DKAY.COM - Dekaydenz

DKAY.COM- Dekaydenz

Our Choice / Zomba
VÖ: 03.07.2000

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 6/10

Gefangen in den Achtzigern

Mit DKAY.COM hat sich mal wieder eine Allstar-Formation zusammengefunden. Nachdem Jürgen Engler seine Krupps ad acta gelegt hatte ("Wir hatten alles erreicht, was mit dieser Gruppe zu erreichen war. Die Sache war für mich ausgereizt. Wir hatten auch den faszinierenden Widerspruch zwischen Techno und Metal komplett ausgelotet. Ich hätte jedenfalls nicht gewußt, was ich mit den Krupps auf einem weiteren Album hätte anstellen sollen."), scharten er und Chris Lietz ein ganzes Bündel an bekannten Musikern für einen Neustart um sich. Julian Beeston (vormals bei Nitzer Ebb, Shining, Cubanate & C-Tec), Adam Grossman (Skrew), Chris van Helsing (Phillip Boa) sowie Dirk Krause (Armageddon Dildos) bilden das Lineup der Band. Ergänzt wird das Ganze gelegentlich noch durch den Gesang von Birgit Fischer, bestens bekannt von Motorsheep.

Je nachdem, ob man ein Fan des letzten Krupps Albums war oder nicht, wird man entweder vor Entsetzen aufschreien oder positiv überrascht sein, wenn man die Scheibe das erste Mal in den CD-Player steckt. Das Album beinhaltet eine radikale Abkehr von allem, was die Krupps zuletzt ausgemacht hatte: keine Metal-Gitarren, kein Metal-Schlagzeug und - vor allem - kein breitbeiniges Metal-Geshoute mehr! Dem Hörer präsentiert sich ein lupenreines Electropop-Album, das stellenweise sogar in Richtung Dancefloor abdriftet. Vom Ansatz und der Idee her könnte man DKAY.COM jetzt zurecht vorwerfen, daß das Album zu sehr retro und zu wenig innovativ geworden ist. Sehr elektronisch, sehr synthielastig, sehr poppig und vor allem tanzbar. Mit Sätzen wie "Sowas macht man doch heutzutage doch nicht mehr" und "altbacken" könnte man problemlos argumentieren und hätte damit nicht einmal unrecht. Letztendlich zählen aber die Songs und die sind teilweise schlicht überragend.

Da hätten wir zum Beispiel den Opener, "Split infinity", einfach ein phantastischer Song. Richtig cooler Elektrosound begleitet die Strophen und zum Refrain gibt es genau die richtige Dosis Gitarre und Schlagzeug, um daraus einen Clubhit zu machen. Weitere Highlights folgen mit "The final show", einem Quasi-Remake vom "Fatherland" der Krupps, und der Coverversion von U2s "Numb", das zwar eigene Ideen vermissen läßt, sich aber durchaus mit dem Original messen lassen kann. Weiter geht es mit "E-motion", gebraut nach dem selben Rezept wie "Split infinity". Hier fällt einem zum wiederholten Male positiv auf, daß Jürgen Engler weder poserhaft herumschreit, noch zu singen versucht, sondern die Texte in einem coolen Sprechgesang rüberbringt. Auch der fast liebevoll zu nennende Detailreichtum, mit dem der elektronische Background angereichert wurde, kommt hier besonders zur Geltung.

Der absolute Übersong kommt aber erst noch: "Neverland". Hier stimmt einfach alles. Melodie, Hookline, Refrain, Instrumentierung - alles perfekt. Das I-Tüpfelchen liefert aber der Backgroundgesang von Birgit Fischer. Einfach schön, bisher mein Song des Jahres. Und ja: es ist Dancefloor! Zum Abschluß des Albums gibt es noch mit "The paradise way" einen stilistisch vom Rest abweichenden Song, der aber nicht weniger gut ist und dank seines countryesken Feelings sogar Kid Rock nicht schlecht zu Gesicht gestanden hätte. "Decaydenz" ist somit das Album, welches ich mir von den Krupps immer gewünscht, aber nie bekommen habe. Einzig der versteckte Bonustrack erinnert noch an die Metallurgen. Mit dem nur aus "Fuck you" bestehenden Text sollen wohl alle Brücken in diese Vergangenheit abgebrochen werden. Es bleibt nur die Frage, warum so ein elektronisches Werk ausgerechnet mit Ralf Dörper nicht gelang.

(Manuel Polik)

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Highlights

  • Split infinity
  • The final show
  • E-motion
  • Neverland

Tracklist

  1. Split infinity
  2. Hell is heaven
  3. The final show
  4. Numb
  5. E-motion
  6. How many times
  7. Neverland
  8. The paradise way
  9. Cerulian blue
  10. Here we are strangers
  11. Hidden track

Gesamtspielzeit: 50:49 min.

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