Dipsomaniacs - Braid of knees

Dipsomaniacs- Braid of knees

Psychobabble / Stickman
VÖ: 15.05.2000

Unsere Bewertung: 5/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Nordische Pilzköpfe

Selten war ich mir bereits nach dem ersten Hören eines Albums so sicher, aus welchem Land die Band stammt: England! Jeder einzelne Ton klingt britisch, die Beatles schweben unverkennbar über allem und Oasis und Genossen gehören zweifelsohne ebenso zu den Vorbildern wie Blur oder die Stone Roses. Doch dann folgte die große Überraschung: die Dipsomaniacs stammen aus Norwegen.

Ihr zweites, hierzulande beim Motorpsycho-Label Stickman Records erscheinendes Album "Braid of knees", klassifiziert die Band selbst als LoFi-Rock mit psychedelischen Einflüssen. Wer wissen will, was das bedeutet, krame ganz simpel eine alte Beatles Platte raus, wähle einen x-beliebigen Song und streiche in Gedanken die Genialität eines John Lennon. Jeder Song erweckt den Eindruck eine B-Seiten der Pilzköpfe zu sein, nur mit dem Unterschied, daß bei den Beatles selbst die Stücke der B-Seiten genial waren. Auch stimmlich liegt Frontmann Oyvind Holm, der das Herzstück der Band darstellt und bis vor kurzem unter dem Namen Dipsomaniacs noch alle Instrumente alleine bediente, recht nah an Lennon. Die anderen Musiker beschränken sich auf das Einspielen ihrer Instrumente und hatten wenig Einfluß auf die musikalische Gestaltung.

Bei "Braid of knees" wurde mit Lars Lien, der unter anderem bereits mit Motorpsycho arbeitete, erstmals ein fremder Produzent an die Regler gelassen, schließlich wurde zum ersten Mal mehr als ein 8-Spur-Recorder eingesetzt. Hinzu kommt noch, daß bei jedem Stück neben der klassischen Instrumentalisierung (Gitarre/Bass/Schlagzeug) ein viertes eher genrefremdes Instrument eingesetzt wird. Manchmal erklingen beispielsweise Violinen, andere Songs werden mit Glockenspiel oder Saxophon versetzt. Trotzdem behält das Album seinen angenehmen LoFi-Charme. Alles klingt auf sympathische Weise ein wenig nach Probekeller.

Wirkliche Abwechslung sucht man auf dem Album davon abgesehen vergebens. Viele Stücke sind nicht wirklich schlecht, nur hat man alles halt schon mal und vor allen Dingen besser gehört. Selbst das mit Abstand beste Stück des Albums "The water's choir drowning" bewirkte bei mir im Endeffekt nichts anderes, als daß ich "Sergeant Pepper" aus dem Schrank zog, "Lucy in the sky with diamonds" auflegte und mich den Rest des Tages lieber am Original statt an seinem Plagitat erfreute. Trotzdem möchte man den Dipsos keinen Vorwurf machen. Die Beatles sind einfach unerreichbar und mit etwas mehr Eigenständigkeit haben auch die Dipsomaniacs Chancen, sich eine kleine Nische im Popgeschäft zu sichern. Vielleicht überraschen sie uns in Zukunft auch mal mit dem ein oder anderen spannenderen Output. "Braid of knees" wird jedoch wohl recht schnell den Weg in die Mottenkiste finden.

(Thorsten Thiel)

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Highlights

  • The water choir\'s drowning

Tracklist

  1. Prelude
  2. Sum genius
  3. The water choir's drowning
  4. Ugly side
  5. Halleluja feedback
  6. Queen underfed
  7. Looking for tape traders
  8. Smart triangular sandwich
  9. Interlude
  10. Dead right
  11. The twelfth knot
  12. More obscure
  13. In deep
  14. Nothing is for keeps
  15. Sandbox feeling
  16. Caught me dreaming
  17. Postlude

Gesamtspielzeit: 54:43 min.

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