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Der Nino Aus Wien - Eis Zeit

Der Nino Aus Wien- Eis Zeit

Medienmanufaktur Wien / Rough Trade
VÖ: 24.06.2022

Unsere Bewertung: 8/10

Eure Ø-Bewertung: 6/10

Liebe in den Zeiten der Corona

Ein früher Indie-Hit von Nino Mandl alias Der Nino aus Wien trägt den Titel "Es geht immer ums Vollenden". Wenn man den musikalischen Output des, ja genau, Wieners betrachtet, scheint der Fokus jedoch eher auf dem Immer-Weitermachen zu liegen, schließlich legt der Fünfundreißigjährige bereits das zwölfte Album unter diesem Namen vor, dazu kommen diverse Nebenprojekte und Kollaborationen. Erst 2021 erschien das Soundtrack-Konzeptalbum "Zirkus" gemeinsam mit Ernst Molden, und nur ein Jahr zuvor mit dem hervorragenden, akustischen Solowerk "Ockermond" das letzte reguläre Album von Der Nino Aus Wien. Die reduzierte Schrammeligkeit von "Ockermond" ist für "Eis Zeit" wieder dem vollen und zuvor selten so vornehmlich rockigen Bandsound der Stammbesetzung um Mandl gewichen. Der Albumtitel, dessen Deppenleerzeichen wohl als künstlerische Freiheit verbucht werden muss, bezieht sich sowohl auf den Namen eines Eisgeschäfts, das Mandls Mutter einst führte, als auch auf die Corona-Seuchenjahre, während derer alle Songs entstanden waren.

Herausgekommen ist ein Album, das erwartungsgemäß Isolation und Einsamkeit thematisiert, ebenso aber auch Hoffnung, Freundschaft und Liebe. Hinzu kommt eine gewisse Fokussiertheit in Songwriting und Produktion. Im Gegensatz zu manch eher zerfasertem Track in der Vergangenheit überschreitet keiner der Songs auf "Eis Zeit" die Dreieinhalbminutenmarke, und auch die Songstrukturen zeugen von einem unbedingten Bekenntnis zum (Indie-)Pop. Außerdem wurden alle Tracks im Studio von der gesamten Band live eingespielt, was zum satten Sound der Platte beiträgt. "Palmen und Katzen", Opener und Vorabsingle, ist eine schwungvolle Hymne, die so ähnlich auch aus der Feder von Peter Doherty hätte stammen können. Ein erstes Highlight ist der mitreißend groovende und gleichzeitig schamlos romantische Stampfer "Rendezvous" mit dem nonchalanten Liebensbekenntnis "Ich weiß, es ist Zeit für ein ewiges Rendezvous." Ein Balladenrefrain wie "Du bist für immer / Mein Glücksbringer" lässt in Textform alle Schlager-Alarmglocken läuten, der immer leicht verschlurft übermüdet wirkende gesangliche Vortrag sorgt jedoch dafür, dass die Kitschgefahr gebannt wird und der Song "Glücksbringer" authentisch, ja berührend bleibt.

Der schleppende Shuffle der überaus charmanten und entwaffnenden Ode an die Freundschaft zu "Sandy" zaubert den Zuhörenden ebenso ein Lächeln ins Gesicht wie die unverblümte Schilderung einer Nachtzugfahrt "unter Amphetamin" von Wien nach München in "Ohne Schlaf". Der etwas düsterere Track "Zeit" erinnert im Arrangement an Bright Eyes oder eine Komposition von den Dessner-Zwillingen, und überhaupt ist der Soundkosmos des Albums größtenteils weit entfernt von den häufig wiederholten Zuschreibungen von Der Nino Aus Wien als Neuerfinder des klassischen Wienerlieds mit anderen Mitteln. Nur mit dem als einziges Stück im Dialekt gesungenen, überaus berührenden Schlusssong "Olles hot sei End" über einen versöhnlichen Abschied aus dem Leben an der Seite eines geliebten Menschen erinnert Mandl dann doch noch an Austropop-Granden wie Wolfgang Ambros oder noch eher Georg Danzer. "Ich hab gehört von Deinen Künsten / Ich hab gehört sie machen Sinn / Ich zieh meine Songs aus Strümpfen / Und aus dem Gatsch die Melodien", heißt es gewohnt selbstreferenziell und selbstkritisch in "Ohne Schlaf". Die Welt kann sich nur darauf freuen, wenn Mandl sicherlich in nicht allzu weiter Zukunft erneut zur Socke greift.

(Michael Albl)

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Highlights

  • Rendezvous
  • Sandy
  • Ohne Schlaf
  • Olles hot sei End

Tracklist

  1. Palmen und Katzen
  2. Rendenzvous
  3. Glücksbringer
  4. Strawberry dream
  5. Endlich
  6. Sandy
  7. Was passiert ist
  8. Ohne Schlaf
  9. Zeit
  10. Montag
  11. Eiszeit
  12. Olles hot sei End

Gesamtspielzeit: 36:31 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag

Henryk

Postings: 1

Registriert seit 12.08.2022

2022-08-12 10:55:04 Uhr
Der Nino enttäuscht nie. Bei dem mega Output immer noch so eine hohe Qualität der Songs zu bewahren, ist außergewöhnlich.

Armin

Plattentests.de-Chef

Postings: 22899

Registriert seit 08.01.2012

2022-08-05 20:02:55 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert.

Meinungen?

MM13

Postings: 2161

Registriert seit 13.06.2013

2022-06-24 18:53:43 Uhr
wieder super, etwas rockiger 8/10
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