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Beyoncé - Renaissance

Beyoncé- Renaissance

Columbia / Sony
VÖ: 29.07.2022

Unsere Bewertung: 8/10

Eure Ø-Bewertung: 5/10

Da steht ein Pferd auf'm Floor

"It should cost a billion to look this good." Ist das etwa ein Moment der Selbstunterwerfung von Beyoncé Knowles-Carter inmitten all dieser Hybris? Schließlich umfasst das geschätzte Vermögen der 40-Jährigen gerade mal läppische 440 Millionen US-Dollar. Oder denkt man einfach schon wieder zu viel nach über "Renaissance", das siebte Album der Künstlerin? Seit der selbstbetitelten Platte geht ja eigentlich nichts mehr unter privater Entmantelung vermengt mit Statements zur Lage der schwarzen Frau in Amerika samt visueller Unterstützung. Und doch: Diese 16 Songs, angeblich die erste Vorhut einer Trilogie, sind vor allem darauf bedacht, eine Wagenladung Spaß direkt auf die Tanzfläche zu kippen. Selbst das vom Pferd erzählende Cover ist so over the top, dass man es kaum ernst nehmen mag. Natürlich hat Beyoncé auch nach der neuesten Verwandlung ihren Kram trotz allem besser beisammen als die ganze Welt. Die Produktion? It must cost a billion to sound this good. Die Samples? Grandios eingebaut.

Am auffälligsten in dieser Hinsicht ist natürlich der Closer "Summer renaissance", der sich mit der Interpolation Donna Summers "I feel love" quasi einen unfairen Wettbewerbsvorteil verschafft. Schließlich klingt jene Geburtsstunde der modernen Dance-Musik immer noch so taufrisch wie vor rund 45 Jahren. Doch "Renaissance" weiß seine Quellen geschickt in den Kontext einzuweben. Selbst Right Said Freds "I'm too sexy" taucht plötzlich im zackigen "Alien superstar" auf, welches Taylor Swift und Drake damit gleichermaßen an der samplenden Nase herumführt. "Unicorn is the uniform that you put on" – und in der Tat spielt die LGBTQ-Community unter anderem durch die Disco-Schlagseite der Platte eine gewichtigere Rolle bei Beyoncé. Nicht nur, dass es quasi permanent zum Voguing animiert: Ihr homosexueller Onkel Jonny wird im schwitzigen "Heated" geehrt und die Songs einiger queerer Künstler werden gesampelt, so wie Big Freedias "Explode" im kurzen "Energy".

Jenes ist in Verbindung mit dem vorherigen Tanzflächen-Hoppler "Cuff it" auch ein Parabeispiel dafür, wie grandios das Sequencing arrangiert ist. Stücke werden unterschwellig angekündigt, bevor sie beginnen, Motive querverstreut wieder aufgegriffen und nie stockt der Flow. "Break my soul" funktioniert als Single dank der "Show me love"-Anleihe von Robin S. schon allein gut, gewinnt im Kontext aber nochmal an Punch. Selbst der knochentrockene Beat von "Pure/Honey" findet später eine melodische Abfahrt, nicht ohne eine Ansage natürlich: "Bad bitches to the left / Money bitches to the right / You can be both, meet in the middle, dance all night." Die One- bis Two-Liner, die sich durch "Renaissance" ziehen, machen ohnehin einen guten Teil der Freude aus, die dieses Album bereitet. "Only double lines we cross is dollar signs" – womit wir wieder bei der Kohle sind. Die ein Thema ist neben Tanzen und – natürlich – Sex. "Paint the world pussy pink", bitte.

Die zentrale Oase inmitten dieser wechselweise unterkühlten und hitzigen Veranstaltung ist das sechsminütige "Virgo's groove", welches sich in herrlich entspanntem Funk suhlt und bereits mit der ersten Aufforderung "Baby, come over" gewonnen hat. Es geht also auch über den Vibe. Gegenpol dazu ist das aufgedrehte "All up in your mind", das mit Hilfe von A. G. Cook beweist, dass Beyoncé Hyperpop nicht nur beherrscht, sondern diesen auch famoserweise gewinnbringend in diese eigentlich so retrogetränkte Platte einweben kann. Auf der weniger einzelne Songs der Star sind, sondern vor allem das Auf und Ab zwischen all diesen tollen Sounds und Einfällen, die Wendungen, die wenig vorhersehbar und doch immer schlüssig sind. Sei es der Shoutout an ihre Schwester in "Cozy", der wirklich irre Rap am Ende von "Heated" oder die falsche Fährte von "America has a problem". "Renaissance" fetzt. Mehr als ein explodierender Stapel Geldscheine.

(Felix Heinecker)

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Highlights

  • Alien superstar
  • Virgo's groove
  • All up in your mind
  • Pure/Honey
  • Summer renaissance

Tracklist

  1. I'm that girl
  2. Cozy
  3. Alien superstar
  4. Cuff it
  5. Energy (feat. Beam)
  6. Break my soul
  7. Church girl
  8. Plastic off the sofa
  9. Virgo's groove
  10. Move (feat. Grace Jones & Tems)
  11. Heated
  12. Thique
  13. All up in your mind
  14. America has a problem
  15. Pure/Honey
  16. Summer renaissance

Gesamtspielzeit: 62:22 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag

Loketrourak

Postings: 1682

Registriert seit 26.06.2013

2022-08-11 22:25:15 Uhr
Ha! AdW!
Was hätte Achim dazu geschrieben!

Z4

Postings: 1726

Registriert seit 28.10.2021

2022-08-08 23:39:32 Uhr
So ganz langsam zündet es, vielleicht schafft es noch die 9/10. Musste es dafür aber auch schon etwa 5 mal hören.

jo

Postings: 3968

Registriert seit 13.06.2013

2022-08-08 11:19:11 Uhr
Bin, wie so oft bei Beyoncé, nicht überzeugt und sehe es wie captain kidd. Ziemlich langweilig.

Z4

Postings: 1726

Registriert seit 28.10.2021

2022-08-08 11:14:52 Uhr
Okay, hat damit doch mehr zu tun als ich dachte. Collier war einer von den Präraffaeliten:

"Die Präraffaeliten waren eine in der Mitte des 19. Jahrhunderts in England zusammengekommene Gruppe von Künstlern. Diese prägten den nach ihnen benannten Präraffaelismus, einen Stil, der stark beeinflusst war von den Malern des italienischen Trecento und Quattrocento und von den deutschen Nazarenern – aber auch von Künstlern der italienischen Renaissance wie Botticelli und insbesondere Raffael, obwohl die Präraffaeliten jene bereits ablehnten."

Und das steht auch alles schon in dem Artnews Text, den ich vielleicht mal hätte lesen sollen. Bleibt trotzdem Kitsch, das Gemälde. ^^

kingbritt

Postings: 4851

Registriert seit 31.08.2016

2022-08-08 11:14:23 Uhr

. . . da klaro, bei dem Beyoncé Cover denke ich sofort an Jeanne d'arc, die mit Gottesführung auf einem weißen Schimmel ritt.

Der Post mit meiner Interpretation wurde ja gelöscht.
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