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Kasabian - The alchemist's euphoria

Kasabian- The alchemist's euphoria

Sony
VÖ: 12.08.2022

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Ein Elefant irrt sich gewaltig

"I want to make peace with Serge and reunite Kasabian." Na na, immer langsam mit den nicht mehr ganz so jungen Pferden, Tom Meighan. Erstens resultierte der Rausschmiss des Ex-Frontmanns aus dessen Verurteilung wegen häuslicher Gewalt und nicht etwa aus einer Feindschaft mit Mastermind Sergio Pizzorno. Zweitens müssten sich Kasabian erst einmal aufgelöst haben, um sich wiedervereinigen zu können – was mit Blick auf das insgesamt siebte Album und das gleichzeitig erste ohne den früheren Sänger offensichtlich nicht der Fall ist. Und drittens zeigte Pizzorno bereits 2019 auf seinem Solodebüt als The S.L.P., dass er zur Not auch mal knapp 40 Minuten ohne Meighan rumkriegen kann, indem er auf eigene Faust ähnlich robust durch den Porzellanladen dessen trampelt, was er selbst "Future Rock" nennt. Und unterhaltsam war's allemal.

Da liegt es nahe, dass Pizzorno auch bei Kasabian den Job am Mikro gleich selbst übernimmt. Zuweilen ins Schrottkehlige umkippendes Gejohle mit leicht angekratzter Lad-Phrasierung und, nun ja, universelle Weisheiten wie "Whatever don't kill you makes you stronger" oder "We can make it if you like" beherrscht er nämlich annähernd genauso gut. Beide Zeilen stammen aus "Chemicals", das auf "The alchemist's euphoria" ungefähr die gleiche Rolle einnimmt wie "Fire" auf "The West Ryder Pauper Lunatic Asylum" oder "Re-wired" auf "Velociraptor!": Glaubt man, nach den stimmungsvoll kosmischen, aber auch recht ereignislosen Electronica-Rumplern "T.U.E. (The ultraview effect)" und "Stargazr" sei die Chose allmählich gegessen, bringen verbreakte Strophen und ein rasanter Stromgitarren-Refrain die Tanzfläche noch einmal zum Brummen. Kann man so machen.

Auch wenn sich Pizzorno zumindest eingangs seiner Sache nicht ganz sicher zu sein scheint, sodass der Einstieg "Alchemist" ein wenig zwischen aufpoliertem Oasis-Surrogat und jubilierendem Midtempo-Stampfer versandet. Besser macht es "Scriptvre", das sich zu vorlautem Zerr-Groove an einer drohenden Bläser-Batterie und schlanken Riff-Hieben hochzieht und samt mehrstimmigem "Oh-oh-ohooh" in eine umarmende Gesangshymne mündet – und natürlich gehören auch raumgreifende Piano-Akkorde dazu, wenn Kasabian den alten Kollegen Rave-Rock zum circa 32. Geburtstag mal wieder zum Moussieren bringen. Eineinhalb Jahrzehnte später hieß das Ganze dann kurz Nu Rave – und klingt heute bei "Rocket fuel" so, als hätten The Prodigy seinerzeit auf bewusstseinserweiternden Pilzen statt auf Rohypnol musiziert. Auch der Synthie fiept schon auf dem letzten Loch.

Richtig ins Rollen kommt "The alchemist's euphoria" spätestens im kugelrund abzischenden "Alygatyr": Ein aufgeregter Elefant trötet das dynamische Club-Signal, der Bass beantragt Knarz IV, und nicht einmal die Tatsache, dass Pizzorno den Titel auf "radiator" reimt und ein rundgelutschtes "cry me a river" hinterherschiebt, kann diesem überaus dicken Ding etwas anhaben. Doch so lebendig der "Club foot" weiterhin zuckt, so sehr bauen Kasabian ab, wenn sie den Fuß vom Gas nehmen. "The wall" etwa wäre liebend gerne eine blendende Ballade im Stil des herzzerreißenden "Goodbye kiss", der halbakustische Closer "Letting go" versteht sich als große abschließende Geste. Doch hier irrt Pizzorno: Es handelt sich eher um den leidlich gelungenen Nachklapp eines Albums, das nach der Hälfte merklich abbaut. Unseren Frieden machen wir damit trotzdem.

(Thomas Pilgrim)

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Highlights

  • Scriptvre
  • Rocket fuel
  • Alygatyr

Tracklist

  1. Alchemist
  2. Scriptvre
  3. Rocket fuel
  4. Strictly old skool
  5. Alygatyr
  6. æ Space
  7. The wall
  8. T.U.E. (The ultraview effect)
  9. Stargazr
  10. Chemicals
  11. æ Sea
  12. Letting go

Gesamtspielzeit: 38:06 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag

Socko

Postings: 1437

Registriert seit 06.02.2022

2024-03-07 09:06:21 Uhr
Also. Ich hatte bislang keine Lust, einen neuen Thread zu eröffnen.
Bisher war ich eigentlich ganz zufrieden damit, was Serge als neue Frontsau da liefert. Auf Bühne wie auch bei neuen Songs. Nichts mehr gewaltiges, aber die Stagnation hat schon mit Tom am Mikro begonnen.
Aber der neue Song "call" ist wirklich richtig beschissen. So.

qwertz

Postings: 970

Registriert seit 15.05.2013

2022-10-16 18:40:23 Uhr
Traurig, wie sich deren Setlist mit jedem neuen Album ein bisschen mehr von meiner Traum-Setlist entfernt, die vor allem aus Stücken der ersten drei Alben bestehen würde.
Heute mal wieder eine persönliche Best-of-Playlist angemacht. Immer noch soooo gut, aber ohne Tom ist's für mich auch kein Kasabian mehr. Da muss ein Kojiro ein paar Posts hier drüber Recht geben.

Nummer Neun

Postings: 749

Registriert seit 14.06.2013

2022-10-14 11:33:16 Uhr
War schon jemand auf der Tour? Die Setlist aus Berlin spricht ja (zum Glück) eher für eine Art Best-Of Konzert und das neue Album kommt nur vereinzelt vor.

https://www.setlist.fm/setlist/kasabian/2022/huxleys-neue-welt-berlin-germany-7bb1220c.html

Mr. Fritte

Postings: 830

Registriert seit 14.06.2013

2022-08-22 19:57:03 Uhr
Für mich ist weniger der fehlende Sänger das Problem (wobei ich gerade die Kombination aus beiden Stimmen super fand, das vermisse ich hier schon) sondern eher der Sound. Das Album orientiert sich ja teilweise schon sehr an aktuellen Mainstream-Klischees und hat so diese typischen Nervsounds drin, besonders schlimm ironischerweise im eigentlich ganz netten "Strictly Old Skool". Das hat mir auf Velociraptor und 48:13 alles wesentlich besser gefallen.

flow79

Postings: 383

Registriert seit 09.09.2020

2022-08-22 19:39:42 Uhr
kurz reingehört... njet, das ist es nicht.

Kasabian werden für mich auf ewig mit dem alten Sänger in Verbindung bleiben.
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