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Pianos Become The Teeth - Drift

Pianos Become The Teeth- Drift

Epitaph / Indigo
VÖ: 26.08.2022

Unsere Bewertung: 8/10

Eure Ø-Bewertung: 6/10

Aus einem Guss

Es mag inzwischen müßig sein, die Vergangenheit dieser Band immer wieder in Erinnerung zu rufen, aber so viel Zeit muss sein: Pianos Become The Teeth verfolgten einst einen gänzlich anderen Ansatz. Härte, Geschrei und Tempo dominierten die Szenerie. Dann kam der Wandel, der bis zum grandiosen "Wait for love" aus dem Jahr 2018 führte. Vokalist Kyle Durfey hatte da längst entdeckt, dass er tatsächlich richtig gut singen kann, und die Herrschaften um ihn herum setzten in den erlesenen Songs seinen Vortrag mit großer Kunst in Szene. Die Band aus Baltimore in den USA mag noch immer nicht am Ziel angekommen sein, den Weg dahin aber begleitet man weiterhin überaus gerne: Auch "Drift", der neueste Streich des Quintetts, ist ein glanzvolles Stück Musik.

Ein Album ohne Hänger beginnt mit einem Durfey, der zunächst ganz bei sich ist, bevor ein nervöses Zucken einsetzt und mehrschichtiger Gesang einen Song fortführt, der wie eine Zusammenarbeit von Radiohead und Anathema anmutet. Dem starken Auftakt folgt "Genevieve", ein erster Höhepunkt des Ganzen. Eine feine Basslinie untermalt Durfeys tolle Stimme, eine kunstvolle Passage im Mittelteil weiß ebenso so gefallen wie der Umstand, dass alles wie dezent neben der Spur wirkt. Pianos Become The Teeth geben schließlich Vollgas und haben hier einen neuen Knüller für künftige Live-Auftritte im Repertoire. Dass "Drift" wie aus einem Guss klingt, liegt nicht nur an der greifbaren Grundstimmung, sondern auch daran, dass die Stücke gerne unmittelbar ineinander übergehen. So leitet "Genevieve" ohne Abkürzung über zu "The tricks", das sich zum Abschluss nahezu verstohlen davonschleicht.

Etwaiger Eintönigkeit entgeht die Band konsequent. Bestes Beispiel sind die ebenfalls miteinander verbundenen Songs "Easy" und "The day". Regiert im ersten eine reduzierte Instrumentierung, setzen die US-Amerikaner im zweiten zum Handkantenschlag an und winken entschlossen in Richtung eigener Vergangenheit. Eine erste Albumhälfte, die es in sich hat. Zweifel daran, dass dieses Niveau zu halten ist? Mitnichten. "Mouth" leitet die zweite Hälfte ein, und es erweist sich Stück für Stück, dass "Drift" ein organisches Ganzes ist, weit mehr als die Summe der einzelnen Teile. "Skiv" liefert das nächste Kleinod, bei dem sich Durfey eigentlich anhaltend selbst auf die Schulter klopfen muss. Eben dafür, den Mut gehabt zu haben, das alte Schrei-Schema zu durchbrechen und seiner Stimme diesen Raum zu geben.

Mit einem runden Song-Trio verabschieden sich Pianos Become The Teeth schlussendlich aus dem Album. "Hate chase" greift noch einmal überzeugend in die krachige Werkzeugkiste und packt energisch-wild zu, "Buckley" ist vertonte Schwermut mit cleverem Spannungsaufbau und zwingendem Ende, "Pair" setzt schließlich den tollen Schlusspunkt. Hier zeigt die Band selbstbewusst, wo sie im Jahr 2022 steht, warum sie von exakt diesem eingeschlagenen Weg voll und ganz überzeugt ist und sich in diesem Soundgewand so überaus wohlfühlt.

(Torben Rosenbohm)

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Highlights

  • Genevieve
  • The days
  • Buckley

Tracklist

  1. Out of sight
  2. Genevieve
  3. The tricks
  4. Easy
  5. The days
  6. Mouth
  7. Skiv
  8. Hate chase
  9. Buckley
  10. Pair

Gesamtspielzeit: 37:00 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag

rainy april day

Postings: 633

Registriert seit 16.06.2013

2022-11-01 19:56:49 Uhr
Nachdem zwar Genevieve und The Days direkt von Null auf Hundert zu meinen Lieblings Pianos-Songs gehörten, werde ich mit dem Rest der Platte allerdings nicht so wahnsinnig schnell warm. Mir fehlen ein wenig die Ausbrüche und in den eher mäandernden Songs so ein wenig die Melodien, die auch wirklich hängen bleiben. Durch das gewohnt großartige und abwechslungsreiche Drumming wird es zwar nie so wirklich langweilig, aber ich werde noch eine Weile mit der Platte brauchen. Immerhin habe ich Lust, sie mir schönzuhören.

rainy april day

Postings: 633

Registriert seit 16.06.2013

2022-09-03 01:06:26 Uhr
Vor dem ersten Durchlauf vorhin ist mir noch mal klar geworden, wie viel mir Keep You und Wait For Love in den letzten Jahren bedeutet haben, ich war tatsächlich etwas nervös. Aber der erste Eindruck ist fantastisch, der eingeschlagene Weg wird konsequent fortgeführt, die Intensität sofort greifbar und ich schätze mit der Zeit werden sich auch die großen Emotionen wieder offenbaren, das ging bei den Vorgängern bei mir auch nicht von Null auf Hundert. Fürs erste bin ich ziemlich glücklich und freue mich auf den Herbst und Winter mit dem Album.

Yndi

Postings: 314

Registriert seit 23.01.2017

2022-09-01 12:35:59 Uhr
Gefällt mir sehr gut, besser als der Vorgänger und damit im Mittelfeld der Discographie. Die drei Singles + The Days sind aber auch meine Highlights.

Ich mag die Richtung der Band echt gerne, hätte damals aber gerne eine ganze Scheibe im Stil von Hiding gehabt, der immer noch ihr wahrscheinlich bester Song ist und das perfekte Bindeglied zwischen The Lack Long After und Keep You darstellt.

Blanket_Skies

Postings: 531

Registriert seit 21.09.2013

2022-08-31 15:49:20 Uhr
Gefällt mir, wenn auch weniger als der Vorgänger, den ich wegen seiner perfekten Pop-Rockigkeit mochte. Dass sie sich nicht noch mehr in die Richtung entwickeln, kann trotzdem nur gut sein.

NeoMath

Postings: 1644

Registriert seit 11.03.2021

2022-08-27 13:02:30 Uhr
Ich werde die Scheibe heute Abend mit sehr großer Vorfreude hören.

Die letzten beiden fand ich absolut großartig.

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