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Ani Klang - Ani Klang LP

Ani Klang- Ani Klang LP

New Scenery
VÖ: 22.07.2022

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 5/10

Alles muss kaputt sein

Tod, Masturbation, Schokoladenkuchen. Allesamt tolle Themen, um einen Song darüber zu schreiben, oder? Findet zumindest Ani Klang. Hauptsache, es kommt kein female empowerment darin vor – etwas, das laut der Amerikanerin heutzutage jeder Frau übergestülpt wird, sobald sie nur einen Ton Musik produziert. Überlassen wir das viel gehörte Buzzword also lieber den sogenannten Hype-Newslettern der großen Plattenfirmen, in denen es circa drölfzig Mal vorkommt und die ansonsten hauptsächlich aus Zahlen zu Instagram-Followern, YouTube-Klicks und TikTok-Kreationen bestehen. Denn Power hat Klang, die eigentlich Annie Kissiah heißt und inzwischen in Berlin lebt, auch so genug. Vor allem in ihren Maschinen, die ähnlich ramponiert klingen, wie das Cover der EP "Burn the empire" Ende 2020 aussah. Hier brennen nicht nur Imperien, sondern auch Schaltkreise und sämtliche Codes elektronischer Clubmusik: Kissiahs Debütalbum ist vor allem "A giant mesz", wie der zweite Track verspricht. Und doch sehr viel mehr.

Der Titel des Openers "Elastic drumplay" gibt allenfalls einen unvollständigen Eindruck davon, was auf "Ani Klang LP" passiert. Tiefste digitale Schläge rotieren, scharfkantige Industrial-Bässe stampfen böse mit dem Fuß auf, bis zur Unkenntlichkeit zerhäckselte Stimmfetzen schwirren erratisch durchs Stereo-Panorama. Angefangen hat diese hyperaktive, fiebrige Musik womöglich als eine abgesägte Version von Footwork, jenem Chicagoer Genre, bei dem ungerade Rhythmen so verschachtelt gegeneinanderlaufen, dass es die Tänzer beinahe in der Luft zerreißt. Doch wo Jerrilynn Patton alias Jlin als dessen bekannteste Vertreterin die Sounds mit minutiöser Detailversessenheit auffädelt und zuletzt sogar in Richtung HipHop und Synth-Pop expandierte, droht bei Kissiah ständig etwas kaputtzugehen: Zur perkussiven Unwucht von "Cognitive jig" kippt wiederholt eine Kiste mit rostigen Nägeln um, "Nature's drunk" besäuft sich so lange an wüster Drum-Übersteuerung, bis dem Vocal-Loop nur noch ein "over" einfällt. Nichts geht mehr?

Zu diesem Zeitpunkt hat Kissiah nämlich schon so ziemlich alles gegen die Wand gefahren, was ihre Gerätschaften hergeben – und spart außerdem nicht mit Zweideutigkeiten: Die Frage "Tell me how that pussy tastes" aus dem großartig wildgewordenen Beat-Stakkato "Daddyo" reichen wir an den Publikumsjoker weiter, beim tumultösen Freestyle-Glitch "Finger jam" bleibt inständig zu hoffen, dass Kissah sich tatsächlich nur kurz die Flosse geklemmt hat, und was "1thousand sadbois (in my mouth)" dort überhaupt wollen – aber lassen wir das. Und konstatieren stattdessen, dass der rabiate Track nicht einmal vor Gabba-Techno-Verpflanzungen aus dem letzten Jahrhundert zurückschreckt und in "Kickdrum slut" auch der alte Affe Drum'n'Bass sein Fett wegkriegt. Da kommt "Distorted thots, Juni 2019" mit neun Minuten Piano und ambienten Feldaufnahmen zum Schluss gerade recht: Die gute halbe Stunde Lärm zuvor war eindrucksvoll genug. Nicht, dass sich noch jemand beim Kuchenessen zu Tode masturbiert.

(Thomas Pilgrim)

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Highlights

  • Daddyo
  • Finger jam
  • 1thousand sadbois (in my mouth)

Tracklist

  1. Elastic drumplay
  2. A giant mesz
  3. Daddyo
  4. Cognitive jig
  5. Finger jam
  6. 1thousand sadbois (in my mouth)
  7. Nature's drunk
  8. Kickdrum slut
  9. To pacify the asinine
  10. Distorted thots, Juni 2019

Gesamtspielzeit: 44:21 min.

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Armin

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2022-08-05 20:02:26 Uhr - Newsbeitrag
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