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Machine Head - Øf kingdøm and crøwn

Machine Head- Øf kingdøm and crøwn

Nuclear Blast / Rough Trade
VÖ: 26.08.2022

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Like a ten ton hammer

Das passiert bei Metal-Bands, die ja im Normalfall viel Wert auf ein funktionierendes Bandgefüge legen, auch eher selten. Innerhalb einer knappen Woche im September 2018 schienen Machine Head komplett implodiert zu sein, stand Frontmann Robert Flynn ohne Band da. Gitarrist Phil Demmel war der erste, der seine Demission einreichte, und reformierte später ausgerechnet die als Vorläufer von Machine Head geltenden Vio-Lence – ohne den damaligen Sänger Flynn, versteht sich. Schlagzeuger Dave McClain schloss sich endgültig den wiedererstarkten Sacred Reich an, während Bassist Jared MacEachern zunächst ein wenig halbherzig mal drin, mal draußen war, um dann letztlich doch zu bleiben. Die Gründe waren natürlich die üblichen "musikalischen Differenzen", doch Flynn verkündete reumütig per Videobotschaft, dass er seine Kollegen wohl erdrückt habe. Dass die eher mittelmäßige Qualität des im Januar desselben Jahres veröffentlichten Albums "Catharsis" auch damit zu tun haben könnte – nun, manchmal sagt Schweigen mehr als Worte.

Wie dem auch sei, entgegen der damaligen frustrierten Ankündigung ist es Flynn doch noch gelungen, wieder eine Band zusammenzustellen. Eine, die natürlich ein schweres Erbe antritt, erst recht mit der Ankündigung, beim Album "Øf kingdøm and crøwn" handele es sich um das erste Konzeptalbum der Bandgeschichte. Und ja, tatsächlich, den Metal-Ümlaüt gibt es jetzt auch auf Skandinavisch, und nein, das steht weder mit der Story noch mit der Platte im Allgemeinen in irgendeinem Zusammenhang, sieht aber vermeintlich cool aus und lässt sich besch...eiden tippen. Aber wir schweifen ab. Denn nicht ab-, sondern ausschweifend gestaltet sich der Opener "Slaughter the martyr". Langsam, ganz langsam erhebt sich ein clean gesungenes Intro aus der Stille, bis ein lange nicht von Machine Head gehörtes Riff-Ungetüm in die Szenerie stampft, jedoch nur, um in einen epischen Refrain zu eskalieren. Zehn Minuten lang rüttelt dieses Monstrum nicht nur an den Gliedmaßen, sondern auch an der lange verschlossenen Tür zur Thrash-Spitzengruppe, der man sich doch spätestens seit dem Meilenstein-Album "The blackening" dauerhaft zugehörig wähnte. Im Boxring würde man das wohl einen Wirkungstreffer nennen.

Doch die neu formierte Band scheint zumindest zu Beginn kein Erbarmen zu kennen. "Chøke øn the ashes øf yøur hate" schreit dem bedauernswerten Opfer nicht nur den Titel im Refrain entgegen, sondern vor allem – ja, nur echt in Versalien – "BAY AREA". Oder anders ausgedrückt: So viel Exodus, so viele Einflüsse dieser ganz besonderen Spielart des Thrash gab es selten im Sound der Band. Und weil es gerade so viel Spaß macht, darf auch "Becøme the firestørm" noch zünftig auf das zuckende Bündel einprügeln, das zu Beginn der noch skeptische Fan war. Selten wohl war ein Interlude wie "Øverdøse" so willkommen, während der Mittelteil der Platte überhaupt durchaus gekonnt vom Gas geht – gerade "Unhalløwed" bekommt dadurch eine feierliche Dynamik und kann dadurch erst recht mit seinem tollen Refrain glänzen.

Der dritte Teil weist zwar kleinere Anzeichen von Erschöpfung in Form von kleineren Längen bei "Bløødshøt" und "Røtten" auf, kann dafür jedoch in Form von "Nø gøds, nø masters" mit einem Song aufwarten, der ohne Rücksicht auf ein Album-Konzept mit seinen Ohoho-Chören zu einem Live-Klassiker werden könnte. Das abschließende "Arrøws in wørds frøm the sky" mag manchen wiederum etwas pathetisch geraten sein, bildet aber das große Finale des Album-Konzepts. Einmal noch zieht das Quartett alle Dynamik-Register, springt zwischen wütenden Thrash-Ausbrüchen und feinsinnigen 80s-Metal-Passagen hin und her, verzichtet dabei aber auf das wüste Gebretter des ersten Teils und lässt so ganz nebenher noch einmal deutlich werden, wie brillant die Platte eigentlich produziert ist – rasiermesserscharfe Gitarren, ein voll ausgenutztes Dynamik-Spektrum und Drums, die wirklich noch nach Drums klingen dürfen und nicht wie zu Tode komprimierte Pappschachteln. So filigran wie beispielsweise mit "Unto the locust" werden Machine Head vermutlich nicht mehr werden, aber vielleicht müssen sie es auch gar nicht mehr. Es reicht, wenn sie ihren Sound ähnlich wie ihren Band-Slogan bestreiten: Heavy fuckin' Metal.

(Markus Bellmann)

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Highlights

  • Slaughter the martyr
  • Chøke øn the ashes øf yøur hate
  • Unhalløwed

Tracklist

  1. Slaughter the martyr
  2. Chøke øn the ashes øf yøur hate
  3. Becøme the firestorm
  4. Øverdøse
  5. My hands are empty
  6. Unhalløwed
  7. Assimilate
  8. Kill thy enemies
  9. Nø gøds, nø masters
  10. Bløødshøt
  11. Røtten
  12. Terminus
  13. Arrøws in wørds frøm the sky

Gesamtspielzeit: 59:31 min.

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User Beitrag

fakeboy

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Registriert seit 21.08.2019

2022-08-20 23:43:22 Uhr
Meiner Meinung nach gibt es bereits einen anderen Thread zum Album...

Armin

Plattentests.de-Chef

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Registriert seit 08.01.2012

2022-08-19 21:51:29 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert.

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