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Erasure - Day-glo (Based on a true story)

Erasure- Day-glo (Based on a true story)

Mute / Rough Trade
VÖ: 12.08.2022

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 6/10

Cut and paste

Erasures letztes Studioalbum "The neon", eine an vielen Stellen poptastisch verspielte und leichtfüßige Rückkehr zur Großform der späten Achtziger- und frühen Neunzigerjahre, erlitt hier bei Plattentests.de das gleiche Schicksal, mit dem sich auch ein einfarbig roter Marienkäfer herumplagt: deutlich zu wenig Punkte. Alles subjektiv, klar, und wir stellen hier in der Regel nicht die Bewertungen von anderen Teammitgliedern in Frage, aber die Ausnahme ist hier nötig, um diese Rezension einzuordnen.

Synthie-Guru Vince Clarke, dem die Welt auch Depeche Modes Killer-Ohrwurm "Just can't get enough" verdankt, hatte im Laufe des Jahres 2020, wie so viele Menschen weltweit, plötzlich mehr freie Zeit als erwartet. Anstatt sich jedoch, wie so viele Menschen weltweit, dem Sauerteigbrot zu verschreiben, nahm sich Clarke die instrumentalen Texturen eben jenes, gerade erschienenen Albums noch einmal vor, dekonstruierte sie und setzte sie neu zusammen. Auf Basis dieser Tracks ergänzte Sänger und Bandkollege Andy Bell dann völlig neue Melodien und Gesangsspuren, die hier allerdings nur in den wenigsten Fällen einer klassischen Songstruktur von Strophe und Refrain folgen. Stattdessen handelt es sich bei "Day-glo (Based on a true story)" wohl um das experimentellste und ungewöhnlichste Album von Erasure seit dem introspektiven Ambientsound des selbstbetitelten Werks von 1995.

Bereits der düster pulsierende, sich langsam aufbauende Sound des Openers "Based on a true story", der auch Soundtrack eines dystopischen Arthaus-Science-Fiction-Films aus den Achzigern hätte sein können, lässt die Grundausrichtung des Albums erahnen. Bells flamboyante Mehroktavenstimme rückt hier deutlich in den Hintergrund und ist oft nur in Schnipseln und Loops als Textur, ja quasi als zusätzliche Instrumentalspur zu hören. Im Zentrum der Songs steht konkurrenzlos Clarkes analoger Synthiesound. Dieser kommt mal eiskalt und abweisend daher, wie im an VCMG (Clarkes Kollaboration mit Martin Gore) erinnernden Dark-Rave von "Pin-prick", weiß andernorts jedoch auch warm und organisch einzulullen, wie im fast meditativen "Now". Die einzigen, dafür durchaus gelungenen Abstecher auf den Dancefloor macht das Album mit dem basslastigen, hypnotischen Proto-Techno-Banger "Bop beat" und dem nach dem Remix eines Wave-Klassikers klingenden "Inside out", der so auch schon seit dreißig Jahren auf einschlägigen Depeche-Mode-Party laufen könnte.

Die berauschende und berührende Ballade "3 strikes and you're out" bietet doch noch eine konservativere Erasure-Nummer, allerdings ohne Federboa-Extravaganza. "Here I stand / Naked before you now", croont Bell in den ersten Zeilen des Songs dann auch ganz folgerichtig. Damit ist jedoch mit den Highlights noch nicht genug: Das quasi-instrumentale, cinematische und ungeheuer atmosphärische "The shape of you" wandelt auf den Spuren des kürzlich verstorbenen Vangelis, bevor das elegische "The end" ein faszinierendes Electronica-Album beschließt, wie man es der Band so wohl kaum zugetraut hätte. Um es mit einem alten Erasure-Gassenhauer zu sagen: Hier gebührt unbedingt mehr als nur "A little respect!"

(Michael Albl)

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Highlights

  • Based on a true story
  • Pin-prick
  • 3 strikes and you're out
  • The shape of things

Tracklist

  1. Based on a true story
  2. Bop beat
  3. Pin-prick
  4. The conman
  5. Now
  6. Inside out
  7. Harbour of my heart
  8. 3 strikes and you're out
  9. The shape of things
  10. The end

Gesamtspielzeit: 32:34 min.

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Armin

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Registriert seit 08.01.2012

2022-08-19 21:48:37 Uhr - Newsbeitrag
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