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Bad Breeding - Human capital

Bad Breeding- Human capital

One Little Independent / Indigo
VÖ: 08.07.2022

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 6/10

Soundtrack für die Arbeiterklasse

"Punk's not dead", behaupteten die Schotten von The Exploited schon 1981 und doch gibt es immer wieder Gründe, genau diese Aussage zu bezweifeln. Zu viele Bands der Subkultur nudeln seit Jahrzehnten die immer gleichen Lieder runter und skandieren ausgelutschte Phrasen gegen Staat und Politik. Dass der Patient Punkrock trotzdem noch lebt, dafür sorgen unverbrauchte Bands wie Bad Breeding, die dem Genre mit ihrem zornigen Hardcorepunk neues Leben einhauchen.

Mit klaren Ansagen und wütenden Tiraden schreiben die vier Engländer die Tradition britischer Anarcho-Punks wie Crass oder den U.K. Subs fort. "Human capital" ist bereits ihr viertes Studioalbum und ganz im Sinne ihrer deutlich antikapitalistischen Haltung gelten sie immer noch als Geheimtipp. Das Quartett stammt aus Stevenage, einer grauen Arbeiterstadt im Speckgürtel Londons. Ihrer Stadt widmeten Bad Breeding mit "Exiled" 2019 ein ganzes Album. Auf dem neuen Tonträger bearbeiten sie vor allem die immer weiter fortschreitende Spaltung der englischen Gesellschaft, befeuert durch Großkonzerne und die verhasste Tory-Regierung.

Der Opener "Community" schleicht sich bedrohlich an und stürmt dann unvermittelt los. Wie eine britische Bulldogge, die, einmal von der Leine gelassen, alles zerlegt was ihr vor die fletschende Schnauze kommt. Die Songs von Bad Breeding sind kantige Hardcorebrocken. Die Produktion ist roh und rumpelig, als wäre man per Zeitmaschine verreist und in den Anfangsjahren von Black Flag und den Circle Jerks aufgeschlagen. Auch das Albumcover wirkt wie ein zusammenkopiertes Relikt aus alter Zeit. "Prescription" und "Arc eye" preschen mit maximaler Geschwindigkeit los, der bellende Gesang von Chris Dodd ist nur mit Anstrengung zu verstehen. Das stört aber gar nicht, sondern lenkt die Aufmerksamkeit auf Gitarre, Bass und Schlagzeug und den extrem routinierten und sicheren Job, den Bad Breeding hier machen.

Angus Gannagé lässt die Gitarre bei "Joyride" kratzen und jaulen, Drummer Ashlea Bennett knüppelt dazu den treibenden Beat. Teilweise erinnert das an Queens Of The Stone Age, vor der Altersmilde und mit Wirrkopf Nick Olivieri an Bord. Fast zugänglich kommt der Titeltrack daher, die Zeilen sind klug formuliert und zeigen, dass Bad Breeding weit entfernt von der stumpfen Kapitalismuskritik vieler Genrekollegen sind: "Fields bloom with anxiety / Gleaming vistas of uncertainty / This is how it's meant to feel / Blue fog, a new war on the poor."

"Red flag rising" und vor allem "Death march" sind lodernde Beispiele dafür, dass politischem Hardcore-Punkrock auch 2022 noch nicht die Puste ausgegangen ist und taugen als Gegenentwurf zu zahnlosen und blutleeren Produktionen wie der aktuellen "Ignite"-Platte. Bad Breeding gehen im wahren Leben hemdsärmeligen Jobs nach, fahren Lieferwagen oder arbeiten im Baugewerbe. Ihren Soundtrack für die englische Arbeiterklasse beschließen Sie mit "Rebuilding", einem Aufruf zu mehr Solidarität untereinander. Und wieder hat der Punk überlebt.

(Andreas Rodach)

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Highlights

  • Joyride
  • Misdirection
  • Human capital
  • Death march

Tracklist

  1. Community
  2. Joyride
  3. Prescription
  4. Misdirection
  5. Arc eye
  6. Human capital
  7. Nostalgia trip
  8. Red flag rising
  9. Death march replacement
  10. Speculation
  11. Straw men
  12. Rebuilding

Gesamtspielzeit: 37:02 min.

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Armin

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2022-07-04 19:31:16 Uhr - Newsbeitrag
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