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Odesza - The last goodbye

Odesza- The last goodbye

Foreign Family / Ninja Tune / Rough Trade
VÖ: 22.07.2022

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Bis zur Entspannung schreien

Sie gaben nicht leichtfertig auf. Ganze drei Mal wurde es plötzlich schwarz und still, inmitten des zweiten Songs "Bloom". Als Odesza Anfang 2019 bis dato zum letzten Mal in Deutschland ein Konzert spielten, mussten sie schlussendlich im Hamburger Docks aufgrund der streikenden Technik die Segel streichen. Äußerst schade um die Gelegenheit. Immerhin schreit ihre Musik nach Beschallung durch große Speaker inmitten einer Lichtshow. Und zwar buchstäblich. Odesza fahren stets den Grad zwischen ohrenbetäubend laut und raumfüllend abgemischter Produktion, bei der jeder Drumschlag den Rest kurzzeitig nach hinten drängt, aber dennoch tiefenentspannten Kompositionen, die eine seltsam beruhigende Wirkung haben. Ihre drei ersten Alben "Summer's gone", "In return" und "A moment apart" steckten den Rahmen mit spaciger Note und Pop-Sensibilität inmitten von festivaltauglichem EDM so gut ab, dass sie bald als One-Trick-Pony verschrien waren. Was kann nun "The last goodbye" als Nummer vier?

Zunächst ist der Einfluss globaler Genres noch deutlicher. Vor allem die Stücke ohne Gaststars, oft die heimlichen Gewinner des Duos aus dem Nordwesten der USA, atmen das, was früher mal "Weltmusik" hieß, mit großen Zügen ein. "Behind the sun" pickt ein Sample der iranischen Sängerin Simin Ghanem und formt daraus das typische Geschnatter mit großer Euphorie. "North garden" klappert und trommelt sich in Stimmung, während "All my life" aus gefühlt hunderten verschiedenen Elementen, inklusive einer Harfe, einen gemütlichen Trip durch die Natur beschallt. Fast jede Sekunde von "The last goodbye" klingt ohnehin so, als würde sie die nächste Totalaufnahme in einer National-Geographic-Aufnahme untermalen – was bedeutet, dass die Platte sich trotz allem nicht zu weit vom gewohnten Odesza-Terrain bewegt.

Dennoch sind unter den 13 Stücken ihre bisher poppigsten Momente dabei. Allen voran lässt Izzy Bizu in "Forgive me" die Schmetterlinge in der Disco fliegen – und hätte man auf die Handclaps verzichtet, wäre das sogar vollends überzeugend. Besser macht es der Einstieg ins Album. Julianna Barwick bespricht das angemessen großformatige und atmosphärische Intro "This version of you". Danach geben sich mit "Wide awake" und "Love letter" zwei waschechte Hits die Klinke in die Hand. Speziell letzteres reißt durch die fetzige Percussion mit, während sich die Zeile "You can't break my heart / 'Cause I was never in love" im Eilverfahren in jeglichen Hirnwindungen festsetzt. Die Lyrics sind generell das einzige, was auf der Platte den Titel "The last goodbye" überhaupt rechtfertigt, denn mit Melancholie haben Odesza es nicht so. Mit Tiefe im Übrigen auch nicht. Das sollen mal andere übernehmen.

Den Höhepunkt findet das Werk im Titeltrack, welche Bettye LaVettes bittere Beziehungsabrechnung "Let me down easy" aus dem Jahr 1965 fulminant in einen Dancefloor-Filler überführt. In fast sechs Minuten steigert sich der Song in eine Ekstase, man fühlt sich unweigerlich an den samplelastigen House der Neunziger erinnert. Danach tut ein Comedown mehr als gut. Leider schwächelt "The last goodbye" in diesem letzten Drittel doch aufgrund ein paar durchrauschender Fülltracks, an denen auch schon das etwas überlange "A moment apart" krankte. Erst wenn die behutsamen Tastenklänge von Ólafur Arnalds den epischen Closer "Light of day" einleiten, ist man doch wieder voll an Bord. Und stellt fest, dass die Field Recordings in den letzten Sekunden nahtlos an den Albumbeginn anschließen. Runde Sache also. Jetzt müssen sie sich nur noch wieder trauen, hierzulande aufzutreten.

(Felix Heinecker)

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Highlights

  • This version of you (feat. Julianna Barwick)
  • Love letter (feat. The Knocks)
  • Behind the sun
  • The last goodbye (feat. Bettye LaVette)

Tracklist

  1. This version of you (feat. Julianna Barwick)
  2. Wide awake (feat. Charlie Houston)
  3. Love letter (feat. The Knocks)
  4. Behind the sun
  5. Forgive me (feat. Izzy Bizu)
  6. North garden
  7. Better now (feat. Maro)
  8. The last goodbye (feat. Bettye LaVette)
  9. All my life
  10. Equal (feat. Låpsley)
  11. Healing grid
  12. I can't sleep
  13. Light of day (feat. Ólafur Arnalds)

Gesamtspielzeit: 50:32 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag

jayfkay

Postings: 711

Registriert seit 26.06.2013

2022-07-26 11:53:06 Uhr
Mein Favoriten bisher: Better now und All my life.
Titeltrack und Love letter ebenfalls gut.
Insgesamt überraschend hörbares Album. Gefällt mir besser als der Vorgänger.

tjsifi

Postings: 616

Registriert seit 22.09.2015

2022-07-26 10:14:16 Uhr
Wirklich schönes atmosphärisches Album. Es reisst nicht vom Hocke und eine Überhymne wie A Moment Apart ist auch nicht vorhanden aber es gibt ein paar Highlights die mitreissen.
Momentaner Favorit: Love Letter.

Martinus

Postings: 115

Registriert seit 13.01.2014

2022-07-23 08:38:51 Uhr
Leider hab ich vorher gar nix angehört.

Mal kucken, heut hör ich mit die Platte mal an.

Felix H

Mitglied der Plattentests.de-Chefredaktion

Postings: 8250

Registriert seit 26.02.2016

2022-07-22 21:30:25 Uhr
Leider ist das nur ein Track und der Rest ist wohl komplett anders.
Ich habe auf ein reines Neoclassic/Ambient Album gehofft


Also den Track hast du auch nicht gehört? Der wurde ja schon vorher veröffentlicht und hat schon eine Idee vom Album gegeben.

Martinus

Postings: 115

Registriert seit 13.01.2014

2022-07-22 18:49:42 Uhr
Mist, hab sie blind bestellt als ich davon gelesen habe, dass Olafur Arnalds dabei ist.
Leider ist das nur ein Track und der Rest ist wohl komplett anders.
Ich habe auf ein reines Neoclassic/Ambient Album gehofft
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