Tracklist

  1. Loaded
  2. Movin' on up
  3. Come together
  4. Higher than the sun
  5. Rocks
  6. Jailbird
  7. Cry myself blind
  8. Burning wheel
  9. Kowalski
  10. Long life
  11. Swastika eyes
  12. Kill all hippies
  13. Accelerator
  14. Shoot speed / Kill light
  15. Miss Lucifer
  16. Deep hit at morning sun
  17. Some velvet morning
  18. Autobahn 66

Gesamtspielzeit: 74:29 min.

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