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Drake - Honestly, nevermind

Drake- Honestly, nevermind

OVO / Republic / Universal
VÖ: 17.06.2022

Unsere Bewertung: 5/10

Eure Ø-Bewertung: 4/10

Whining down the house

Der Mode-Designer Virgil Abloh hatte ein kontroverses Ethos: Man müsse ein Design nur um 3 % verändern, um es als neu bezeichnen und verkaufen zu können. Dass Drake sein siebtes Album dem 2021 verstorbenen Abloh widmet, ergibt Sinn – schließlich releast der kanadische Rap-Megastar selbst seit geraumer Zeit nur noch ambitionsfreie, immer gleich klingende Songsammlungen, die ihn trotz künstlerischer Komplettverwahrlosung zum Algorithmen-Gott machten. Doch weil auch ein halbes Jahr vor Weihnachten Wunder geschehen können, überrascht "Honestly, nevermind" nicht nur mit seiner spontanen Veröffentlichung. Unter Aufsicht des südafrikanischen Produzenten Black Coffee verarbeitet Drake Einflüsse aus unterschiedlichen House-Subgenres und kreiert damit im weitesten Sinne eine Dance-Platte. Ruft man sich Tracks wie "Passionfruit" oder "Get it together" ins Gedächtnis, ist das zwar nichts Revolutionäres in seinem Backkatalog, doch fühlt es sich auf verhältnismäßig kompakte 50 Minuten gestreckt tatsächlich so frisch an wie lange nichts mehr aus der Villa Drizzy.

Dennoch leidet das Album unter der neuen Oberfläche an altbekannten Problemen. Drake variiert sein etabliertes Moodboard weiterhin kaum, verfällt ödem Songwriting und ergeht sich natürlich im omnipräsenten Selbstmitleid, als würde die ganze Welt noch immer das einzige Ziel verfolgen, seine Gefühle zu verletzen. "How do you say to my face, 'Time heals' / Then go leave me again, unreal", entrüstet er sich in "Falling back", während er im dazugehörigen Video 23 Frauen heiratet und nicht auf die Idee kommt, dass sein ständiges Beziehungsscheitern vielleicht an jemand anderem als den ach so diabolischen Partnerinnen liegen könnte. Der vielversprechend beginnende Track verliert sich irgendwann in monotonem Falsett-Gesang, der fast so sehr auf die Nerven geht wie das Bettfeder-Gequietsche, um das "Currents" aus unerklärlichem Grund seinen Beat herum baut. "Texts go green" klingt indes so, als wäre der DJ einer Two-Step-Strandparty eingenickt, weil ihn der angeschwipste Gastgeber zum dritten Mal am Abend damit volljammert, dass ihn seine Ex bei iMessage blockiert hat. Erst die unironisch wirklich schöne Pianomelodie von "A keeper" verweist darauf, dass die Platte ab ihrem zweiten Drittel doch noch ein paar musikalische Trümpfe ausspielen wird.

Da ist zum einen "Sticky", dessen knochig pumpender Baltimore-Club-Groove Drake aus seinem Halbschlaf weckt und zu inspiriert-unterhaltsamem Rap-Gegockel anspornt. "Massive" reißt daraufhin das House komplett ab, setzt auf lange Instrumental-Breaks und fette Akkorde, welche die herrliche Cheesiness der um die eigene Beerdigung kreisenden Lyrics perfekt einfangen. Das von Schmacht-Samples eingeleitete "Flight's booked" hat mehr Seele als fast jede andere Drake-Ballade der letzten fünf Jahre, bevor "Overdrive" mit hektischen Funk-Gitarren und düster-stickigen Synths kalifornische Highways zum Schmelzen bringt. Lobend erwähnen muss man nicht zuletzt auch den kohärenten Flow von "Honestly, nevermind", das fast ohne Features auskommt: Zum ersten Mal seit "Nothing was the same" fühlt sich eine LP des 35-Jährigen tatsächlich wie ein Album und nicht wie eine Streaming-Playlist an.

Im Schlussspurt der Platte verflüchtigt sich der positive Eindruck jedoch wieder etwas. "Down hill" und "Tie that binds" erstaunen mit spartanischer Kalimba respektive Salsa-Akzenten und Flamenco-Gitarre, doch reichen ihre Ideen nicht, um vier bis fünf Minuten lang Drakes Autopilot-Rückfall zu übertönen. "Liability" löst im Anschluss ernsthafte Fragezeichen darüber aus, warum im gesamten Aufnahmeprozess niemand angemerkt hat, wie scheiße die konstant herunter gepitchten Vocals eigentlich klingen. Immerhin der stilistisch ausschlagende Closer stellt wieder ein Highlight dar: "Jimmy cooks" beginnt im Saxofon-unterstützten JazzHop, ehe er in den Trap-Abgrund fällt, von dem aus 21 Savage ein paar Kommentare zum Zeitgeschehen hochschickt: "If I was Will Smith / I would've slapped him with a stick." Ein plumper, aber atmosphärischer und spaßiger Banger, der davon profitiert, ausnahmsweise nicht von 15 nahezu identischen Tracks flankiert zu werden. Wenn Drake noch ein paar Abweichungsprozente mehr drauf legt, kann er beim nächsten Werk sein Gesicht auf eine Whiskyflasche drucken.

(Marvin Tyczkowski)

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Highlights

  • Sticky
  • Massive
  • Jimmy cooks (feat. 21 Savage)

Tracklist

  1. Intro
  2. Falling back
  3. Texts go green
  4. Currents
  5. A keeper
  6. Calling my name
  7. Sticky
  8. Massive
  9. Flight's booked
  10. Overdrive
  11. Down hill
  12. Tie that binds
  13. Liability
  14. Jimmy cooks (feat. 21 Savage)

Gesamtspielzeit: 52:32 min.

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User Beitrag

Armin

Plattentests.de-Chef

Postings: 22899

Registriert seit 08.01.2012

2022-06-24 11:37:01 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert.

Meinungen?

Armin

Plattentests.de-Chef

Postings: 22899

Registriert seit 08.01.2012

2022-06-17 20:22:34 Uhr - Newsbeitrag
Drake veröffentlicht heute sein 7. Studioalbum „Honestly, Never Mind“





SURPRISE SURPRISE! Als besondere Überraschung für seine Fans hat Drake heute sein siebtes Studioalbum „Honestly, Never Mind“ veröffentlicht!





HIER DAS AKTUELLE VIDEO „FALLING BACK“ ANSCHAUEN:









Drake „Honestly, Never Mind“ ist ab sofort erhältlich!



Tracklisting

01 Intro

02 Falling Back

03 Texts Go Green

04 Currents

05 A Keeper

06 Calling My Name

07 Sticky

08 Massive

09 Flight’s Booked

10 Overdrive

11 Down Hill

12 Tie That Binds

13 Liability

14 Jimmy Cook’s (feat. 21 Savage)


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