Counting Crows - Films about ghosts - The best of

Counting Crows- Films about ghosts - The best of

Geffen / Motor / Universal
VÖ: 24.11.2003

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Farbenblind

Wenn sich das Jahr dem Ende neigt und die Bäume sich ihrer Blätter entledigen, wenn der Himmel wie eine große graue Bettdecke über der Landschaft liegt, und man aus lauter Langeweile die Krähen zählt, die es sich auf der Oberleitung gegenüber des eigenen Fensters bequem gemacht haben, dann ist es für gewöhnlich höchste Zeit, eine CD der Counting Crows aus dem Regal zu holen. Melancholie galore, aber auch großes Gefühlskino, dem man am besten mit einer Tasse heißen Kakaos mit Marshmallows begegnet. Vielleicht ist das auch der Grund, warum das Best of der Band "Films about ghosts" heißt.

Schaut man sich die Zusammenstellung der vermeintlich besten Stücke von Adam Duritz' kleiner Kapelle an, überrascht zunächst der Umstand, daß das definitiv beste Lied der Band schlichtweg vergessen wurde: kein "Colorblind" weit und breit. Der große Tearjerker, die hochdramatische Selbstmitleid-Hymne fehlt. Dafür springt einen "Big yellow taxi" an, diese unsägliche, ja geradezu grauenerregende Verunglimpfung des Klassikers von Joni Mitchell. Man ist bereits vor dem ersten Ton geneigt, demjenigen, der diese Zusammenstellung zu verantworten hat, einen Konzertflügel über die Rübe zu ziehen. Zumal weitere Highlights wie "Monkey" oder "Perfect blue buildings" ebenso übersehen wurden.

Dabei wirkt das Album in sich trotzdem überraschend schlüssig, alte Großtaten wie "A long December" und neue Mittelmäßigkeiten wie "American girls" fügen sich zu einem durchaus angenehmen Gesamtbild zusammen, das die großen Peinlichkeiten eines Counting-Crows-Konzerts fast vergessen läßt. Diesen Dirk-Bach-ähnlichen Mann mit Stechpalme auf dem Kopf, der flummigleich über die Bühne hüpft, verdrängt man schnell, wenn man noch einmal die wundervolle Albumversionen von "Round here" oder "Mrs. Potter's lullaby" hören darf.

Das größte Problem der Band war - neben ihrem eher nervigen Hit "Mr. Jones" - eh immer schon die eigene Fangemeinde: all diese Thermoskannen- und Birkenstockmädels, diese Sonderpädagogikstudentinnen im zwölften Semester, die sich auch nicht durch nachlassende Qualität der Alben und Altherrenband-Gebaren von ihrer Verehrung abbringen ließen. Menschen, die Ken Follett lesen und auch alle Pur-Platten besitzen. Machen wir uns und ihnen nichts vor: Die Counting Crows waren in letzter Zeit eher auf dem absteigenden Ast.

Neben so viel Altem und Blauem gibt's natürlich auch was Neues und was Geborgtes: "She don't want nobody near" fällt nicht weiter auf, und auch das Grateful-Dead-Cover "Friend of the devil" ist recht hörbar geworden. Das alles macht "Films about ghosts" zu einem netten Album, das die Bezeichnung "Best of" trotzdem zu Unrecht trägt - dafür fehlen einfach die besten Stücke.

(Lukas Heinser)

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Highlights

  • Round here
  • A long December
  • Mrs. Potter's lullaby
  • Holiday in Spain

Tracklist

  1. Angels of the silences
  2. Round here
  3. Rain king
  4. A long December
  5. Hangin' around
  6. Mrs. Potter's lullaby
  7. Mr. Jones
  8. Recovering the satellites
  9. American girls
  10. Big yellow taxi (feat. Vanessa Carlton)
  11. Omaha
  12. Friend of the devil
  13. Einstein on the beach
  14. Anna begins
  15. Holiday in Spain
  16. She don't want nobody near

Gesamtspielzeit: 72:35 min.

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