Chemical Brothers - Singles 93-03

Chemical Brothers- Singles 93-03

Freestyle Dust / Virgin / EMI
VÖ: 22.09.2003

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Music for the jilted generation

Jede Musik hat ihre Zeit. Sollte man jedenfalls meinen. Aber in welche wären dann die Chemical Brothers einzuordnen? Die neunziger Jahre, denen die Band doch immer soweit voraus zu sein schien und von deren fadem, kreuzbraven Pop-Einheitsbrei sie weiter entfernt ist als kaum irgendwer sonst? Die Achtziger, in denen die Band mehr Wurzeln hat als ein erstes Hören zu Tage treten läßt? Oder vielleicht im 21. Jahrhundert, das oft zur Markierung ihres Soundkosmos verwendet wurde, in dem sie selber sich aber bis dato noch ein wenig unentschlossen präsentierten? Daß ihre Musik zeitlos und Zeitgeist zugleich ist, geht einem spätestens in dem Moment auf, in dem man eine x-beliebige Platte des Duos in einem x-beliebigen Club irgendwo auf der Welt auflegt: Kurz darauf birst die Tanzfläche. Eine solche Meute aus ihrer Trance zu befreien, erweist sich als heikles Unterfangen.

Woran mag es liegen, daß ausgerechnet ein Duo, deren Herzstück kühle Elektronik ist, einen so unvergleichlich prägenden Sound entwickeln konnte? Betriebsgeheimnis. Es lohnt sich aber dennoch, den Karriereweg der studierten Geschichtswissenschaftler nachzuzeichnen: Von den Anfängen als berühmt-berüchtigte Remix-Spezialisten (The Dust Brothers) über die Vorreiterrolle in der Big-Beat-Bewegung ("Exit planet dust") hin zum kontinentalen Druchbruch mit den "Block rockin' beats" von "Dig your own hole". Wie Motten vom Licht angezogen haben sich in ihrem kreativen Umfeld alsbald so erlesene Künstler wie Richard Ashcroft, Bernard Summner, Bobby Gillespie oder Noel Gallagher breit gemacht. Nachzuhören in großen Werken wie "Star guitar" oder "Let forever be". Und das Schönste daran: Die Chemical Brothers sind konsensfähig geblieben. Ob im Club oder daheim, ob Rocker oder Raver, jeder hat seinen Zugang gefunden und seine persönlichen Perlen ausgemacht. Die Musik hatte es dabei nicht nötig, Kompromisse einzugehen oder Strömungen zu folgen, sie war ganz einfach nur da. Omnipräsente, höchst tanzbare Wirklichkeit.

Daß man sich zum zehnjährigen Karriere-Jubiläum für seine "Best Of" die denkbar langweiligste Variante einer Anhäufung von Singleauskoppelungen ausgedacht hat, ist somit nur schwerlich zu vergeben. Zumal auch noch ausgerechnet der famose Soundtrack-Dauergast "Loops of fury" fehlt. Immerhin ein neues Stück ist drauf: "The golden path", eine Kooperation mit den Flaming Lips. Für Brothers-Verhältnisse kommt die Nummer stark zurückgenommen, aber trotzdem irgendwie flippig daher. Interessant, wenn auch keineswegs umwerfend. Zur Ehrenrettung sei zudem auf die Limited-Variante verwiesen, die noch einen Haufen Mixe und anderes enthält. Und außerdem auf den Umstand, daß sich die Band derzeit im Studio befindet. In Vorbereitung ist eine neue Platte, die die Tanzflächen Europas mit allerhöchster Wahrscheinlichkeit ein weiteres Mal schweißbefleckt zurücklassen wird.

(Thorsten Thiel)

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Highlights

  • Leave home
  • Block rockin' beats
  • Hey boy hey girl
  • Let forever be

Tracklist

  1. Song to the siren
  2. Chemical beats
  3. Leave home
  4. Setting sun
  5. Block rockin' beats
  6. The private psychedelic reel
  7. Hey boy hey girl
  8. Let forever be
  9. Out of control
  10. Star guitar
  11. The test
  12. Get yourself high
  13. The golden path

Gesamtspielzeit: 71:22 min.

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