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Pantha Du Prince - Garden Gaia

Pantha Du Prince- Garden Gaia

Modern / Warner
VÖ: 26.08.2022

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 6/10

Organisch gewachsen

Wie viel Fisch ist im Fishmac drin? Darf Hafermilch überhaupt als Milch bezeichnet werden? Und wann genau ist Elektromusik eigentlich nicht mehr Elektromusik, mag sie sich noch so sehr danach anfühlen? Hendrik Webers Musik, die er als Pantha Du Prince seit nunmehr zwei Jahrzehnten veröffentlicht, fällt immer in diese Schublade. Doch "Garden Gaia" vollzieht den Stresstest damit. Bei Pantha Du Prince ging es schon immer um Naturverbundenheit, bei Songtiteln wie "Eisbaden" oder "Bohemian forest" angefangen bis hin zu den Geräuschen, welche seine Tracks bevölkerten. Die neun jüngsten Stücke atmen jedoch mehr denn je den Geist der unmittelbaren Aufnahme. "Mother drum" macht dem eigenen Titel alle Ehre, indem die Handschläge auf die Trommeln klar zu hören sind. Die allgegenwärtigen Glocken haben vor allem auf Kopfhörern eine fast schon physische Komponente. Dazu gibt es im idyllischen, schwebenden Closer "Golden galactic" vom deutsch-französischen Jazzmusiker Friedrich Paravicini komponierte Streicher.

Überhaupt hat Weber sich auch personell mit seiner Umwelt verbunden. Viele Tracks sind kollaborativ entstanden, so etwa das wundervolle "Blume". Nicht nur, dass Bendik Hovik Kjeldsberg, bereits auf "The triad" mit im Spiel, den eigentlich fertigen Track noch einmal grundsanierte; er legte auf Webers Vocalspuren auch noch neuen Gesang von Helena Tusvik Rosenlund. Dennoch ist das alles unverkennbar Pantha Du Prince. Die Cluborientierung ist deutlich zurückgefahren, ein lautes "Heaven is where you are" schleicht sich in diesem Kontext als Außenseiter mit viel Hall aus der Distanz heran, um dann in die Vollen zu gehen. Vielmehr jedoch wollen sich Stücke wie das passend betitelte "Alles fühlt" vom Moment leiten lassen, nicht von vorgegebenen Strukturen.

"Garden Gaia" ist deutlich weniger ausschweifend als seine Vorgänger, mit einer Dreiviertelstunde Raum bleiben die Songs viel kompakter als gewohnt. Das tut der Faszination wenig Abbruch, außer dass Weber den ein oder anderen Groove wie im tollen (und typischen) "Crystal volcano" durchaus noch etwas länger auskosten hätte können. Doch die einzigen Gesetze die hier zählen, sind die der Natur – so macht es direkt der gemächlich trottende Eröffnungstrack "Open day" mit den zahlreichen Field Recordings klar. Es plätschert, es zwitschert, es rauscht. "Start a new life" vermischt in seinen Klangkosmos pentatonische Anleihen und verweigert jede Festlegung auf einen Beat. Dagegen ist "Liquid lights" wohl die eingängigste und süßlichste Variante des Pantha-Kernsounds, inklusive edlem Ausperlen in Richtung der zwei außerweltlichen Abschlusstracks.

Trotz der dezenten Fokusverschiebung ist "Garden Gaia" jedoch wieder mehr gewohntes Futter im Vergleich zum stark nach Ambient schielenden, relativ abstrakten "Conference of trees", das für manche gar einen Ticken zu weit draußen war. Das blöde "Wohnzimmer-Elektro"-Etikett wird das verhaltene Energielevel natürlich nicht abknibbeln, aber Kenner wissen es sowieso besser: Zu "Garden Gaia" wandert man natürlich am besten in die unberührte Natur. Die steckt nämlich hier in jedem Detail.

(Felix Heinecker)

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Highlights

  • Crystal volcano
  • Blume
  • Heaven is where you are

Tracklist

  1. Open day
  2. Crystal volcano
  3. Start a new life
  4. Blume
  5. Mother drum
  6. Heaven is where you are
  7. Liquid lights
  8. Alles fühlt
  9. Golden galactic

Gesamtspielzeit: 44:09 min.

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Armin

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2022-08-19 21:52:05 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert.

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