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Beach Bunny - Emotional creature

Beach Bunny- Emotional creature

Mom + Pop / H'Art
VÖ: 22.07.2022

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Summer of self-love

Der entscheidende Moment jeder guten Coming-Of-Age-Geschichte ist das Erlangen eines gewissen Selbstwertgefühls. Definieren wir uns im Teenie-Alter zumeist noch über andere, sehnen uns nach Gruppenzugehörigkeit und der Aufmerksamkeit unseres Crushs, ist ein Meilenstein der emotionalen Reife dann erreicht, wenn Selbstliebe und -akzeptanz nicht mehr von fremden Augen abhängen. Mit TikTok-Hits wie "Prom queen" und "Cloud 9" hat sich Lili Trifilio als Ventil einer alternativen jungen Generation etabliert. Ihre Band Beach Bunny spielt unheimlich eingängigen, immer mitsingbaren Indie-Pop-Punk, während ihre Texte genau den Sweet Spot zwischen bezugsfähigen Geständnissen und naiver Romantik finden. Doch um nicht der Redundanz anheimzufallen und die immer gleichen Zwei- bis Dreiminüter über Herzschmerz und Highschool-Frustration zu singen, müssen Trifilio und ihre Jungs einen ähnlichen Weg wie ihre Fans bestreiten, mit ihnen erwachsen werden. Genau das gelingt dem Vierer auf seinem zweiten Album "Emotional creature", das sich zwar das Fundament mit dem Debüt "Honeymoon teilt, auf diesem aber musikalisch wie inhaltlich ein paar neue Pflänzchen wachsen lässt.

In der ersten LP-Hälfte merkt man davon allerdings zugegebenermaßen noch nicht viel. Der Opener "Entropy" kultiviert gleich wieder den "Paramore in Indie"-Sound, den etwa Best Coast auf "California nights zur Perfektion getrieben haben, und berichtet von einengenden Beziehungskrisen: "I'll get over it if you let me breathe / From the skin, 'cause my lungs tend to keep it within." Das Uptempo-Tischfeuerwerk "Oxygen" greift das Atmungsmotiv auf, allerdings in einem erfreulicheren Kontext: "Suddenly everything is easy / I've never felt something so deeply / 'Cause with you I breathe again." Zwischen diesen Extremen, den Gefühlshüpfern frischer Liebe und der Leere, wenn sie verraucht ist, pendelt "Emotional creature" zunächst. Herzen laufen unter der sprudelnden Gitarren-Hook von "Fire escape" über, nur um sich in "Deadweight" und "Gone" zu fragen, warum sie sich auf diesen Partnerschaftsquatsch überhaupt eingelassen haben. Doch die Erzählerin hat in beiden Tracks keinen Bock, sich von den endlosen Hängepartien quälen zu lassen, und auch die Band zieht mit fidelen Instrumentalparts nach. Beach Bunny weichen hier noch kaum von ihrer Formel ab, doch diese Art mitreißender Sommer-Hits mit Träne im Knopfloch beherrschen sie weiterhin so gut, dass man ihnen nicht böse sein kann.

Auf die etwas ambitionierteren Wucherungen der zweiten Albumhälfte weist "Eventually" voraus: Die Gitarren werden harscher, und Trifilio ringt wieder um Atem, diesmal aber im Zuge einer konkret dargestellten Panikattacke. Kernstück der Platte bildet der zu einer mächtigen Coda emporsteigende Emo-Rock von "Weeds", der im grandiosen Refrain deutliche Worte für einen an sich selbst wie ans Publikum gerichteten Pep Talk findet: "'Cause he's not the problem / The problem is you think you're only viable for love when someone makes you feel complete / You're a diamond." Das von gleich zwei Interludes flankierte "Scream" verleiht seinen Reflexionen von Scham und Verwirrung eine metaphysische Note mit kosmischen Synths, bevor "Karaoke" mit melancholisch tänzelnden Jangle-Pop-Melodien die Tagträume der geliebten Person auswendig lernt. "Sometimes I think I've known you all my life", heißt es schließlich im für Beach-Bunny-Verhältnisse geradezu epischen Schluss-Sechsminüter "Love song" – ein sympathisch-kitschiges Happy End, aber kein Rückfall in alte Muster. Vielmehr pointiert es, wie die Chicagoer Band ihrem Image als Teenie-Internet-Hype substanzvoll entwächst, dabei aber nicht ihre Wurzeln vergisst. Diese Coming-Of-Age-Geschichte hat noch einige Sequels im Köcher.

(Marvin Tyczkowski)

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Highlights

  • Oxygen
  • Weeds
  • Scream
  • Love song

Tracklist

  1. Entropy
  2. Oxygen
  3. Deadweight
  4. Gone
  5. Eventually
  6. Fire escape
  7. Weeds
  8. Gravity
  9. Scream
  10. Infinity room
  11. Karaoke
  12. Love song

Gesamtspielzeit: 36:06 min.

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Armin

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2022-08-12 21:48:52 Uhr - Newsbeitrag
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