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Journey - Freedom

Journey- Freedom

Frontiers / Soulfood
VÖ: 08.07.2022

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Classic rockt

Es gibt verdiente Bands, und es gibt Legenden. Mal Hand aufs Herz: Gibt es wirklich Menschen, denen man die Songs der Dreifaltigkeit "Any way you want it", "Don't stop believin'" und "Wheel in the sky" in voller Länge vorspielen könnte, und ihnen würde nicht einmal zwischendurch ein müdes "Ach so, ja, hab ich schon mal gehört" einfallen? Also, ganz klar, Journey haben Musikgeschichte geschrieben, etwa 80 Millionen Tonträger weltweit verkauft und wurden 2017 vollkommen zu Recht in die Rock and Roll Hall of Fame aufgenommen. Alleine die Compilation "Greatest Hits" aus dem Jahr 1988 hielt sich unfassbare 750 Wochen in den amerikanischen Charts und ist nach wie vor die meistverkaufte Compilation einer Band überhaupt. Mehrfach jedoch war die Band aus Kalifornien kurz vor dem Ende, vor allem, als der ikonische Frontmann Steve Perry Ende der Neunziger die Band endgültig verließ. Nach diversen Experimenten sollte es bis 2008 dauern, bis die Band einen Nachfolger präsentieren konnte – einen gewissen Arnel Pineda, Frontmann einer philippinischen Journey-Tribute-Band.

Nun ist bekanntermaßen nichts vergänglicher als der Ruhm von gestern, doch schon die ersten veröffentlichten Songschnipsel von "Freedom", dem ersten Studioalbum seit dem unter chaotischen Bedingungen produzierten "Eclipse" von 2011, ließen aufhorchen. Denn der vermeintliche Fanboy, der zum Zeitpunkt der Bandgründung 1973 gerade mal sechs Jahre alt war, entpuppt sich plötzlich als wahrer Antreiber, zwar von kleiner Statur, aber mit einer großen Stimme gesegnet, die selbst den größten Steve-Perry-Fanatiker zum Lächeln bringen dürfte. Und die Band um Gitarrist und Mitgründer Neal Schon lässt sich davon inspirieren und mitreißen. Das beginnt schon mit dem Opener "Together we run", das sich vom sachten Akustikgitarren-Intro bis zum pompösen Schluss immer mehr an sich selbst berauscht.

Das folgende "Don't give up on us" hingegen könnte ganz locker je nach Bosheit des Betrachters als dreiste Kopie oder legitimen Nachfolger eines weiteren unsterblichen Klassikers einordnen, nämlich "Separate ways (Worlds apart)". Vom Keyboard-Intro bis zur Melodieführung versprüht "Don't give up on us" den Esprit des Vorbilds und des Albums "Frontiers" von 1983 – wahrlich nicht die schlechteste Vorlage, denn auch im weiteren Verlauf nutzen Journey den kompletten Werkzeugkasten des Genres, das man in ebenjener Blütezeit AOR nannte. Natürlich wirken Balladen wie "Still believe in love" oder das federleichte "Live to love again" ein bisschen aus der Zeit gefallen, aber mal ehrlich – Handydisplays können auch niemals den Charme inbrünstig brennender Feuerzeuge erreichen. Auch wenn man sich damit immerhin keine Brandblasen an den Fingern holen kann, aber sei's drum.

Wirklich überraschend allerdings ist, dass Journey nicht vergessen haben, wofür das "R" in AOR steht – nämlich für "Rock" und nicht für "Rentner". "The way it used to be" ist ein lässig-beschwingter Rocker, der sowohl auf der Autobahn als auch bei der Arbeit hervorragend funktioniert, "All day and all night" überzeugt durch einen großartigen Basslauf, und "United we stand" entpuppt sich als wahres Hook-Monster. "Beautiful as you are" schließlich bildet das bravouröse Finale eines vielleicht etwas zu langen, ansonsten jedoch großartigen Albums, beginnt als zarte Ballade, baut dann Schicht um Schicht auf und verabschiedet sich mit pompösem Classic Rock. Man könnte natürlich hinterfragen, ob die aktuell bewegten Zeiten etwas damit zu tun haben, dass altbewährte Rock-Silberrücken wie Journey oder vor ein paar Monaten Scorpions mit ihren starken Alben so etwas wie Halt geben – wenn schon der Rest der Welt verrückt spielt, soll wenigstens die Musik ein Ankerpunkt sein. Man kann es aber auch bleiben lassen und die Erfolge der vermeintlichen Rentner auf einen ganz simplen Aspekt reduzieren: Sie können es einfach. Und das werden wir endgültig merken, wenn Bands wie Journey irgendwann fehlen.

(Markus Bellmann)

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Highlights

  • Don't give up on us
  • Live to love again
  • The way it used to be
  • Beautiful as you are

Tracklist

  1. Together we run
  2. Don't give up on us
  3. Still believe in love
  4. You got the best of me
  5. Live to love again
  6. The way it used to be
  7. Come away with me
  8. After glow
  9. Let it rain
  10. Holdin' on
  11. All day and all night
  12. Don't go
  13. United we stand
  14. Life rolls on
  15. Beautiful as you are

Gesamtspielzeit: 73:04 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag

Mr Oh so

Postings: 3067

Registriert seit 13.06.2013

2022-08-04 02:27:05 Uhr
Richtig starkes Album - was ist da los?

Mr Oh so

Postings: 3067

Registriert seit 13.06.2013

2022-07-26 17:59:06 Uhr
Also, Together we run find ich schonmal richtig knorke.

Sloppy-Ray Hasselhoff

Postings: 2028

Registriert seit 02.12.2019

2022-07-24 13:06:51 Uhr
Die Großtaten der Band Rolling Stones (Beggars Banquet, Let it bleed, Exile ...) liegen schon sehr lange zurück.

Otto Lenk

Postings: 784

Registriert seit 14.06.2013

2022-07-24 10:47:17 Uhr
Die Großtaten der Band (Journey, Look into the Future, Next) liegen schon sehr lange zurück.

Bay

Postings: 146

Registriert seit 12.07.2019

2022-07-21 08:33:20 Uhr
NEAL... big sorry, man!
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