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Behemoth - Opvs contra natvram

Behemoth- Opvs contra natvram

Nuclear Blast / Rough Trade
VÖ: 16.09.2022

Unsere Bewertung: 8/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Die mächtige Seite des Dunklen

Man kann es an dieser Stelle nicht oft genug betonen. Selbstverständlich ist es nicht verwerflich, von seiner Kunst leben zu wollen. Ein Berufsmusiker hat nun einmal den Beruf, Musik zu machen, so banal dies klingt. Was Adam "Nergal" Darski von anderen Kollegen unterscheidet, ist die Tatsache, dass das Genre, in dem er sich mit seiner Band Behemoth bewegt, per se dem kommerziellen Erfolg zunächst einmal wenig zugetan ist. Dennoch werden auch diejenigen, für die schon der Verkauf von Alben Verrat am Underground darstellt, akzeptieren müssen, dass es Nergal gelungen ist, Blackened Death Metal in den Metal-Mainstream zu hieven. Was für die Band selbst jedoch bedeutet, plötzlich ganz andere Erwartungen erfüllen zu müssen. Um es vorwegzunehmen – dies gelingt Behemoth mit "Opvs contra natvram" einmal mehr mit Bravour.

Schon das Live-Album "In absentia dei" deutete an, dass der ohnehin schon bombastische Habitus der Polen noch mehr an Theatralik, an Bombast zugenommen hat. Das Intro "Post-God nirvana" setzt genau dort an und entführt ohne Umwege in die Unterwelt. Düstere Trommeln weisen den Weg, während Nergal seine Beschwörungsformeln immer ekstatischer herausschreit. Willkommen in einer Welt, aus der es kein Entrinnen gibt. Denn kaum ist das Intro verhallt, polieren die Danziger einem ohne Vorwarnung die Fresse. War hier vorhin von Bombast die Rede? Wie um die Erwartungen von vornherein zu zerstören, stürzt sich "Malaria vvlgata" ohne viel Federlesens in reinsten Blackened Death Metal voller Raserei, bleibt aber geradlinig und ohne nennenswerte Schnörkel.

Dann jedoch entfalten die Polen endgültig ihre wahre Wucht. Hymnisch türmt sich "The deathless sun" auf, reißt zunächst mit einem unwiderstehlichen Riff alles mit, um dann einen schwarzmetallischen Refrain geradezu zu zelebrieren. Doch bevor das gottlose Theater zum Popanz wird, zerfetzt ein Solo der alten Thrash-Schule das Gebilde förmlich. Das folgende "Ov my Herculean exile" verfolgt einen anderen, nicht minder virtuosen Ansatz. Radikal wird das Tempo zurückgefahren, fast könnte man sagen, dass die Atmosphäre alles verschlingt, wäre da nicht Nergals heiseres Bellen. Doch es ist dieser vermeintliche Gegensatz aus routinierten Metal-Riffs und extremen Vocals, der fesselt, der gefangennimmt, nur um zum Schluss von den Blastbeats des wie entfesselt trommelnden Schlagzeugers Inferno in Stücke gedroschen zu werden.

Man könnte einwenden, dass "Opvs contra natvram" die ganz großen, herausragenden Songs fehlen, quasi die Ankerpunkte wie "Blow your trumpets Gabriel" und "Ora pro nobis Lucifer" vom Album "The satanist" oder das bösartige "God = dog" auf "I loved you at your darkest". Insofern wird es mit zunehmender Spieldauer herausfordernder, dieser dichten Stimmung zu folgen, wenn lediglich das Crust-Gewitter "Off to war!" einen stilistischen Ausbruchsversuch wagt. Wie aber kann man "Versvs Christvs" in Worte fassen? Düster raunt Nergal über einem fragilen Piano-Lauf, steigert sich mehr und mehr in den aufkommenden Wahnsinn hinein, bis ein nur vermeintlich mächtiger Chor versucht, den Refrain durch ein erneutes Blastbeat-Gewitter zu tragen. Dass das nicht in totaler Kakophonie endet, spricht für die Produktion und vor allem für das Songwriting. Denn die Grenzen ihres zu Beginn sehr traditionellen Black Metal haben Behemoth längst hinter sich gelassen und inszenieren sich mittlerweile als Gesamtkunstwerk. Mag sein, dass das für den ein oder anderen etwas over the top ist. In dieser Spielart des extremen Metal gibt es aktuell aber keine Band, die den Polen das Wasser reichen könnte. Beeindruckend.

(Markus Bellmann)

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Highlights

  • The deathless sun
  • Ov my Herculean exile
  • Versvs Christvs

Tracklist

  1. Post-God nirvana
  2. Malaria vvlgata
  3. The deathless sun
  4. Ov my Herculean exile
  5. Neo-Spartacvs
  6. Disinheritance
  7. Off to war!
  8. Once upon a pale horse
  9. Thy becoming eternal
  10. Versvs Christvs

Gesamtspielzeit: 43:25 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag

Arne Anderson

Postings: 154

Registriert seit 26.01.2022

2022-09-19 17:18:02 Uhr
Mich hat das Album nach dem ersten Hördurchgang nicht vom Hocker gerissen. Tendiere momentan zu einer 6 von 10.

NeoMath

Postings: 1644

Registriert seit 11.03.2021

2022-09-19 13:44:45 Uhr
Joa, 'ne 7/10 ist es wohl, mit viel Wohlwollen. Höher würd ich da aber auch keinesfalls gehen.

Klaus

Postings: 8934

Registriert seit 22.08.2019

2022-09-19 13:19:26 Uhr
Damit es nicht ohne Posting allein bleibt: Stabiles Album, ging gut rein, 7/10 :)

Armin

Plattentests.de-Chef

Postings: 26103

Registriert seit 08.01.2012

2022-09-14 21:19:28 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert.

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