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Foals - Life is yours

Foals- Life is yours

Warner
VÖ: 17.06.2022

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 6/10

Festival der guten Laune

So standen sie beide da, immer in maximal fünf Schritten Entfernung zum Bierstand, welcher durch die ungünstige Sichtlage zur Bühne einer der weniger frequentierten war. Die Nachmittagshitze hatte sich verzogen vom "Rock im Roll"-Festival in der Nähe von Nürbergshausen, der laue Abend seinen Lauf genommen. Man hörte allgegenwärtig ein unablässiges Pumpen durch die Boxen. "Ey, das hat 'nen guten Groove", rief der Kleinere der beiden aus, rhythmisch mit den Füßen wippend. Es bestand ein grotesker Größen- und Erscheinungsunterschied zwischen ihnen, als hätten Lars Ulrich und James Hetfield keine Metalband gegründet, sondern wären ihrem Traum gefolgt, Bauarbeiter in Ostwestfalen zu werden. Der Große lugte mit seiner Kippe im Mund argwöhnisch zur Bühne herüber. "Was das denn für 'ne Combo wieder? Combo - sagt man doch heute, oder?" Er hatte die Angewohnheit, Fragen so zu stellen, dass sie sich nicht wie Fragen anhörten. Der Kleine mit seiner blauen Kappe fühlte sich trotzdem angesprochen.

"Foals! Das sind doch die mit dem ..." - "ICH WEISS, WER DAS IST!" Wenn der Große sich – zumeist grundlos – aufregte, erinnere er an die Comicfiguren mit aufgerissenem Mund, bei denen die Zigarette für einen Moment in der Luft schwebte. "So 'ne Scheiße! Bleib' mir weg mit dieser Festivalinfluencer-Mucke! Da kam doch seit über zehn Jahren nix Anständiges bei rum." Der Kleine hielt unschlüssig inne, ob er weiterwippen durfte. Er entschloss sich zur Flucht nach vorne. "Aber das ist doch ganz launig. Ich hab die neue Platte gehört, so nah waren die nie wieder am ersten Album dran. 'Antipodes' oder wie das hieß." Er beäugte seinen Gesprächspartner in Erwartung einer Reaktion. Als nichts kam, fuhr er weiter fort. "Du, da ist ein richtig guter Flow. Die ersten vier Songs gleich alles Hits. Eigentlich fünf sogar, keine Ahnung, warum man da ein Stück von einem Lied in einen eigenen Track ..."

"PAH!", spuckte der Hüne aus. "Dummes Disco-Gestampfe, idiotische Lyrics. Seichter Rotz. Kann ich mir auch gleich Mango Diao oder andere Kacke anhören. Foals! Hatten ein, zwei gute Alben und dann ab ins flache Gewässer." – "Also ich ... ehrlich gesagt, versteh ich von den Lyrics durch die Stimmfilter gar nicht wirklich was." Ein nervöses Lachen entfuhr dem Kleinen. "Haha. Ich glaub' die wollten nach dem Abgang vom Keyboarder einfach was Lockeres und Spaßiges machen. Weißt Du, so ohne ..." – "SPASS!!!" Es donnerte aus dem speichelnden Mund vor ihm fast lauter als aus den Boxen hinter ihm. "Spaß, einen Scheiß! Was denn mit Anspruch? Können? Talent? Was willste mit dieser lauen Mucke?" Unsicherheit überkam ihn. Er sackte in seiner Körperhaltung zusammen und nippte verlegen an seinem Bier, den Blick wieder Richtung Bühne. Ja, "Life is yours" war wirklich nicht anspruchsvoll. Es war auch nicht abwechslungsreich, er selbst hatte Mühe, diese recht ähnlichen Songs auseinanderzuhalten.

Aber Spaß hatte er mehr als genug mit der Platte. Der Sound, der auch jetzt von ihm inmitten der Festivalmenge von ihm Besitz ergriff, erinnerte ihn an Strand und Palmen, an Urlaub, ließ seine Seele baumeln. Er schloss die Augen, die Sonne streichelte seine Lider. "I'll always be there waiting at the crest of a wave", sang Yannis Philippakis in sein Ohr. Er verlor sich in diesen unbedingt tanzbaren, leichtfüßigen Grooves, flankiert von hitzigen Synthesizern, in diesen von der Band gewollt auf Party getrimmten Songs, teilweise so rhythmisch wie sonst nur ein Remix. Er vergaß das Weltliche, das Schmerzhafte, segelte stattdessen auf einer Welle aus purem Optimismus. "Strawberry wine / You in my mind." Oder: "Life is yours / Break away." Manchmal konnte es doch so einfach sein. Der Groove intensivierte sich, steuerte auf die Klimax zu. Die Instrumente duellierten sich gegenseitig, aber liefen doch auf einen gemeinsamen Schmelzpunkt zu, noch vor dessen Erreichen es ihm ins Ohr strömte: "NOCH 'N BIER???"

(Felix Heinecker)

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Highlights

  • Life is yours
  • Wake me up
  • Under the radar
  • Wild green

Tracklist

  1. Life is yours
  2. Wake me up
  3. 2am
  4. 2001
  5. (Summer sky)
  6. Flutter
  7. Looking high
  8. Under the radar
  9. Crest of the wave
  10. The sound
  11. Wild green

Gesamtspielzeit: 41:57 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag

qwertz

Postings: 782

Registriert seit 15.05.2013

2022-06-26 13:52:59 Uhr
Nach dem ersten Hören blieb nicht viel hängen, aber nach vier, fünf Durchgängen kann ich mir gut vorstellen, dass es mein liebstes Foals-Album abseits des Debüts wird.

"Antidotes" fällt stilistisch ja schon etwas aus der Reihe und hat mit seiner mechanischen Unterkühltheit einen ganz besonderen Platz in meinem Herzen. Aber "Life is yours" vereint für mich alle Stärken der Alben danach. Die ersten vier Songs sind Foals-Goldstandard, danach wird es kaum schlechter. Von ihren langsamen Songs war ich nie großer Fan (auch nicht vom viel gepriesenen "Spanish Sahara"), daher vermisse ich sie hier auch nicht. Und wie schon von vielen herausgestellt: Der sensationelle Flow macht bei diesem Album allein schon die halbe Miete aus.

Hätte nicht gedacht, dass ich mich noch einmal so für die Band erwärmen kann. Mit "What went down" und auch dem Doppelalbum zuletzt waren sie für mich irgendwie auserzählt.

XTRMNTR

Postings: 1240

Registriert seit 08.02.2015

2022-06-22 14:29:30 Uhr
"Under The Radar" ist für mich absolutes Highlight der Platte.

musie

Postings: 3346

Registriert seit 14.06.2013

2022-06-22 13:48:22 Uhr
Fand sie am Southside richtig klasse. Aber natürlich keine Überraschung, live bringens die einfach..

MrMan

Postings: 116

Registriert seit 05.09.2019

2022-06-22 09:10:49 Uhr
Die letzten Setlists haben mir gestern echt die Hoffnung auf "Exits" genommen. Find ich auch schade, dass sie da recht strikt bleiben und kaum was anderes spielen.

Jaggy Snake

Postings: 686

Registriert seit 14.06.2013

2022-06-22 09:07:19 Uhr
Ja, live immer wieder fantastisch. Nur schade, dass die Setlist auf dieser Tour bisher kein bisschen variiert wird.
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